Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
343
 
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Genf. Der bieſige Uhrmacher Ju od, welcher bekanntlich unerwartet von einem reichen Engländer(Lord Grantham) andertbalb Mill. Thlr. preußiſch erbte, hat auch nicht das Min⸗ deſte in ſeiner Lebensweiſe geändert, und auch ſeine Frau geht noch immer mit ihrem alten Mantel, Hut und Handkorb ihren Geſchäften nach. Mann und Frau arbeiten regelmäßig, wie früher, in der Fabrik von Francois und Letultre, obgleich ſie gegenwärtig vielleicht reicher ſind, als ihre Brod verren, und beſorgen nur, daß ihre Kinder durch das viele Geld Schaden an ihrer Seele erleiden mögen. Beide Eheleute gehören einer frommen Me thodiſten⸗Gemeinde an, und werden wahrſcheinlich einen Theil des Geldes zum Bau einer Kirche für dieſelbe ver⸗ wenden.

München. Als ein Beitrag zur Karakteriſtik des Kanoniers Stanislaus Schmitt, deſſen Name in der Nachwelt wegen ſeiner verübten beiſpielloſen Gräuelthat(er iſt es nämlich, der das hieſige Vulvermagazin und ſich ſelbſt in die Luft ſprengte] als berüchtigt fort⸗ leben wird, mögen folgende Züge und Aeußerungen nicht ohne Intereſſe er⸗ ſcheinen. Bei Gelegenheit der Erzaͤh⸗ tungen und Zeitungsberichte über die häufigen Selbſtmorde ſoll Schmitt öf⸗ ters bemerkt haben: die Menſchen mit ihrem Erſchießen, Erhenken, Erträn⸗ ken und Halsabſchneiden ze. waren ſehr einfältig, denn ein reſoluter, ordent⸗ ticher Mann, der ſich einmal das Leben nehmen will, müſſe es auf eine Art bewerkſtelligen, daß die Welt von ihm ſpräche, was auch er in einem ſolchen Falle thun würde. Zu einem ſeiner Kameraden, der auf dem entferntern Wacht poſten ſtand, ſprach der Vöſewicht, nicht lange vor der ſchreklichen Kata ſtrophe:Du wirſt von einem Glük ſagen können, wenn du deinen Kopf

nicht verllerſt! Zu dem nachder der⸗ unglükten Wachtpoſten vor dem Pul⸗ vermagazin ſagte er:Du wirſt heutz auch noch glüklich werden! Dem ſo glüklich und wunderbar entkommenen Bombardeur Oſterrieder, welcher ſich nicht aus Furcht, ſondern im Dien ſte wegbegeben hatte, bemerkte der Schãnd⸗ liche vor ſeinem Weggehen:Bleib nur noch ein wenig bier, wir werden ohnehin bald mit einander abmarſchl⸗ ren! Es lag alſo in ſeinem teufli⸗ ſchen Plane, in ſeiner lange vorher gemachten Berechnung, recht viele Men⸗ ſchen binzuopfern, zu welchem Zweke er ſich ohne Zweifel einige Wochen frũ⸗ her in das große Pulvermagazin zu Grünwald, glükticher Weiſe aber durch die Wachſamkeit des dortigen Magazin⸗ Aufſebers, vergebens, einzuſchleichen geſucht hat. Außer dem genannten Schmitt(23 Jahr alt) ſind noch acht Menſchen umgekommen. D. Konſtantincpel. Hier läßt die Sultanin Saliha, die Tochter des Sultans, auf einem kleinen, blos zu ihrem Vergnügen erbauten Theater franzöſiſche, ins Tärkiſche überſezte Stüke aufführen. Den Anfang hat man mit demBär und Paſcha ge⸗ macht. 3. Paris. Der Buchhandel ſucht immer mehr Mittel hervor, um Käu⸗ fer für das Ausgebotene anzuloken; Zugaben und Prämien ſind auch bei uns in Deutſchland ſchon vorgekommen, von einer Lotterie bei dem Kaufe eines Buches haben wir aber noch nichts ge⸗

hört. In Paris iſt dies jezt vorgekom⸗

men; Jeder nämlich, der auf die neus Ausgabe derWerke Chateaubriands ſubſkribirt, erhalt zugleich ein Lot te⸗ rieloos, und einer dieſer Subſkriben⸗ ten gewinnt das große Loos, nämlich ein Viertel von dem Verlagsrechte der Werke Chateaubriands oder 180,000 Fr. baar. B.