Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
654
 
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Herrmannſtadt(im Sept.)

Daß auch auf unſerer Bühne ein ra⸗ ſcher Wechſel, neuerer und älterer, gu ter Bühnenprodukte herrſche, beweiſen die ſeit der Rükkehr unſeres thätigen Direktors in Szene gegangenen Stü ke:Kean,Garrik in Briſtol, M. Louiſe von Orleans undMa⸗ rie Tudor. In den erſtgenannten Ef⸗ fekt⸗Stüken waren es vorzüglich Herr und Mad. Treumann, die glänzenden Beifall in den Titelrollen erhielten. Aber auch die Oper feierte nicht. Noch immer enthuſiasmirt die vortreffliche Mad. Schodl unſer kunſtgebildetes Pu blikum, als Norma, Unbekannte und Romeo. Dieſe geprieſene Künſtlerin ſoll zur höchſten Freude des Publikums ei nen neuen Gaſtrollen Cyklus mit der Direktion abgeſchloſſen haben. Hr. Di⸗ rektor Müller verdient für dieſe beſon⸗ dere Aufmerkſamkeit öffentliche Aner kennung. Hr. Catterfeld, neu enga⸗ girt, gefiel vorzüglich, als Kriegsrath Dall ner und in der Poſſe:Von Sie ben die Haͤßlichſte. Rappo's Kraft⸗ thaten haben hier wie überall Beifall gefunden. Auch iſt der berühmte Cata lani⸗Darſteller Kirchner hier eingetrof fen, um eine Reihe von Gaſtrollen zu geben. Ein polniſcher Spanier, Na mens Milo, aus Carlſtadt bei Madrid(sic), zeigte ſpaniſche Sprün ge, kam aber hier nicht vom Fleke. Am 21. d. M. hielt Se. königl. Ho⸗ heit der Erzherzog Ferdinand ſeinen Einzug in unſerer Stadt. Die Anwe ſenheit dieſer hohen Perſon wird hier viel Leben verbreiten, und wir ſehen auch froh ſo manchem heitern Theater⸗ abend entgegen. Man ſpricht, Hr. Di rektor Müller werde die Geſellſchaft ausdehnen. Ich werde den verehrten Leſern des auch hier ſo vielgeleſenen Spiegels von Zeit zu Zeit über die Leiſtungen unſerer Bühne Kunde geben.

D. Hl.

Mignon Zeitung.

Straßburg.(Jubel-Ausſichten.) Der Wein in der Champagne u. Bour⸗ gogne ſoll überaus vortrefflich gerathen ſein; die Jubelſeſte ſind alſo wieder mit gehörigen Quantitäten der feinſt en Weine zu verſehen, und man kann auf jede Geſundheit trinken, und ſich ſelbſt vertrinken. Auch die Verſammlung deut⸗ ſcher Raturforſcher und Aerzte wird im künftigen Jahre wieder Gelegenheit haben, an einer wohlbeſezten Tafel ge⸗ lehrte Reflexionen über den Champag nergeiſt zu halten. G.

Rio de Janeiro. Hier haben ſich zwei Aerzte, die Profeſſoren Cam buci do Valle u. dos Santos duellirt. Jener iſt Allopath, dieſer war Ho möopath, denn er iſt geblieben, und das Jenſeits könnte ihn vielleicht über alles Syſtematiſiren aufklären. Warum ließ er ſich indeß auf ein ſo kräftiges Mittel ein, wie das Duell, da ſein Oyſtem ihm ja ſchon jeden Aderlaß un terſagt! P.

Leipzig. Es iſt in Deutſchland faſt allgemein die Sage verbreitet, daß Mendizabal jüdiſchen Glaubens oder doch jüdiſchen Urſprungs ſei. Von Pa⸗ ris aus iſt jüngſt die Grundloſigkeit dieſer Angabe völlig erwieſen und zugleich dargethan worden, daß dies alberne Mährchen lediglich die Erfin- dung eines Pariſer Wizboldes iſt, die von den karliſtiſch geſinnten Blättern beſtens benuzt und mit gehörigen Zu ſäzen verbrämt wurde. Auf dieſe Wei ſe hat Spanien einen angeblichen diſchen Premierminiſter erhalten, und es iſt um ſo unbegreiflicher, wie deut ſche Blätter dieſen Unſinn ſo beharr lich nachplaudern konnten, da doch Je dermann wiſſen ſollte, daß bereits ſeit 5 Jahrhunderten(1492) die Juden aus Spanien vertrieben ſind und kein Ein ziger ſich dort aufhalten durfte, ohne