Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
368
 
Einzelbild herunterladen

Der Modenkourier. (Paris, 28. Mai 1837.)

Die Mode kommt, die Mode geht, Die Mode weilet und beſteht.

1.Der Frühling figurirt heuer blos in den Kalendern, ſagt ein Pariſer Blatt,wo man ihn an der Seite ſo vieler andern eitlen Vorausſagungen findet. Es hat kein Ueber gang zwiſchen Winter und Sommer ſtattge funden; wir ſchreiten unverſehens von der Kälte zur Wärme, vom Regen zur Trokenheit, vom Kothe zum Staube, vom Pelzwerk zu den Spizen, vom Sammet zum Mouſſelin, ohne uns bei lauen Mailüftchen aufzuhalten, ohne den Pou de Soie und den Wollmouſſe lin zu benüzen. Die Früchte erſchienen plöͤz lich auf den Bäumen, die wir nie grünen, nie blühen ſahen. Käme ein ſchöner Morgen, und würden wir von den weißen Kleidern und weißen Pantalons geblendet, ſo würden wir uns die Augen reibend fragen:Hat es dieſe Nacht geſchneiet?« wenn es nicht allenthal ben Sommer wäre, und wenn! der Winker nicht die beiden Enden des Jahres verbände; denn die Unterbleibung des Lenzes muß uns mißtrauiſch machen. Was troz dieſer Witte rung an Neuigkeiten erſcheint, theilen wir hier mit.

2. Eine ſehr häßliche Mode, wenn ſie von häßlichen Frauen angenommen wird, eine ſehr ſchone Mode, wenn es ſchöne Frauen ſind, die ſie tragen, iſt die Mode der Bon nets à la paysanne(Bäuerin) aber à la pay- Sanne im vollen Sinne des Wortes, ſo wie wir ſie an den jungen flandriſchen Landmäd chen gewahren. Dieſe Bonnets, mit zwei langen aus gefältelten Spizen gebildeten Pa pillons, ſehr weit unter dem Ohre und geſpannt ober der Stirn, ſind von Tulle, farbig gefüt tert und haben ſeitwärts eine dike Bandſchlei fe; dann ziert man ſie mit reichen goldenen Nadeln und ſelbſt mit Edelſteinen, die man in die Mitte oder an jeder Seite des Bon nets placirt und deren ſehr kleiner Boden rükwärts durch eine Schleife, deren Enden auf den Hals fallen, befeſtigt wird. Es ver ſteht ſich, daß dieſe Art Koeffüre durch ein

368

junges, ſchöͤnes Geſicht und eine ausnehmend elegante Toilette gehoben wird. Wir ſahen ſie noch nirgends, als in den erſten Logen der italieniſchen Oper.

3. Die gezogenen Kapoten ſind ſo allge- mein in der Mode, daß die Modiſten ſie mit allen Gattungen Blumen zieren. Auf einer gezogenen Kapote von weißem Poult de- Soie bringt ein Bouquet von Parmeſaniſchen Veil chen, das in der Mitte einer Bandſchleifer mit langen Enden angebracht iſt, einen guten Ef fekt hervor. Auf jeder Seite des Schirms ſind zwei Veilchen-Bouquete.

4. Reisſtrohhüte ſind vom beſten Ge ſchmak. Man ziert ſie mit Blumen aller Art.

5. Auf einigen Kleidern, die wir in der Stadt bemerkten, gab es Falben, Fichus z la paysanne und garnirte flache Aermel.

6. Die Röke erhalten ſich in ihrer außer⸗ ordentlichen Länge; nicht nur, daß ſie die Erde berühren, ſchleppen ſie ſich auch ſtark nach.

7. Die Binden(Ceinturen) von Bändern ſind ſehr beliebt und vorn die Schnallen kom⸗ men wieder in die Mode.

8. Die Zahl der ſchwarzen Mantelets wächſt von Tag zu Tage. Diejenige muß we nigſtens eine Großmutter ſein, die nicht da mit verſehen wäre. Es gibt einige, die einen zurükgeſchlagenen Kragen und ſelbſt einen Re vers haben.

9. Eine Neuigkeit, die wir bei jungen Frauen und Mädchen gewahrten, ſind Spen cer von violettem Sammet, von Amazonen Form und mit einem kleinen gebrochenen Kragen. Der Leib wird vorn durch eine drei fache Reihe Poſamentirknopfe zugeknopft; vor ne etwas zugeſpizt, rutwärts Schoſſe à la polonaise, auf welchen manchmal eine kleine Palte in Form einer Taſche bezeichnet iſt.

Modenbild. Nr. 25.

(Paris, 25. Mai). 1. Reisſtrohhut. Mouſſelinkleid. Mantille v. Atlas. 2. Ge⸗ zogener Hut. Jakonnettleid.

Wir machen unſere geehrten Leſerinen wie derholt auf Hrn. Mind ſzenty, Damen- tleidermacher in Peſth(große 3 Nro. 634) aufmerkſam, da deſſen Ar eiten ſtets das Gepräge der Neuheit, des Geſchma⸗ kes und der Solidität an ſich tragen, und er glutlich in der Auswahl bei den ſo ver ſchie⸗ denartigen Spenden der Mode iſt.

Halbjähriger Preis 4 fl., mit freler Poſtzuſendung 5 fl. 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. Man pränumertrt im de Waſſerthors), in C. Millers u. F. Tomalas Kunſthandlungen

Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdrilken Kommiſſionsamt zu Ofen(Feſtung, außerhalb zu Peſth und bel allen k. k. Poſtämtern.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.