Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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te das vorige Woche auf dem Eilande Fort Racſa geſtrandete Schiff. Es war mit zweitauſend Mezen Weizen bela den. Auch bei dieſem Unglük erwies ſich die Nuzbarkeit der Aſſekuranz; der Schaden ward ſogleich vergütet. Auf derſelben gefährlichen Eilandſpize riß an einem andern Schiffe das Haupt ſeil und ſchleuderte drei Schiffsknechte in den Strom; zwei davon wurden ge rettet, der dritte ward durch die Ge walt des Wurfs tief hinab geſchleudert, ſo daß er unterhalb des Fluſſes, jedoch leblos, zum Vorſchein kam. Seit Kurzem ward hier zwei Mal Feuer

angelegt. Das Erſtemal mitten in der

Stadt, in einem Stalle. Die Wind⸗ ſtille jedoch u. ſchnelle Hilfe ließen die Feuersbrunſt nicht weiter greifen. Zur Marktzeit, um wahrſcheinlich dem Diebsgeſindel freies Spiel zu geben, ward an drei Orten zugleich Feuer an gelegt; drei Schober Heu und eine Scheune verbrannten. Das, in einen mit Waaren gefüllten Wagen gelegte Feuer ward dadurch gelöſcht, daß die iſraelitiſchen Handelsleute den Wagen unter einen Brunnen ſchleppten. Ein Theil der Ladung ward durch das Feuer, der andere durch das Waſſer beſchädigt, doch ward das Meiſte gerettet. Nach richten aus Semlin melden, daß mit dem Dampfſchiff der zu Orſova in Quarantalne geweſene ruſſiſche Fürſt Dolgoruki, Adjutant des Kaiſers Ni kolaus, daſelbſt angekommen, und ſich bereits in die Reſidenzſtadt von Ser bien, zu Fürſt Miloſch, begeben habe. Auch ſoll ein Bevollmächtigter der Pforte daſelbſt angelangt ſein. Der Verfaſ ſungs⸗Entwurf für Serbien hat nicht zu Stande gebracht werden können, indem ſich viele Schwierigkeiten vorfanden, um einer bisher willkürlichen Verfaſſung, wenn auch heilſame Feſſeln anzulegen. Der Geſundheitszuſtand jenſeits der Donau ſoll ſich nicht verſchlimmert, ſon⸗

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dern vielmehr verbeſſert haben; doch graſſirt die Viehſeuche in Vosnien noch immer. Auch hie und da in Syrmien u. Slavonien zeigt ſich die Löſerdürre.

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Mignon⸗Zeitung.

Feuilleton aus Wien. XVIII. Der Herbſt iſt eingezogen und mit ihm das rege Leben in der Reſidenz. Man jagt nach Vergnügungen u. Zer⸗ ſtreuungen, Soirees, Piqueniques, Cerclesmuſicals kommen an die Tages ordnung, doch vor Allem werden die Theater zum Centralpunkte des geſel ligen Vereines. Die Direktionen über bieten ſich in neuen Vorſtellungen und die Kritik hat nun vollauf zu thun. Doch wie viel Altes muß man nicht auch verdauen. Die am 26. Okt. im k. k. Hofoperntherter verun glükte neue Operette, unſeligen An dens, hieß:Der Liebhaber in der Klemme, oder auf gut Deutſch Kotze buesengliſche Waaren, von einem gewiſſen Hrn. Walter ins Langwei⸗ lige bearbeitet und von einem Herrn Grutſch mit einer dem Libretto eben bürtigen Tohu- und Bohumuſik aus geſtattet. Unſer wakere Wild gab den herrlichenDon Juan, Mozarts genialſtes Werk, zu ſeiner Benefize. Wie Wild den Don Juan gibt, iſt be- kannt in dieſer Partie iſt er un⸗ übertrefflich. Delle. Lutzee als Donna Anna entwikelte, viel Bravour, dem Spiel und Geſange fehlte aber gänz lich die dramatiſche Wirkſamkeit. Un- ſere vier Monat krank geweſene Mad. Stöckel-Heinefetter trat an dieſem Abende wieder zum erſten Mal als Donna Elvira auf, wurde freundlich begrüßt und gefiel wieder. Hr. Do browsky, als Don Ottavio, machte fias ko, wie immer. Wir haben die tröſten⸗ de Hoffnung, ihn bald nicht mehr zu hören, da keine unſerer Primadonnen