piege
Kunst. Eleganz und Mode.
Dehler Selle qaug.
99. Mittwoch, 15. Dezemb. 1837.
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Aus dem F. F. des Lebens. (Rhapfodiſche Humoreske.)
Das erkaufte Vergnügen gehört unſtreitig zu den geringſten Senüſſen, denn es ſteht tief unter jenen, welche das Gemüth uns bietet, deren unei— gennüziger Werth ſich weder erkaufen, noch erſezen läßt. Eine erkaufte Fre u⸗ de kommt mir vor, wie eine Rolle Dukaten, welche ſich Jemand am Vor⸗ abende ſeines Geburtstages zu ſeinem Bett hinlegt, um früh Morgens beim Erwachen darüber in freudiges Erſtaunen zu gerathen. Ein erkaufter Freund kommt mir vor, wie ein hohler Zahn; er hält nur ſo lange feſt, als er mit Gold plombirt iſt.— Wohl iſt die reine, ungetrübte Freude, wie der treue uneigennüzige Fer eun d, des Lebens höchſtes Glük; doch ſelten findet man in dieſer Wuſtenei Oaſen. s
„Wohl mancher Traum muß! unerfüllt entſchweben, Wohl manche Blum' im Keime ſchon verblühn.“
ſingt Schulze; vielleicht dachte er dabei an Freude und Freunde. Wie ſchwer Beide zu erringen, lehrt uns Göcking:
„Alles, Alles läßt ſich kaufen, Freude nur, und Freunde nicht!“—
Jean Paul ſtellt den wahren Freund in die fernſte Zone der Möglichkeit, wäh— rend er den Genuß der reinen Freude Niemanden rauben will. Er ſagt:„Wir haben Alle ſchon geweint, jeder Glükliche ſchon einmal vor Weh, jeder Un⸗ glükliche ſchon einmal vor Luſt“; indeß er anderswo bemerkt:„Zum Mit⸗ leiden gehört nur ein Menſch, zur Mit freude— ein Ege Der Freund, dem wir unſer Herz ſo ganz und innig vertrauen wollten, müßte Beides theilen, mithin ein Engel ſein z allein Engel ſind— pardonnez 2 ſelbſt unter den Damen ſelten zu finden, freilich iſt ein gutes, treues Weib des Gat⸗ ten beſter Freund und ihre Liebe ſeine reinſte Freude; aber wie Mancher muß aich nicht um die Ruhe ſeines Lebens dieſe Schäze erringen.


