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der um eines bermeinten Prinzen Tod vollführte Krieg und Llebesſieg. Am Schluſſe eine luſtige Nachk omödie: die alten Weiber jung zu machen. 8
Wer eine Alte hat, der bring ſie heut zu mir,
Iq ſtelle ſie zur Luſt in der Comödie für.
Wie ich die Alten jung und lieblich machen kann,
Drum ſehen Sie's mit an, wie ich's verrichten kann.“ Die Schlußanzeige des Zettels lautet:
„Hier in der Fuhlentwiet, dem Bremer Schlüſſel über,
Da gibt man 16, 8, 4 Schilling und nichts drüber.
Es wird präcis 5 Uhr bei uns gefangen an,
Das iſt allzeit gewiß und hiemitzkund gethan.“
Auch der Schauſpieler-Prinzipal Joh. Gottlieb Förſter, früher Mit— glied der Spiegelberg'ſchen Geſellſchaft, welcher im Jahre 1725 eine eigene Truppe bildete, und in Norddeutſchland herumwanderte, zierte ſeine Komö— dienzettel mit Holzſchnitten. In dem von ihm oft gegebenen Spiel:„der ge— ſchaffene, gefallene und wieder aufgerichtete Menſch“«, war auf dem Zettel ein Holzſchnitt, worauf neben Adam und Eba und den übrigen Paradiesgeſchö— pfen ein Waſſergott ſich präſentirte, der aus einer Urne das Terrain det Pa⸗ rabieſes mit Waſſer überſpülte.
Derartige marktſchreieriſche Komödienzettel blieben beſonders bei unbe— deutenderen wandernden Schauſpielertruppen lange in Gebrauch; ſogar bis auf die neueſte Zeit trifft man, vorzüglich in Süddeutſchland, dergleichen Zettel, welche zugleich mehr oder minder wahre Bettelbriefe ſind.
Die Szenerien, welche im vorigen Jahrhundert häufig mitgetheilt wur⸗ den, waren oft ſehr ausführlich und nahmen großen Raum ein. So liegt uns ein Komödienzettel aus Wien vom Anfang des vorigen Jahrhunderts vor, wo— nach auf dem Känthnerthor-Theater eine Oper mit Vallet:„Der nach teut— ſcher Komödien, Engelländiſcher Vantomimen- und Italteniſcher Muſie-Art eingerichtete O. Fauſt“ gegeben ward, deſſen darunter gedruktes Szenarium den Inhalt ſämmtlicher Szenen des dreiaktigen Stüks ausführlich mittheilt.— Als am 15. April 1774 Goethe's„Götz von Berlichingen“ zu Berlin zum er ſten Mal gegeben ward, enthielt der Zettel ebenfalls das Szenen-Regiſter. In neueſter Zeit geſchah Aehnliches zu Weimar, durch Goethe veranlaßt, als auf dem dortigen Hoftheater zum erſten Mal Michael Beer's einaktiges Dra⸗ ma:„der Paria“ aufgeführt wurde, indem mit dem Zettel ein Blatt ausge— geben ward, welches das Verhältniß der Paria's in Hindoſtan zum beſſeren Verſtändniſſe des Stüks ſchilderte. Ebenſo kamen in früherer Zeit auch Lob preiſungen und Anempfehlungen des zu gebenden Stükes, der darin auftre- tenden Perſonen, darin vorkommenden Dekorationen u. ſ. w. vor.
Zum Schluſſe erwähnen wir einige derartige Zettel, zuvörderſt eines Prager vom 10. Auguſt 1766. f
„Mit gnädigſter hoher Bewilligung wird heute Sonntags in dem könig⸗ lichen Prager Theater des Herrn Impreſſarti Joſeph Buſtelli von einer aus guten Subjektis neu-aufgerichteten deutſchen Geſellſchaft zur gehorſamſten Un⸗ terhaltung einer hohen gnädigſt- gaädigen Nobleſſe und, ſammentlich ge⸗ neigten Publiko ein von mir, daß iſt von mir dem gelehrten Profeſſor


