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— Die Paſtilles gegen den Darſt ſind beſonders bei der gegenwärtigen Hize zu empfehlen, und finden ſtarken Ab⸗ ſaz. Der Pharmaceut Cadet-Gaſſieourt, in der Straße St. Honoré Nr. 108, iſt ihr Verfertiger.— Eine Geſell⸗ ſchaft in Belfort ſoll bei der franzöſi— ſchen Regierung um ein Privilegium zur Einführung einer Dampfdiligenze nachgeſucht haben, welche die Fahrt zwiſchen Straßburg und Baſel über Mühlhauſen machen würde. Das Elſaß wäre auf dieſe Art die erſte franzöſi⸗ ſche Provinz, die ſich der Dampfwagen— fahrt zu erfreuen hätte. Man geht auch ernſtlich mit dem Plan einer Eiſenbahn von Saarbrüken nach Straßburg(etwa 30 Lieues) um; der Präfekt des Nie⸗ derrheins hat ſich bereits mit denen der Moſel, der Meurthe und des Ober- rheins wegen der vorbereitenden Arbei— ten in Vernehmen geſezt. Die Bahn wäre beſonders dadurch von großem Nu- zen, da die für die Elſaßer Fabriken ſo nothwendigen Steinkohlen um be— deutend wobhlfeilere Fracht geliefert werden könnten.— Aus dem ſüdlichen Frankreich gehen fortwährend ſehr trau rige Nachrichten über die Fortſchritte der Cholera ein. In dem Städtchen Lorgues, in der Provence(von 4000 Einwohnern), wurde faſt die ganze Bevölkerung von der Seuche ergriffen. Väter mußten ihre Kinder mit den Brettern ihrer Bettſtellen begraben, da es an Särgen und Todtengräbern fehlt. Die Gebirge ſind mit Flücht⸗ lingen angefüllt. Es iſt ein herzzer—⸗ reißendes Schauſpiel, Wagen mit Grei⸗ ſen, Weibern und Kindern zu ſehen, die, größtentheils von Allem entblöſt, eine Gaſtfreundſchaft anflehen, die ih- nen hartherzig verſagt wird. Sie wer⸗ den ahne Erbarmen von den Ortſchaf⸗ ten, wo die Seuche noch nicht einge- drungen iſt, zurükgewieſen, und in mehreren Gemeinden hat man zu die⸗
ſem Zweke eigene Wachen aufgeſtellt. — In Lyon ſind ſchon mehr als 10,000 Flüchtlinge aus dem Süden eingetroffen. — Einer Schauſpielerin in Paris fiel es kürzlich ein, ohne Abſchied davon zu gehen und nach Havre zu eilen, um ſich von dort aus nach Liſſabon ein⸗ zuſchiffen. Ein junger„Freund“ be— gleitete ſie. Der Direktor nahm indeß ſeine Maßregeln, um noch vor der Flüch⸗ tigen in Havre anzukommen, und als ſie dort aus dem Wagen ſtieg, kam er ihe zuerſt entgegen und ſagte:„Das Meer iſt zu ſtürmiſch, mein Fräulein, als daß ich ein Talent, wie das Ih⸗ rige, welches mir ſo theuer iſt, ſo vie— len Gefahren ausſezen laſſen könnte; warten Sie noch drei Monate, bis nach Ablauf unſeres Kontraktes, bis dahin wird das Meer Zeit haben, ſich zu be⸗ ruhigen und ich werde unterdeß eine Stellvertreterin für Sie finden.“ Ma⸗ demoiſelle warf einen Blik auf die bei⸗ den Männer, welche den Direktor be— gleiteten und Polizeidiener zu ſein ſchienen, und ſagte dann:„Sie haben recht; das Wetter iſt zu ſchlecht, als daß man ſich auf das Meer wagen könnte. Ich kehre mit Ihnen zurük und ſtehe zu Ihrem Dienſte.“— Ein franzöſi⸗ ſcher Landmann, der nie aus ſeinem Dorfe gekommen iſt, hat einen Wagen erfunden, der weder durch Pferde noch durch Dampf bewegt wird und deſſen Zuſammenſezung höchſt ſinnreich ſein ſoll. B.
* Miszellen. Konſtantinopel. Wie we⸗ nig genau die türkiſche Hofzeitung Tekwimi Wekaji es mit der Zu⸗ verläſſigkeit ihrer Nachrichten nimmt, erhellt unter andern aus einem ämtli⸗ chen Artikeh in der Nummer vom 5 Re⸗ bie.(1. Juli), wo berichtet


