Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
652
 
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Glanz, der bis zu den lezten Kreuzzügen binaufgeht... Sie lächeln, iſt es aber einem alten Edelmann, der nur Lieutenant in der franzöſiſchen Armee iſt, nicht erlaubt, ſich ein wenig der Vergangenheit zu erinnern, da die Ge⸗ genwart und die Zukunft ihm fehlen?

Ich verneigte mich und der Greis fuhr fort.

Mein Vater, der drei Söhne hatte, wovon ich der jüngſte bin, ſtarb jung; meine Mutter verheirathete ſich wieder, und wir blieben bei einem Stiefvater, der, obgleich ein rechtſchaffener Mann, uns doch wünſchen ließ, ſein Haus ſobald zu verlaſſen, als unſer Alter es uns erlauben würde. Ich war beſtimmt in den Maltheſer-Orden zu treten, und meine Brüder gründeten die Hoffnung auf ihr Weiterkommen in der Welt nur auf eine vortheilhafte Heirath; ſie waren ſchön, gut gewachſen, hatten das, was man damals einen großen Namen für ihre Provinz nannte, und die reiche Partie, welche beide wünſchten, würde ihnen bon ſelbſt gekommen ſein: aber unſer mäßiges Ver mögen befand ſich nicht in Frankreich, es war in Martinique, wo wir eine Pflanzung, einige Zukermühlen und Sklaven beſaßen. Ludwig, der älteſte, der bei dem Tode unſeres Vaters den Titel Marquis annahm, beſchloß übers Meer zu gehen, um ſich ſelbſt von dem Werthe eines Eigenthums zu überzeu⸗ gen, worauf ich keine Anſprüche, und Proſper, mein zweiter Bruder, nur wenige hatte. Dieſer wollte jedoch ſeinen älteſten Bruder begleiten, entweder um ihn nicht zu verlaſſen, denn beide liebten ſich ſehr, oder um ein Land zu ſehen, deſſen Wunder ſeine Kindheit gewiegt hatten. Sle reiſten ab. Proſper hatte mehr Freundſchaft für mich als der Marquis, und er ſchrieb mir auch ſobald ſie angekommen waren. Was ſoll ich Ihnen von ſeinem Enthuſlasmus bei dem Anblik dieſer neuen Natur ſagen, wovon unſer Languedoc, ſo heiß es auch iſt, ihm keine Vorſtellung gegeben hatte? Es war um ihn her blos Freude, nichts als Einladungen, wovon eine die andere zur Folge hatte, als Feſte, Jagden, welche durch die damit verknüpften bisher unbekannten Fähr lichkeiten für uns Europäer neue Gemüthsbewegungen und neuen Reiz erzeug⸗ ten; bald enthielten ſeine Brieſe aber keine Erzählungen von Spielen oder Feſten, in allen ſprach ſich nur eine Leldenſchaft aus; Uroſper war verliebt.. Sie finden das Alles einfach, mein Herr; und Sie wiſſen noch nicht einmal, wer der Gegenſtand dieſer Liebe war: es war ein Kind von höchſtens vierzehn Jahren, eine Negerin.

Eine Negerin! rief ich.(Fortſezung folgt.)

Mehemet Ali.

0 Fürſt Pückler iſt ſehr entzükt von Mehemet All; er habe, ſagt er, das Benehmen eines der feinſten, ausgebildetſten Europäer, gepaart mit der Würde eines mächtigen Fürſten, und ſein tiefes Urtheil, ſeine Kenntniß der europäl ſchen Verhältniſſe ſezten wahrhaft in Erſtaunen bei einem Manne, der erſt im dreißigſten Jahre leſen lernte. Er empfängt regelmäßig engliſche und fran zöſiſche Journale und ſein Lieblingsblatt ſoll derConstitutionnel ſein. Er diskutirt oft Stellen daraus underitiſirt ſie ſo geſchikt wie ein deutſcher Rezenſent. Wenn auch der fürſtliche Verichterſtatter die Gelehrſamkeit det