223
forderte ſie vor das Polizelamt, weil ſie einer neuern Parliamentsakte zu⸗ widergebandelt hätten, welche es ver⸗ bietet, irgend etwas auf die Stra⸗ ßen zu werfen. Der Polizeibeamte, der die Leute zu 40 Schill.(20 Guld.) Strafe verurtheilte, rieth ihnen, in Zukunft lieber Salz auf die Trottoirs zu ſtreuen, aber einer der verklagten Hausbeſizer meinte:„iſt denn das Salz nicht auch irgend et was?— M. Paris. Kürzlich trat ein jun⸗
ger feiner Herr in eine Reſtauration in der Rue du Mail zu Paris, ſpeiſte vortrefflich, ließ ſich ſeine Rechnung bringen, hatte aber unglüklicher Weiſe ſeine Börſe vergeſſen. Als die Wirthin Bedenken trug, ihn nach Haus gehen zu laſſen, um ſie zu holen, zog er ein zuſammengewikeltes kleines Papier aus
der Taſche, mit dem Bemerken, es
enthalte einen Artikel, der hundert⸗ mal mehr werth ſei, als ſeine Zeche, und legte es als Pfand nieder. Da der feine Herr ſich lange vergebens erwar⸗ ten ließ, öffnete die gute Frau ihr koſtbares Fauſtpfand, und fand einen hübſchen— falſchen Schnurrbart. B. London. Der König von Eng⸗ land hat die Errichtung einer Statue Shakespeares genehmigt. Die Säule, auf der ſie ſteht, wird 140 Fuß hoch ſein. M. Warſcha u. Unlängſt ſtand ein anſtändig gekleideter Reiſender vor dem Bilderladen einer der Hauptſtraßen Warſchau's, um die dort ausgehängten wunderlieblichen Frauenköpfe zu be⸗ ſchauen. Plözlich fühlte er eine Bewe⸗ gung in ſeiner Oberrokstaſche, und beim ſchnellen Umwenden erblikte er einen Knaben, der, zurükſpringend, eben ſeine Hand herausgezogen hatte. „Noch ſo jung“— ruft er ihm zu— „und ſchon ein Dieb. Du gebſt den Weg zum Galgen; ſchäme dich.“— „Sie“— war die Antwort—„müſſen
ſich ſchaͤmen, daß Sie nach der Haupt⸗ ſtabt kamen und nichts in der Taſche haben.“ K. Straßburg. Ein Schmied in Averon bei Blois, der einigen Groll gegen ſeine Frau hegte, riß ſie kürz— lich in ein Zimmer, und verſuchte, ihr mit ſeinen Fingern die Zunge aus dem Munde zu reißen. Da dies nicht gelin⸗ gen wollte, ſo ergriff er ein Raſier⸗ meſſer, um ſie ihr auszuſchneiden. Es gelang jedoch der armen Fau, ihrem wüthenden Angreifer das Meſſer zu entwinden, und es durch das Fenſter zu werfen. Ihr Hilfsgeſchrei hatte in⸗ deſſen die Nachbarn herbeigelokt, die den Schmied in den Keller einſchloßen z er entwiſchte jedoch, ehe die Gend'ar⸗ men kamen. Die Frau iſt gefährlich erkrankt. T.
——.— Peſther Tokalzeitung.
Vom Blinden- Inſtitut. Die in dieſen Bl ttern ſchon erwähnte Feierlich. keit und Produktion der blinden Zöglinge fanden am 29. März bei einer großen Anzahl von Anweſenden, worunter viele hohe per— ſonen, mit dem glänzendſten Erfolge ſtatt. um 10 uhr ward in der Thereſienſtädter Pfarrkirche von den 13 blinden Zögling en eine Vokalmeſſe— eine hoͤchſt gelungene Kompoſition des Hrn. Andreas v. Bar⸗ tay— mit ſolcher Fertigkeit und Präziſton vorgetragen, daß die Bewunderung aller Zu⸗ höͤrer aufs Höchſte ſtieg. Dieſe Ausführung bleibt in jeder Hinſicht hoͤchſt merkwürdig, und um ſo mehr, da noch kein anderes Blin⸗ deninſtitut, ſelbſt bei einer weit größern Anzahl von Zöglingen(wie z. B. Prag mit 25, Wien mit 53, Berlin mit 720, Pa- ris mit mehrern Hunderten) etwas Aehnli⸗ ches aufzuweiſen hat. Die eigene Einrichtung der Partitur dieſer Meſſe, mit fühlbaren Noten, iſt von der Erfindung und Aus füh⸗ rung des Direktors dieſer Anſtalt, Hr. Do⸗ lezalek, der aus wahrer Menſchenfreund- lichteit geſonnen iſt, dieſe ſeine Vorrichtung allen andern ihm bekannten Blinden- Inſti⸗ tuten, ſelbſt jenen zu Philadelphia und Bo⸗


