232
Der Modenkurier.
(Paris, 29. März. 1835.)
„Nichts Neues unterm Sonnenlicht; Doch neu heißt, was die Mode ſpricht!“
1. Wir ſind nicht mehr im Winter, aber auch der Frühling iſt noch nicht ſo recht da. Der Uebergang der Saiſon der Bälle und des brillanten Puzes zur artigen Promenaden; Negligee hat noch etwas Unbeſtimmtes an ſich, das Verwunderung und Ergöͤzlichkeit zu⸗ gleich erregt.— Haltet Euch von zwei bis vier Uhr in den Tuilerien auf, oder begibt Euch vielmehr bis zum Boulogner Wald und Ihr werdet da Alles, was Paris an ſchönen Damen zählt, verſammelt finden, die wohl in ſechs Wochen ihr Geſicht ſorgfältig mit einem Schleier vor Staub und Sonne ver— wahren werden, jezt aber im Gegentheil die Sonnenſtrahlen, wie die Roſen das Zephir— lüftchen, aufſuchen.
2. Bis jezt haben die Hüte noch keine bemerkenswerthe Veränderung angenommen. Man hat ſie von Atlas, mit Atlas oder ſa⸗ tinirten Gazebändern und Frühlingsblumen geziert. Die Farben ſind zartblau, blaßgrün, häufig ſtrohgelb, und immer auch viel weiß.
3. Die Marchandes des Moden haben noch nichts Neues hervorgebracht„aber die Novitäten⸗Magazine haben ſchon eine Menge Frühlingsſtoffe ausgeſezt: Seide, Mouſſelin oder Jakonnet, Alles geſtreift oder quadril— lirt. Man bemerkt auch brochirten Poult-de- soie, zweifarbig geſtreift: ein kaffebrauner Grund mit breiten ſatinirten weißen Streifen, welche wieder unvermerkbar mit der Grund farbe geſtreift ſind. Auch haben einige einen kaſtanienbraunen Grund mit apfelgrünen Streifen.
4. Die gothiſchen Gros de Naples ſind gleich brochirt und erinnern ganz an die Stoffe aus dem Jahrhundert Ludwig XIV. Ein nußbrauner Grund mit dunklem Aſtwerk und ein rohfarbiger Grund mit granatbraunem Aſtwerk ſcheinen uns vor allen Andern den Vorzug zu verdienen.
5. Die Blondeſpizen ſind jezt vor allen die Anſtändigſten. Die erſten Modemagazinen verarbeiten ſie zu allen Geſellſchafts und Theater⸗Bonnets.
6. Nichts Neues in Bändern, außer den deliziöſen Bändern von Taffet mit aus · gefranzten Zaken; Gold in Weiß glacirt, Grün glacirt, Blau mit Silber glaclrt, Ecru und Kirſchroth.
Modenbild. Nr. 15.
Paciſer Regllgee⸗ und Viſi⸗ ten- Anzüge vom 25. März. Bonnet und Halskragen von geſtiktem Mouſſelin. Haus- kleid von geſtiktem Wollmouſſelin.— Atlas- hut. ueberrok von Pou- de ⸗Soie. Franzöſiſcher Cachemir⸗Shawl.
Berichtigung.
Suum cuique! Der Spenglermeiſter auf dem Tho⸗ masberge zu Gran, Hr. Karl Rich⸗ ter, forderte mich auf, die Nachricht im Spiegel 1854, Nr. 95,„daß die in der königl. Freiſtadt Oran für die nächtliche Beleuchtung angeſchafften Re⸗ verbere-Laternen von einem Spengler⸗ meiſter in Peſth verfertigt wurden“, dahin zu berichtigen: daß dieſelben ſämmtlich von ihm(Karl Richter) ver⸗ fertigt wurden, ſo wie auch 2 Rever⸗ bere-Laternen unter dem neuen Thor, 5 auf dem Thomasberge und eine in der Waſſerſtadt, und bat mich dringend, die verehrliche Redaktion um die Auf— nahme dieſer Berichtigung zu bitten, da jene unrichtige Nachricht ihm in ſei⸗ nem Gewerbe ſchaden kann, indem ſich manche Hauseigenthümer in Gran und der Umgegend nach Peſth wegen Re— verbere-Laternen wenden würden, die ſie eben ſo gut von ihm beziehen könn⸗ ten.— Hr. Richter hat vollkommen Recht, um dieſe Berichtigung zu bit ten, da jene Reverbere-Laternen wirk⸗ lich von ihm, und nicht von einem Speng— lermeiſter in Peſth verfertigt wurden,
wie ich jezt ganz überzeugt bin.
Ry.
Herausgeber und Verleger Jranz Wieſen.


