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Brief eines Studenten an ſeinen Vater, einen ehr— lichen Bauer.
Lieber Vater. Heute, am Montage, ſchreibe ich Dir mit dem Voten, der morgen, den Dienſttag, abgeht. Auf die Mittwoche wird er bek Dir ſein, und Du wirſt dieſen Brief den Donnerſtag erhalten. Gelder wirſt Du mir wohl auf den Freitag ſenden. Wo nicht, ſo reiſe ich auf den Sonnabend ab, um auf den Sonntag bei Dir zu ſein.
Die Eitelkeit der Frau von Stasl.
Frau von Stasl liebte den Puz ſehr, ob ſie gleich Philoſophin war; man ſah ſie immer kokett gekleidet; ſie gab ſich gern jeder, auch der gering fügigſten, Mode hin, und wußte recht wohl, was ihrem braunen Teint gut ſtand und ihrem Blike mehr Feuer zu geben vermochte. Auch ging ſie nicht minder auf die Eroberung des Herzens als des Geiſtes der Männer aus. Sie wußte, daß ſie eine tadelloſe Hand habe, und ſuchte deshalb Alles hervor, um dieſelbe ſehen und bemerken zu laſſen. Ueberall hatte ſie einen Zweig von einem Strauche in der Hand, den ſie graziés zwiſchen den Fingern herum— drehete. Das leichte Geräuſch, welches dieſes Spielzeug bei ſeiner ſchnellen Kreisbewegung machte, war gleichſam die obligate Begleitung der Worte der geiſtreichen Schwäzerin.„Ich würde ſtumm werden, wenn man mir meinen lieben Zweig nähme,“ ſagte ſie bisweilen. Nahm ihr die Jahreszeit ihr Spiel⸗ zeug, ſo erſezte ſie es durch kleine Stükchen zuſammengerollten Papiers, das doch auch dem Hauptzweke diente, ihre Hand immer ſehen zu laſſen.— Ste theilte mit Napoleon dieſe kleine Eltelkeit.
n. Urtheile. Begebnisse.
lich einſtellte.— Darauf wurde Kotze⸗ Theater.
bues Mährchen„der Nothmantel“ ge— geben, das ziemlich unterhielt. Herr Henſel war ſehr verdienſtlich.— Tags darauf zog Raimunds„Verſchwender““«, mit etwas veränderter Beſezung, zum 5. Male ein großes Vublikum an.— Im nächſten Karneval haben wir drei alte, aber höchſt ſchnurrige u. ergözliche Voſſen zu gewärtigen, die, ſo alt ſie ſind, gewiß noch immer ihren beſcheldenen Zwek er— reichen werden, die Lachluſt in hohem Grade zu erregen. Nämlich:„Die Schweſtern von Prag“,„das neue Sonntagskind“, und„der luſtige
Peſth(3. Jan.). Der Neufahrs— tag brachte uns wie gewöhnlich ein Ge— legenheitsſtük, das diesmal den o vi— ginellen Titel:„der Jahreswechſel““ führte. Eine Allegorie mit einigen patriotiſchen Anklängen, zahlreichen Tableaux und einem begaliſchen Feuer, was das Beſte war, weil es der Sache ein Ende machte. Das Publikum nahm nur die loyalen Stellen gut auf, beim Uebrigen blieb es ſo kalt, wie ſich heuer draußen der Jahreswechſel wirk—


