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London. Ein bedeutender Vuch— binder in der Londoner City erhielt kürzlich am Nachmittag den Auftrag, 1800 Bände Taſchenbücher zu binden, die am folgenden Morgen um 10 Uhr nach Amerika verſchifft werden mußten. Die große Erleichterung, welche die engliſche Buchbinderei den Maſchinen verdankt, machte es möglich, daß der Auftrag in der feſtgeſezten Zeit zur Zufriedenheit des Beſtellers vollzogen werden konnte. Dieſer Vuchbinder be— ſchäftigt nicht weniger als 300 Hände.
M. London. Dem. Griſi iſt von Hrn. Laporte, dem Direktor der ita— lieniſchen Oper in London, auf 4 Mo— nathe mit 125,000 Franks engagirt worden. M.
Der Modenhurier.
(Var is, 6. Dez. 1835.)
„Nichts Neues unterm Sonnenlicht;
Doch neu heißt, was die Mode ſpricht!“
1. Die Soireenanzüge fangen an ſich in ihrer ganzen pompöſen Verſchtedenheit zu vervielfältigen. Wir haben Kleider von präch— tigem Seidenſtoff geſehen, deſſen Feſtigkeit ihn völlig ſteif macht, und deſſen Farbenreichthum die Augen verblendet. So will es die Mode, ſeitdem wir die durchſichtige Toilette, die Fal⸗ ten, welche die Formen bezeichnen dc. ver— laſſen haben.
2. Nie ſah man ſo viele Reisſtrohhüte als im verfloſſenen Sommer, und vielleicht auch nie ſo viele Sammethüte als im gegen⸗ wärtigen Winter. Sie ſind auf ſolchem Punk⸗ te, daß die louiſenblaue Nuance gegenwär— tig ganz mangelt. Daſſelbe gilt auch von der dunkel ⸗ſmaragdgrünen; die lüchte Schat⸗ tirung aber gehört jezt zum ſchlechten Ge— ſchmake.
5. Schwarzer Sammet mit Phantaſie- bändern iſt ebenfalls ſehr beliebt, jedoch mehr in der Negligee, Schwarzer Sammet läßt Blumen und farbige Schnürchen zu.
4. Die Kleider mit antiker Form wer- den dieſen Winter noch mit Erfolg gebraucht. Blos als einen höheren Grad der alten Imi⸗ tation macht man die Aermel viel kleiner. Wir haben welche geſehen, die ganz flach waren, und deren Runde blos durch Gaze⸗ Bauſchen oder Bandſchalen„ welche die gan— zen Aermel bedeten, hervorgebracht wurde. Andere waren blos durch drei Blonde oder Stoffgarnirungen gebildet. Schleifen auf al⸗ len Draperien des Leibes paßten vollkommen zu dieſer Art von Aermeln.
5. Wir bemerkten einen ueberrok von malvengelbem geköpertem Sammet, deſſen Leib halb hinaufragend, drapirt und gekreuzt war. Der Rok war mit Atlasſchleifen ge— ſchloſſen. Dazu war ein Hut von ſmaragd- grünem Sammet mit kleinem Schirm und weißen Federn. Ein Hermelin- Boa.
6. Zu Ballkleidern wird man häuſig den Mouſſelin d' Aboukir ſehen. Dieſer herr⸗ liche Stoff iſt eine Art Moſaik, wo ſich alle Nuancen mit goldenem Laubwerk miſchen, und deſſen Gewebe, ganz von Wolle, von einer bewunderungswürdigen Geſchmeidigteit iſt. Nach dem Goldbrokate, wird dlieſer Stoff die höchſte Stufe der Eleganz erreichen.
7. Dle Haarpuze mit Sammet ſind ſehr in der Mode, ſelbſt für junge Perſonen. Sie beſtehen aus einem kleinen Streifen von ſchwarzem, grünem, rothem oder anderm Sammet. Durch dieſen Streifen iſt eine Can netille gezogen, welche geſtattet, ihm jede Richtung zu geben. Es werden nun darauf Schleifen bildende Sammetſchalen angebracht, die auf jeder Seite der Stirne mehr oder we— niger regelmäßig gehalten ſind, je nachdem ſie beſſer zum Geſichte paſſen.
8. Die Federn find zu Hüten ſo allge⸗ mein Mode geworden, daß man Blumen blos in den Haaren oder auf Blondbonnets 1
9. Lange Ohrringe ſieht man in gro. ßer Maſſe und dieſelben werden dieſen Win- ter vorherrſchend ſein. Aber man darf ſie nicht zu ſehr mit Verzierungen überladen.
Modenbild Nr. 53.
Pariſer Anzüge vom 3. Dez. Ballanzüge.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen. 5


