Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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men der Hände in die Seiten, kein troziges Stampfen mit den Füßen: dieſe Dinge amalgamiren ſich einmal mit dem Lokenköpſchen nicht; das Weib kennt an dere Mittel, ſeinen Unmuth auszudrü⸗ ken. Dies ſei indeß nicht auf M. Schodl. angewendet, denn ihr löblicher Eifer verdient eher Aufmunterung, ſondern im Allgemeinen geſagt. Mad. Schodl erhielt, wie erwähnt, lebhaften Bei fall, und er war auch verdient. Der erſte Akt gelang ihr am Meiſten, aber die bereitwillige Wiederholung der ſo anſtrengenden Geſange-Nummer im er ſten Akte mag die Sängerin etwas er⸗ ſchöpfe haben, ſo daß ſie in den fol⸗ genden Akten nicht mehr ihre volle Kraft entwikeln konnte. Sie ward meh⸗ rere Mal gerufen. Sie dankte einmal ſehr geläufig in ungariſcher Sprache, was mit Begeiſterung aufgenommen wurde. Mad. Schodl iſt eine geborne Siebenbürgerin.(Die nächſte Rolle der Mad. Schodt ſoll Fidelio ſein.) Am 21. d. M. wurden wir wieder von der Birch⸗Pfeiffer'ſchen Muſe heimge ſucht. Dies neue klaſſiſche Werk heißt: die Wittwe und ſoll ein Drama in 4 Akten ſein. Ich glaube, die große Dichterin hat ſich diesmal in Jam⸗ ben verſucht, wenn anderſt das, was unſer Gehör ſo marterte, dieſen Namen verdient. Das Ganze würde ich gräß⸗ lich nennen, wenn es nicht abgeſchmakt wäre. Welche Handlung! die Dich te rin verdarb einen ziemlich guten No vellenfaden, um dieſes Drama daraus zu ſtriken. Welche Charaktere! dieſe Wittwe, dieſer erbärmliche Lord Wi liam Falkland, dieſe ſchon hundertmal reproduzirte abſcheuliche mauriſche He pen⸗Amme u. ſ. w., wie bedeutungs los iſt dies Alles, und bei allem Dem ſtirbt man Hungers vor Langeweile, ja ich kann behaupten, daß namentlich der dritte Akt, der ennuyanteſte aller epiſtirenden Akte iſt. Nicht einmal

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von dem Bischen Effekte, das ſonſt in den Stüken der ſchreibſeligen Madame, die ſich auf ihre Bühnenkenntniß ſo viel zu Gute thut, vorkommt, ſindet man hier eine Spur, ſo daß das ganze Opus bald ſpurlos verſchwinden wird. Die Darſtellung war in ſo ferne intereſſant, als Mad. Kalis-Padjera zum Erſtenmale nach ihrer Krank heit die Bühne in der Hauptrolle wieder betrat. Sie ward mit lautem Jubel be grüßt, mehrmals gerufen und mit Ge⸗ dichten beſungen. Ihre Aufgabe war eine ſehr ſchwierige; aus dieſem widri⸗ gen Charakter, aus dieſem Chaos von Worten, aus dieſer unweiblichen Si⸗ tuation, in welche ſie die Dich te rin ſo unbarmherzig verſezte, et was Sinniges zu Tage zu fördern, gehört ein gediegenes Kunſttalent. Der Dar⸗ ſtellerin gelang es, ſich Theilnahme zu verſchaffen und das will bei dieſen Um⸗ ſtänden wahrlich viel ſagen. Sehr lo⸗ benswerth ſpielte auch Herr Dietrich (Lord Falkland), ergreifend Mad. De ny(Jacinta, die mauriſche Amme) und Erwähnung verdienen Mad. Grill, und die H. H. Treumann und Pauli. N München(12. Juni). Fräulein van Haſſelt iſt nun von ihrer Kunſt reiſe nach Stuttgart und Karlsruhe wieder zurük gekommen. Wie man hört, iſt ihre Aufnahme in dieſen Städten zwar nicht ungünſtig geweſen, jedoch keineswegs ſo voll Huldigungen, wie ſie ihr hier ſchon öfter zu Theil wur den. Einen großen Antheil daran moch te die frühere Anweſenheit der Dem. Schebeſt in dieſen Städten haben, die dort den lebhafteſten Beifall erhalten hatte. Indeſſen benimmt dies den Ver dienſten unſerer Sängerin nichts; ſie hat auch ihre Vorzüge, welche von al len Freunden der Kunſt anerkennt wer- den. Jezt erfreut Mad. Pirſcher von Mannheim das Thegterpublikum. Ihre