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Oie Roet o ſ che.
Ein Mann, der gewohnt war, vor Schlafengehen ſeinen Rok an der Wand neben dem Bette aufzuhängen, machte jeden Tag die traurige Entde⸗ kung, daß ſich während der Nacht das darin befindliche Geld vermindert habe. Da außer ſeiner Ehehälfte Niemand in das Zimmer kam, auch ſonſt Niemand außer ihnen beiden darin ſich befand, ſo mußte ſein Verdacht natürlich auf dieſelbe fallen. Er ſtellte ſie darüber einigemal zur Rede, wurde aber alsdann mit einer ſolchen Ladung von zärtlichen Namen und Ehrentiteln überhäuft und mit öffentlicher Klage bedroht, daß er froh war zu ſchweigen oder die Sache mit einem gezwungenen Scherz zu beendigen. Indeſſen dauerten die nächtlichen Viſiten in ſeiner Roktaſche eben ſowohl fort, als die diesfälligen Vermuthun⸗ gen und Unſchuldsbetheurungen ſeines Weibes. Er ſann demnach alles Ernſtes darauf, ſie zu entlarven, und ſein Schuzgeiſt, wahrſcheinlich ein ehemaliger Polizeiagent, flüſterte ihm ein untrügliches Mittel ein. Als er, wie gewohnt, den Rok an der Wand aufhing, legte er in die Taſche, worin ſein Geld war, Kienruß, ohne daß die Frau es bemerkte, und legte ſich ſchlafen. Dieſe ging, als ſie ſich überzeugte, daß er feſt ſchlafe, nach ihrer außerordentlichen Kaſſe, grübelte ſtill in der Taſche herum, um wo möglich größere Stüke her— auszufinden. Sehr zufrieden mit dem Neſultat ihrer geheimen Forſchungen legte ſie ſich wieder in das Bett, wiſchte ſich mit der Hand den Schweiß ab, den die Geldoperation ihr in der Beſorgniß, daß der Mann erwachen könnte, verurſacht hatte, und ſchlief ruhig bis am Morgen. Der Ehemann ſaß bereits aufgerichtet im Bette, und betrachtete mit unnennbarem Entzücken ſeine rei⸗ zende Frau, welche ihr Geſicht ſo wunderſchön gemalt hatte, daß ein Todt⸗ kranker ſich des Lachens nicht hätte enthalten können. Endlich erwachte ſie, rieb ſich die Augen und ſagte zu ihrem Gemahl:„So, biſt du ſchon wach 2 haſt du wohl geſchlafen, mein Lieber?“—„Nicht ſonderlich!“ erwiderte dieſer: „mir träumte, du habeſt mir dieſe Nacht Geld aus der Roktaſche genommen. Ich ſah dich ſo deutlich“—„Willſt du ſchweigen? Grobian! Zänker! Dumm kopf de. dc“ rief ihm die Erzürnte zu,„verfolgſt du dein unſchuldiges Weib ſchon wieder mit deinem verdammten Argwohn? jezt iſt meine Geduld aus; ich werde mich ſogleich ankleiden und zum Richter gehen!“—„Da thuſt du ganz recht, meine brave Frau!“ erwiderte der Ehemann im ſpottenden Tone.““ —„Du erſparſt mir dadurch einen Gang. Nur muß ich dir rathen, daß du vorher eine andere Schminke aufträgſt, denn deine jezige verunſtaltet dich gar ſehr. Betrachte dich einmal im Spiegel!“ Dieſes ſagend reichte er ihr einen ſolchen hin. Mit Entſezen erblikte die Ueberlkſtete ihr furchtbares Negerge— ſicht, und geſtand endlich, nach langem vergeblichem Zögern, aus Furcht vor den Tolgen,— ihre Verirrung in die verhängnißvolle Roktaſche.
Der Gloken vogel.
In den Wäldern Guianas lebt ein bei den Spaniern unter dem Namen campanero oder Glokenvogel ſehr berühmter Vogel. Die Stimme deſſelben iſt wirklich ſchallend und hell, wie der Ton einer Gloke, man hört ihn eine Stun⸗ de weit. Kein Ton, kein Geſang überraſcht ſo wie das Klingeln des Cam⸗


