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lon; während er langſam aufſtieg, brachen aus mehrern nahen Punkten Feuerſtrahlen hervor und erleuchteten ſeine Bahn. Entfernung und Dämme⸗ rung machten ihn bald unſichtbar. Un⸗ ter den Feuerwerken zeichnete ſich ein Kunſtfeuer aus, welches in Flammen⸗ ſchrift die Worte bildete: Noch iſt Po⸗ len nicht verloren! Der Premiermini⸗ ſter Lord Melbourne, Lord Palmerſton, der Marquis Douro, der Herzog und die[Herzogin von Sutherland, Lord Fitzroi Sommerſet und viele andere vornehme Perſonen befanden ſich unter den Zuſchauern des ſehr geſchmakvoll angeordneten und ausgeführten Feſtes.
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Berlin. Herr geheime Rath Hufeland in Berlin macht bekannt, daß zur Errichtung von Leichenhäuſern in Berlin bereits 500 Thaler zuſam⸗ men gekommen ſind, und das ferner ein achtungswerther Bürger ſich erbo— ten hat, ein Leichenhaus auf eigene Koſten zu errichten. Es liegt nur noch an der Erlaubniß und nähern Beſtim⸗ mung der höhern Behörden, an wel— cher jedoch ebenfalls nicht gezweifelt wird. Hufeland hofft daher mit Zu⸗ verſicht, dieſen lezten Liebesdienſt, deſ⸗ ſen Aus führung ihm ſchon vor 50 Jah⸗ ren in Weimar gelang, auch noch vor ſeinem Ende in Berlin realiſirt zu ſehen. D.
Frankfurt. Durch Frank⸗ furt kamen neulich 50 echt ⸗engliſche Jagdhunde, welche König Wilhelm dem Kaiſer von Oeſterreich zum Geſchenk macht. Ihr Durchzug erregte einen ko⸗ miſchen Eindruk; ſie folgen unange⸗ bunden einem zu Pferde ſizenden Füh⸗ rer, und machen ſo die große Reiſe von London nach Wien. C.
Der gelehrte Hund. Peſth. Seit einiger geit legt
das kleine Spizhündchen M ohr, in
der Bude vor dem Redoutengebäude, an der Donau, Proben ſeiner außerordent⸗
lichen Kunſtfertigkeit ab. Das aller⸗
liebſte Thierchen hat ſich bereits einen hohen Ruf, wegen ſeines Verſtandes, oder vielmehr wegen des Verſtandes Des⸗ jenigen, der ihm ſo viel Verſtand bei⸗ brachte, erworben. Er hat ſchon ſeine Künſte vor den höchſten Herrſchaften zur größten Zufriedenheit derſelben, produzirt und eine erlauchte Perſon (der König von Vaiern) gab ihm ſcherz⸗ weiſe das Prädikat: Profeſſor der Hunde. Der kleine Mohr buchſtabirt und ſchreibt orthographiſch, troz man⸗ chem Profeſſor; er rechnet ohne ſich zu irren, und beſchämt manchen Kellner; er ſpielt mit Euch eine Parthie Do⸗ mino und Ihr werdet ſchwerlich gewin⸗ nen, und wäret Ihr noch ſo oft im Kaffehauſe Sieger geblieben: er wird Euch die Nationalflaggen derjenigen Nationen zeigen, die er kennen lernte, und um das Uebermaß des Erſtaunens voll zu machen, zeigt er Kartenkunſt⸗ ſtüke, die ſelbſt einem Vosco Ehre ma⸗ chen würden. Und das Alles thut ein Hund— und nun ſage man, ob er nicht eben ſo gut wie, oben genannter Ta⸗ ſchenſpieler auf den Titel Pro feſ⸗ ſor Anſpruch machen könne?— Wir empfehlen daher allen Jenen, die noch nicht dieſes Wunderthierchen kennen lernten, ja nicht zu unterlaſſen, der Bude an der Donau zuzuſprechen, da ſie ſonſt gewiß eine der ſeltenſten Merkwürdigkeiten verſäumen würden. Al.
Beilage: Der Schmetter⸗ ling. Nr. 17. 0
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


