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entgehen. Er war damals fünfundzwanzig Jahr alt, und konnte ſeine frühe— ren Sünden wieder gut machen. Bei der Geburt eines Sohnes ſchwur er ſich, keine Karte mehr anzurühren, und hielt ſeinen Schwur zwei Jahr lang, wo ihm jede Gelegenheit zum Spiel fehlte. Zum Jahrmarkt gekommen, um einige nothwendige Wirthſchafts-BVedürfniſſe zu kaufen, ſah er auch die Spielbank, pointirte anfangs niedrig und gewann. Die Gewalt des Wortes„Gewonnen“ begreifen Alle, welche die ſchrekliche Leidenſchaft des Spiels kennen, und die das Schikſal mit Spielern oder mit wild ſpekulirenden Kaufleuten zuſammen führte. Wie von einem Schwindel ergriffen, ſezt man, ohne der Vernunft Gehör zu geben, Ehre, Vermögen und Leben an's Spiel. Nicht umſonſt haben die Spieler das Sprichwort unter ſich:. nur jage nicht deinem ver— lorenen Gelde nach.“ 0
Schelkoff, nachdem er ſein baares Geld verloren, dachte ſich durch einige Gläſer Champagner zu ermuntern, und verlor auf Wechſel ſein ganzes Ver— mögen. Dann erſt dachte er an Weib und Kind. Einem Fehler folgt die Reue, aber, einem freiwilligen Vergehen faſt immer die Verzweiflung. Im erſten Anfall von Verzweiflung rannte Schelkoff in die Apotheke, kaufte Gift und verſchlang es. Kaum hatte er es hinunter, als ſich ihm das Leben mit allen ſeinen Hoffnungen und Freuden vor Augen ſtellte. Heftig erhob ſich in ſeiner Bruſt die Liebe zu Frau und Kind. Da die Menge des eingenommenen Giftes ihn an Rettung ſeines Lebens nicht denken ließ, ſo wollte er doch we— nigſtens noch einmal Gattin und Sohn in's Auge bliken und in ihren Umar— mungen ſterben. Er eilte auf ſein, nur fünfzehn Werſt von der Stadt ent— ſerntes Gut.
Alles im Hauſe ſchlief. Schelkoff wekte die Leute auf, ließ ſich Licht anzünden, trat damit in das Schlafzimmer ſeiner Frau und wekte ſie. Sie erſchrak bei ſeinem Anblik. Sein Geſicht war blaß, ſeine Augen blutroth, Haare und Kleidungsſtäke in Unordnung. Seine Züge hatten etwas Befrem— dendes, Verſtörtes.
„Gäͤtiger Himmel, was iſt mit dir geſchehen?“ rief Wera aus.„Du biſt krank, mein Freund!“
Schelkoff ſezte ſich auf's Bett, ergriff die Hand ſeiner Gattin, drükte ſie an Mund und Herz und ſagte im Tone der Verzweiflung mit gebrochener Stimme:„Engel, Freundin, geliebte Wera! Du liebteſt einen Unwürdigen, einen Verworfenen.“ 4
Wera wäre faſt ohnmächtig geworden; es ward ihr dunkel vor den Augen. Sie glaubte, ihr Gatte habe irgend ein B. ee einen Mord begangen.
„Höre mich ruhig an, liebſte Freundin fuhr Schelkoff fort.„Gott ſchenkte dir ein feſtes Gemüth und ein durch 100 heilige Religion gekräftig— tes Herz. Nimm alle Kräfte deines Verſtandes und deiner Seele zuſammen, höre mich an, und verzeihe mir.— In einer Minute vielleicht ſcheiden wir auf ewig.“—
Seine Stimme ward matter; auf ſeiner Bruſt laſteten zurükgehaltene Thränen, aber zu weinen vermochte er ſchon nicht mehr. Wera bebte am gan— zen Leibe 55 konnte kein Wort ſprechen.
(Beſchluß folgt.)


