Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
671
 
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iſt es doch nicht minder wahr, daß dle Gewißheit einer ehrenhaften und un⸗ abhängigen Exiſtenz ſtets die beſte An⸗ feuerung zu erneuerter Thätigkeit ſei; und ein Volk, daß ſeine großen Ta⸗ lente nur unter Leuten hohen Ranges oder großen Reichthums ſuchen muß, iſt ſehr zu beklagen. Das Beiſpiel ſo vieler Jahrhunderte hat es bewieſen, daß gerade die größten Geiſter aus den beſcheidenern Klaſſen der Geſellſchaft bervorgingen. Wie wäre dies aber wohl möglich in einem Lande, wo der Lohn einzig und allein in dem Beifall der Menge zu ſuchen iſt? Er ſelbſt hat für vierzig, mit dem entſchiedenſten Succeß auf allen Theatern der Halb⸗ inſel gegebenen Komödien, bis jezt noch keine andere Entſchädigung als dieſe erhalten. Hierauf berührte Nota auch die deutſchen Verhältniſſe in dieſer Hinſicht, die er auf der Reiſe hieher kennen zu lernen Gelegenheit gehabt. Zum Schluſſe des Banketts brachte Herr Duprez, Vizepräſident der Kommiſſion, folgenden Toaſt aus:Mein Herr! Die Kommiſſion der dramatiſchen Dich ter repräſentirt die Geſammtheit der franzöſiſchen Schriftſteller; Ihre Werke ſind ihr nicht unbekannt: der hage ſtolze Philoſoph, der reiche Empor kömmling, die Kokette, die ehrgeizige Frau, ſo wie auch andere Hervorbrin⸗ gungen Ihrer eleganten Feder haben in Frankreich, wie in Italien denſel⸗ ben Ruhm erlangt. Man wird dieſe Werke, gleich den Luſtſpielen Goldoni's, den Opern Metaſtaſto's, den Tragödien Alfieri's, deren Ruhm ſie ererbten, auch bei uns heimiſch werden ſehen. Wir freuen uns, die Literatur in Denen zu ehren, welche ſie zieren; in der Kunſt kennen wir keine Fremdlinge; Alle, die ſich ihr widmen, bilden nur eine Familie. Geiſt, Anmuth, Kraft

und Geſchmak ſind übrigens ganz fran⸗ zöſiſche Eigenſchaften; erlauben Sie

uns daher, Ste als einen franzöſtſchen Autor zu betrachten. Die Kommiſſion hat einen ihrer Jetons in Gold zu prägen anbefohlen; Ihr Name ſteht darauf; indem wir ihn Ihnen hiemit überreichen, glauben wir den Wünſchen unſerer Mandatarien zu entſprechen, und wir bitten Sie, ſolchen als eine Huldigung zu bewahren, die wir Ih⸗ ren Talenten zollen, und als ein An⸗ denken des Vergnügens, das wir em⸗ pfinden, Sie gaſtlich bewirthet zu ha⸗ ben. Auf dieſen civilen Toaſt ant⸗ wortete der Gaſt ſehr gerührt in fran⸗ zöſiſcher Sprache. Die Verſammlung trennte ſich unter dem allgemein aus⸗ geſprochenen Wunſche, daß der Ver⸗ ein der Schriftſteller recht bald ein europäiſcher werden möge, und das alle ſich nur wie eine einzige gro⸗ ße Familie betrachteten. Beſonders ſchön äußerte ſich Hugo über die von Goethe angeregte Idee einer Weltliteratur. Bei dem Gedanken an Deutſchland mußte man wohl in ſol⸗ chem Augenblike wunderbar bewegt wer⸗ den, und einige Wehmuth empfinden. Solches geſchieht von Leuten, die nicht wiſſen, daß man jenſeits des Rheins noch immerfort ſelbſt in Literatur und Kunſt Franzoſenhaß mit uner⸗ hörtem Fanatismus predigt. Mein Gott, wie lügen ſich doch dieſe Fana tiker in eine ältere dahingeſchwundene Zeit hinein! Täuſchende oder Getäuſch te, gewiß ſind ſie gleich beklagenswerth. Nach einer ſo eben erſchienenen Poli⸗ zei verordnung müſſen künftig alle Thea⸗ ter ſpäteſtens um Mitternacht ihre Vor ſtellungen ſchließen. Bisher war die eilfte Stunde feſtgeſezt geweſen. Zu St. Malo fand kürzlich ein Wettkampf ſonderbarer Art Statt. In dieſer Stadt lebt eine Frau, welche eine außeror⸗ dentlich gute Schwimmerin iſt; ihr Ruf verbreitete ſich ſogar bis über den Kanal, und erregte die eiferſüchtige