Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
474
 
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will mich stellen, ſagte er,als wollte ich in die Vorſtadt von Troyes mich einſchleichen; man wird mich anhalten und vor den Stadtvogt führen; dieſer wird mich ſtraks erkennen, mich zweifelsohne für euren Spion halten, und ohne viele Umſtände zum Strange verurtheilen. Man wird mich mit allem Armenſündergepränge zum Galgen ausführen, der ſeine drei Beine außerhalb der Stadt in die Luft ſtrekt, und Ihr könnt Euch leicht denken, meine Freunde, daß mir zahlreiche Schaaren dieſer armagnakiſchen Schurken mit Schadenfreude das Geleite geben werden. Ihr legt Euch unterdeſſen in einen Hinterhalt, ſtürzt, wie der günſtige Augenblik erſcheint, gleich Gottes Don nerwetter über die Hundsfötter her, rettet mich von der Hochzeit mit der Seilerstochter, und macht ſo viel Gefangene, als Euch gut däucht. Aber hal⸗ tet Euch unverweilt gefaßt. Es iſt bei der Sache keine Zeit zu verlieren. Uebermorgen, eh' noch der ſchwächſte Schimmer des werdenden Tages ſich zeigt, müßt Ihr bereits auf den Beinen ſein und mit aller Vorſicht in Eurem Ver ſteke Euch poſtiren. Denn bis dahin werde ich mich fangen laſſen, und wahr ſcheinlich wird man dann nicht viel Federleſens mit mir machen. Ihr ſeht, ich rede hier nur zu Eurem Vortheile. Denn, wenn ſie mich aufknüpften, eh' Ihr noch da wäret, hättet Ihr nicht einen rothen Heller Gewinn bei dem Spiele.

Dieſer Vorſchlag des luſtigen Bertrand ward mit allgemeinem Beifalle auf⸗ und angenommen, und die Sache ganz nach ſeinem Entwurf eingeleitet. Mittlerweile ſchlich Bertrand der Stadt zu, ließ ſich, als er durch den Wall graben ſich ſtahl, erwiſchen, ward in Folge deſſen vor den gegen ihn höchlich erboſten Stadtvogt geführt, in ein ſummariſches Verhör genommen und verur theilt, am früheſten Morgen mit Sonnenaufgang gehängt zu werden, worauf dieſe richterliche Sentenz ſogleich publizirt ward.

Natürlich machte ſich, als der folgende Tag noch kaum zu grauen be gann, Alles, was nur die Beine regen konnte, raſch aus ſeinen vier Pfählen, und eilte vor das Gerichtshaus, um den armen Sünder zum Galgen zu gelei ten. Mit dem erſten Sonnenſtrahle erſcheint er auch auf einem Karren inmit ten ſeines Beichtvaters und des Freimannes, und nun begann der Zug, die Mitglieder des hochnothpeinlichen Halsgerichtes mit dem Stadtvogte an der Spize, ſich allmälig in Bewegung zu ſezen. Aller Augen waren auf Ber trand gerichtet, der aber nichts weniger als Entmuthigung zeigte, und end- lich ſogar ſeine Sakpfeife verlangte, worauf er, als ſie ihm gereicht ward, zu großer Ergözung des immer zahlreicher herbeiſtrömenden Volks, gar liebliche Weiſen anſtimmte, und endlich unter allgemeinem Gelächter ein improviſirtes

Liedchen ſang, welches ſo anfing: n

Ihr lieben Leute, bitt' Euch, trinkt Ein Gläschen auf mein Wohl!

Denn ſeht nur, ſeht! der Galgen winkt, Worauf ich zappeln ſoll. La, la! La, la! La, la!

Worauf ich zappeln ſoll.

Inzwiſchen hatten die Burgunder alle ihre Anſtalten auf das Klügſte ge⸗ troffen. Schon gegen Mitternacht vor dem Exekutionsmorgen hatte ſich eine tüchtige Anzahl handfeſter Kämpen in ein Wäldchen unweit des Hochgerichtes