Jahrgang 
Band 2 (1835)
Seite
511
 
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Sonett von ihm angetaſtet zu haben ſcheinen, aufführt. Warum? Solches Ge⸗ zücht kriecht allenthalben herum, und iſt durch ſeine eigene Miſerabilität ſchon unſchädlich und keines Federzu⸗ ges eines verſtändigen Autors würdig. Von dem immer noch regen und fleißigen Orientaliſten Joſ. von Ham⸗ mer erſcheint bei Brodhag in Stutt⸗ gart ein neues Werk:Fruchtkörner aus perſiſchen Dichtern. 2 5

Korreſpondenz.

Paris. In der Straße St. Jacques vernahm man am 19. Juli einen dumpfen Knall, und fand in dem Hauſe, woher er kam, eine Frau mit zur Seite gebeugtem Kopfe faſt leblos auf der Treppe liegen. Die Unglükli⸗ che, welche troz aller angewandten Sorg falt nach wenigen Augenbliken verſchied, trug einen großen Tiſchlermeißel, de ren ſich gewöhnlich die Diebe bei Er öffnung der Thüren bedienen. In der Bruſt hatte ſie eine bedeutende, durch zwei Rebpoſten verurſachte Wunde. Sogleich wurde in allen Stokwerken Unterſuchung angeſtellt; im vierten ließ ſich die Wohnung eines gewiſſen Broſſier durch bloße Ziehung einer Schnur öffnen; man ſchöpfte ſchon Ver dacht gegen den Abweſenden, als er ſelbſt erſchien, und aufs Ueberraſchendſte durch den Augenſchein erwies, daß er, der im vorigen Jahr beraubt wurde, an ſeinem Kabinet, zur Beſtrafung etwa wiederkehrender Diebe, zwei mit Rehpoſten geladene Piſtolen ſo an ge bracht hatte, daß ſie Jeden treffen mußten, der eine Exöffnung verſuchte. Die Richtigkeit ſeiner Verechnung hat! e ſich an der Frau erwieſen, die wahrſcheinlich auch den vorjährigen Raub beging. Das Oampfſchiff Royal⸗ Adelaide hat ahermals eine jener Luſt⸗

fahrten gemacht, die im vorigen Jahre die öffentliche Neugierde ſo ſehr be⸗ ſchäftigten. In Dünkirchen landeten 200 Engländer, lüſtern nach Vergnü⸗ gen, und beſonders nach Champagner. Unter dieſen luſtigen Britten bemerkte man einen Gichtbrüchigen, der ſeinen Lehnſtuhl nicht verlaſſen konnte, wel⸗ chen er beſtändig, wie die Schneke ihr Haus, mit ſich umherſchleppt; er ließ ſich mittelſt eines Flaſchenzugs, unter dem Beifallruf der Umſtehenden, auf den Quai hinabziehen. Die Bewohner Döünkirchens nahmen die Gäſte Albions ſehr gut auf, obgleich alle Gaſthöſe wegen des nahen Muſikfeſtes, ſchon über⸗ füllt waren. Die Paſſagiere des Royal⸗ Adelaide wollten übrigens nur 24 Stun⸗ den in jener Stadt verweilen. An jenem Feſte nahmen 11 auswärtige Muſikge⸗ geſellſchaften Theil, worunter 3 bel⸗ giſche. Die Preisbewerbung ging auf öffentlichem Plaze, in Gegenwart von zahlloſen Zuſchauern vor ſich, unter denen ſich etwa 10,000 Fremde befan⸗ den. Den erſten Preis, ſo wie den Wetpreis erhielt St. Omer, den zwei⸗ ten Preis Calais, den Preis der ſchön⸗ ſten Haltung die belgiſche Gemeinde Fürnas. Sämmtliche Preiſe beſtanden in goldenen Medaillen. D. London(19. Juli). Man hat oft geſagt, die Engländer liebten die Muſik nicht; ſie wollen ſich von dieſer Anklage reinigen, denn ſie laſſen ſich Konzerte von 19 Piecen geben! In die⸗ ſen Konzerten hörte ich Madame Ma⸗ libran. Die Stimmen ſind gegenwär⸗ tig in Frankreich über dieſe Künſtlerin ſehr getheilt; hörte man ſie jezt in Paris, ſo würde man ſie einſtimmig für die erſte Sängerin Europa's er⸗ klären. Mad. Malibran ſingt keine vier Takte, ohne den Hörer in Stand zu ſezen, ſogleich ihre treffliche Me⸗ thode zu erkennen. Sie hat ihre Stim⸗ me in der Gewalt, ſte beherrſcht und