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ich aus bieſer Verlegenheit bald befreit; ich begab mich namlich in das Komp⸗ toir Bob's, um zu erfahren, ob ich von dieſer Seite alle Hoffnung aufgeben müſſe. Aber wie groß war mein Erſtaunen, als ich hier erfuhr, der Wechſel ſei bezahlt! Ich wußte es meinem ehrenwerthen Freunde Bob Dank, daß ich wieder als ehrlicher Mann und mit gutem Gewiſſen in dem Hauſe in Park Lane erſcheinen konnte.
Einen Monat lang ſtörte nichts unſere friedliche Liebe; Alles ging nach Wunſch, und als die Heirath endlich feſt beſchloſſen war, verließen Miß Moles— worth und ihre Familie London, um ſich auf ihr Landgut in der Grafſchaft Wilts zu begeben. Ich blieb allein zurük, um einige Geſchäfte zu beendigen. Den Tag nach der Abreiſe meiner Geliebten ſaß ich betrübt und ſinnend in meinem Zimmer, als ſich die Thür öffnete und— Bob hereintrat. Er zeigte ſich ſo glüklich, mich wiederzuſehen, daß ich nicht umhin konnte, ihn freundſchaftlich zu empfangen. Zuerſt ſprach er von dem Dienſte, den ich ihm bei ſeiner Ab— reiſe eczeigt habe, und als ich ihm offen geſtanden, wie ſehr ich mich über ſeine Pünktlichkeit gefreut habe, ſagte ich:—
„Und nun, Bob, da du Kapitain biſt, ſteht deiner Heirath nichts mehe entgegen.“ f
„Meiner Heirath?“ fragte Vob erröthend.
„Ja,“ entgegnete ich,„deine Heirath mit der Erbin in Park Lane.“
„Ach!“ antwortete Bob, indem er ſich auf einen Stuhl warf und mir dle Hand drükte,„ſprich nicht mehr von dieſer Geſchichte.“
„Warum denn?““
„Alles iſt abgebrochen, 615 44
„Abgebrochen?“
„Ja, ſie iſt treulos! Dec, was ſpreche ich davon; es regt meinen Schmerz von neuem auf. Erinnere mich nicht wieder daran, lieber Freund.“
Ich verſprach ihm, ſeinen Schmerz zu achten, und einige Tage lang ſezten wir unſer früheres Leben wieder fort. Alles ging vortrefflich; eines Morgens aber kündigte mir Bob ſehr verdrießlich an, ſein Schneider habe ge⸗ droht, ihn wegen einer Rechnung feſtnehmen zu laſſen.
Ich erbot mich ſogleich, mit dem unverſchämten Manne zu ſprechen und mich zu bemühen, einen Aufſchub zu erlangen.
„Wenn er mir nur einen Aufſchub von einem Monate geſtatten 1 meinte Bob.
„Nun, ich werde zu ihm gehen,“ entgegnete ich.
Der Schneider war unerbittlich, ſagte aber, wenn ich mich verbind— lich machen wollte, nach Ablauf eines Monats zu bezahlen, falls Herr Bob ſein Verſprechen nicht halte, ſo werde er warten, außerdem aber ſeinen Schuld— ner noch an demſelben Tage feſtnehmen laſſen. Anfangs zögerte ich, da ich mich aber der Pünktlichkeit erinnerte, womit Bob die 190 Pf. St. bezahlt hatte, verbürgte ich mich für ihn. Als ich ihm ſagte, was ich gethan habe, rieſ er:„Das iſt nicht möglich! In dieſem Falle muß du bezahlen; ich werde da nicht mehr Geld haben, als jezt, und ich habe dich nicht aufgefor— dert, dich für mich zu verbücgen. Da du es gethan haſt, muß du auch bezahlen.“
Die Sache machte mich ſehr verdrießlich. Meine Angelegenheiten hielten mich noch einige Tage in London zurük. Ich ſah Bob ſelten, und wenn ich


