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das Beneſize der Dem. Fanny, vom hieſigen Publikum, Abſchied. Gewiß, in jeder fühlenden Bruſt wiederhallten ihre Abſchiedsworte:„Wir werden Sie nie vergeſſen“, und wek⸗ ten ein ſchmerzlich Gefühl des tiefſten Wehes!— Am Schluſſe der Vorſtel—⸗ lung ſtürzten alle Cachucha-Enthuſia— ſten(nachdem von ihrem Beifallsgetobe das Haus in ſeinen Grundfeſten zu er— beben ſchien) die Treppe hinab in's Komödiengäßchen, um den hochgefeier— ten Künſtlerinen, noch beim Einſtei— gen in den Wagen ein begeiſtert„Le⸗ behoch“ nachzurufen. Drei vorne h⸗ mie Herren, die ebenfalls aus dem Theater herbeigeeilt, bezeugten auf höchſt originelle Weiſe, den Grad ihres Enthuſiasmus für das holde Schwe— ſternpaar. Indeß der Eine mit einer Zehn⸗Gulden⸗Bank note, den Kutſcher ihrer Equipage, vom Boke ſtieß, hin— auf ſprang und in persona den Wagen bis zu deren Wohnung leitete, waren die zwei Andern hinten aufs Brett ge— ſtiegen u. übernahmen die Charge von Jäger und Bediente. Das waren doch wahrhaftig Cavalieri serventi 11 Ein dichter Menſchenſchwarm begleitete unter anhaltenden Acclamationen den langſam fahrenden Wagen. In ihrer Wohnung angelangt, mußten die lieb⸗ lichen, anſpruchsloſen Schweſtern, dem kein Ende nehmenden Zurufe der Men—⸗ ge nachgebend, ſich dreimal am Fenſter zeigen. So endete ein Theater abend, wie ich hier noch keinen erlebt.— Im k. k. Hofburgtheater gaſtirt mit gün— ſtigem Erfolge der balriſche Hofſchau— ſpieler Eßlair. Er trat am 10. Auguſt in Ifflands„Jäger“ als Oberförſter auf und war in vielen Szenen ausge- zeichnet, doch der Totaleindruk fehl— te. Es ſcheint als ſei der Feuerbrand der Kraft und Energie der ihm früher inwohnte, nun zur Kohle, zu noch glühender Kohle herabgebrannt. Den
Tag zuvor, am 19. Aug., debutirte eine Mad. Deſſoir, vom Breslauer Stadttheater, als„Griſeldis.“ Sie ſpielte warm, bewegt und mit künſtle⸗ riſcher Routine dieſe dankbare Rolle der Griſeldis, doch— eine„Rettich“ iſt ſie nicht!— Die Leopoldſtädter Bühne brachte am 7. Auguſt, als Be⸗ nefize des wakern Valletmeiſters Paul Nainoldi, eine große Zauberpantomi— me:„Verſeus u. Andromeda, oder Har— lekin als Adler“, ein Stük noch aus der bon vieux tems, voll überraſchen⸗ der Szenen und Tableaux. Ein Waf⸗ fentanz fand, vorzüglich durch exakte Ausführung, die volle Anerkennung des zahlreich verſammelten Publikums. Hr. Rainoldi, als Silen und ſeine Frau Mad. N., als Colombine, be⸗ währten an dieſem Abend ihre längſt anerkannten Verdienſte. Hr. Schadetzky war, wie immer, als Pierot vortreff— lich und ſprudelte von Schelmereien.— Am 10. ſah ich ebendaſelbſt:„Berg— geiſt und Mandolettikrämer“, Zauber poſſe von einem großen Unbekannten und Ungenannten. Das Stük, dem Plane nach gut, in der Durchführung und dem Dialoge miſerabel, iſt ein Gemeinplaz der roheſten Späſſe, wo man allſede Minute die geiſtreichſten(1) Wize auf Ochs und Eſel u. dgl. zu hören bekömmt. Mad. Rohrbeck, wel⸗
che in dieſer Piece drei verſchiedenar⸗
tige weibliche Charaktere, als die ei⸗ ner„Häuslichen, Sittſamen und Lu— ſtigen“ repräſentirt, ſpielte ausgezeich— net gut. Beſonders gab ſie die Lach⸗ ſzene, als Luſtige, mit naturgetreuer Wahrheit. Hr. Weiß, als Mandolet⸗ tikrämer, Hr. Scutta, als Pächter Grünſchnabel und Hr. Tomaſelli, als Vedienter Adam, waren in ihren Rol— len zu Hauſe und hielten das ſchläf—
rig gewordene Auditorium mit ihren
Späſſen wach. Ein Hr. Caché, als un⸗ ter geordneter Gnome, war in


