Jahrgang 
Band 1 (1835)
Seite
221
 
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Die Zwillinge in Nordkarollna.

Einen rührenden Anblik gewähren jene Zwillinge, welche neulich in el⸗ nem Krappenneze bei der Mündung des Cope-Fear in Nordkarolina gefangen wurden; dies wacen zwei artige Fiſche, welche die Natur(wie jene vielbe ſprochenen Brüder aus Siam) durch ein phyſiſches Band vereinigte. Ein ein facher Streif eine Faſer hielt Beide auf der Bruſt zuſammen, und ſo waren dieſe armen Inſeparables vom Geſchike verurtheilt, Einer vom Andern zu leben. Muthmaßlich waren dieſe Thiere beim Entſtehen ihres Lebens an Stärte und Größe einander gleich, aber die Natur, dem Einen günſtiger, als dem Andern, gönnte dem Erſten weit größeres Wachsthum, als dem Zweiten; daraus ergab ſich zwiſchen dieſen beiden Weſen ein Mißbrauch der Gewalt, ein Uebergreifen der Selbſtſucht, unſerer Landwelt vollkommen ähnlich und würdig: denn, da der Größere natürlicher Weiſe den Andern mit dem Kopfe überragte, ſo bemächtigte ſich dieſer aller Nahrungsmittel, die ihnen vorkamen, mäſtete und ſtärkte ſich ungebührlich im Angeſichte ſeines Bruders, welcher gens tbigt zu warten, bis der Zufall ihm diene, oder bis jener geſättigt war an ſeiner Seite verkümmerte und hinſchwand, hundertmal beklagenswerther als der unglütſelige Tantalus. Dies iſt der Vericht, welchen uns das Amerikan⸗ Journal von dieſem erſt kürzlich entdekten Phänomen gibt; wir übergehen die nähere Beſchreibung dieſes Doppelſiſches, welchen der naturkundige Einſender cat!(Kaze) nennt.

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Virtuoſen in der Eßkunſt.

Der berühmte Koch Caréme ſollMemoiren hinterlaſſen haben, wenig⸗ ſtens werden dergleichen unter ſeinem Namen angekündigt. Darin ſagt der große Mann:Die Perſonen, welche zu eſſen verſteben, ſind eben ſo ſelten wie große Kochkünſtler. Der Kaiſer war weder ein Eſſer noch ein Kenner 5 weder Cambaccris noch Savary verſtanden zu eſſen; die echten Eſſer meiner Zeit waren: der Fürſt von Talleyrand, Junot, Fontanes, der Kaiſer Ateran, der, Georg IV. und der Marquis von Cuſſy.

Teitung der l und anflebten.

troz ſichtlicher Befangenheit Aae

Theater.

Wien(3. April). Am 28. und 30. März trat Olle Francilla Pixis im k. k. Hofoperntheater als Nomeo in Vaccai'sRomeo e Giuliet- ta und als Roſina imVarb. von Sevilla als Gaſt auf. Sie entwikel⸗ te ſchönes Talent, gute Schule, ei⸗ nen ſonoren Contra-Alt, und errang

nen Beifall. Von der erſten Oper ward nur der dritte Akt(in italieniſcher Sprache) gegeben und die leztere ward in einen Akt zuſammgezogen, und ſchloß mit dem ſamoſen Quintett. Im Theater an der Wien hat der federfertige, ſtüteausſtrömende Lokal- dichter Schickh abermals eine Poſſe in 5 Akten vom Stappel laufen laſſen, die im 1. Akte ſo ziemlich flott ging,