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ſeiner Freundſchaft und Liebenswürdigkeit beruhe. St. Germain überlegte.— „Ich kann Ihnen mit dieſer Summe dienen,“ ſagte er,„weiß aber, daß Sie nicht ruhig ſein werden, bis Sie mich bezahlt haben, und wünſchte doch nicht, Sie in neue Verlegenheit zu bringen. Es gibt ein anderes Mittel: Sie kön⸗ nen Ihren Verluſt wieder gewinnen.“—„Aber, theurer Graf,“ war die Ant⸗ wort,„ich ſage Ihnen ja, daß wir kein Geld mehr haben.“—„Geld brau— chen Sie dazu nicht,“ erwiderte St. Germain.„Hören Sie mich aus.“ Jezt entdekte er meiner Großmutter ein Geheimniß, welches Jeder von uns theuer bezahlen würde—.“
(Fortſezung folgt.)
Ein berühmter Boxer. (Beſchluß.)
„So hat der Fauſtkampf im Laufe eines Jahres, in der Friſt von eini⸗ gen Stunden die beiden ſchönſten Kleinode ſeines Kranzes verloren. Dieſer Verluſt iſt um ſo beklagenswerther, da es uns unmöglich ſcheint, ihn zu er— ſezen. Die großen Talente werden immer ſeltener! Was werden wir nach den vortrefflichen Fauſtkämpfern noch haben, welche den brittiſchen Boden heute mit ſo viel Ruhm erfüllen. O Tod! da das Talent, die Stärke, der Muth zu gleicher Zeit unter deinen Streichen fallen, ſo mache wenigſtens denjenigen, die wir beweinen, die Erde leicht, und ſei bei ihnen der Bote unſerer Klagen!
Der berühmte Simſon zählte ſiebenundzwanzig Jahre, als der Tod ihn ereilte; am Morgen des 195ten ſtand er im beſten Wohlſein auf, und um ein Uhr Nachmittags hatte ihn ein Pudding, den er ganz allein zu ſich nahm, erſtikt.“
Warum war er auch ein ſolcher Vielfraß?
Ach! mein Herr, was ſagen Sie da? rief Georg Brown in Verzeiflung, ſolche Männer ſind ſelten.
Das iſt ein Glük, denn gäbe es viele, ſo würden ſie Hungersnoth über ein Land bringen.
„Dieſes unglükliche Ereigniß,“ fuhr er ſeufzend fort, indem er ſein Blatt wieder zur Hand nahm,„war im Begrieff einer großen Anzahl von Zuſchauern, die nach Salisbury geſtrömt waren, eines ſo erſehnten Schau— ſpieles zu berauben, als ein franzöſiſcher Herr, Namens Eduard Dorville, der ſich zufällig in der Stadt befand, Simſons Plaz übernahm, um mit Thomp⸗ ſon zu boxen. Dieſer junge Mann iſt ſchlank und ſehr mager; er hat lange Arme, aber ſehr kleine Fäuſte, und wiegt höchſtens neunzig Pfund. Sein Ausſehen flößt kein Zutrauen ein, auch waren die Wetten im Anfang träge und ſelten; allein bald ſah man ihn eine geſchikte Taktik, eine vollkommene Grazie, eine außerordentliche Feſtigkeit entwikeln, welche ſelbſt die für ihn am wenigſten eingenommenen Perſonen elektriſirte. Dieſes Vertrauen ſteigerte ſich noch, als man ihn nach einem Kampfe von einer halben Minute ſeinen Gegner mit dem erſten Schlage zu Boden ſtreken ſah, ohne daß es ſchien, daß er ihn berührt habe. N
Ach! warum mußte die Ehre von Altengland in dieſem denkwürdigen Kampf verwikelt ſein! Der unglükliche Thompſon ſtand wieder auf, und wollte


