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noch Ausgezeichnetes.“— Man ſchreibt aus München:„Auch geſtern Abends (14. Dez.) ſind wieder keine Zeitungen aus Augsburg angekommen, weil, wie ſeit vier Tagen jedesmal, der Zug der Eiſenbahnwagen ſizen geblieben iſt.“— Während der lezten Zeit vor Napo⸗ leons Leichenfeier wurde das Fort Ham, wo Ludwig Napoleon gefangen ſizt, mit der größten Strenge bewacht; General Montholon, welcher dem Trauerzuge beiwohnen wollte, hat die Citadelle nicht verlaſſen dürfen.— Der Leichenwagen Napoleons hat 35,000 Franks gekoſtet. — Der berühmteſte Schachſpieler Eu— ropas, Mah de Labourdonnais, iſt vor einigen Tagen in London an der Waſſerſucht geſtorben. Er war erſt 47 Jahre alt.— Der Sultan läßt, als Geſchenk für die Königin Viktoria, ein prachtvolles Collier mit Diamanten an— fertigen.— Man höre folgendes Ge— dicht über die Liebe:
Der Stern erſtrahlte ſo munter, Da fiel er vom Himmel herunter. Du fragſt mich, Kind, was Liebe iſt? Ein Stern— in einem Haufen Miſt.
Da iſt Poeſie vou heute und von einem der gefeiertſten jezslebenden Dich— tern, von— H. Heine.— Die Stum⸗ men in Europa ſchlug unlängſt Jemand auf 80,000 an:; wieviel würde aber die Summe der Schwäzer betragen?— Ein Dresdener Journal nennt Ole Bull den„Vaganini des Nordpols!“ Klingt das nicht wie ſiedendes Eis?— Cam— pes Robinſon der Jüngere hat im recht— mäßigen Verlage von Vieweg in Braun— ſchweig nun die dreißigſte Auflage er— lebt? und wer zählt die Nachdrüke?— Die lezte Kompoſition jedes der vier modernen Künſtler C. M. Weber, Vel⸗ lini, Herold, Paganini war ein Wal— zer.— Am 14. Dezemb., bei der Ab- fahrt einer Diligence von Rouen nach Paris, fanden ſich in der Rotunde 7 Reiſende ſtatt 6. Es ergab ſich, daß einkoloſſaler Engländer ſich in den Wa— gen eingeſchmuggelt hatte. Auf die Auf— forderung herabzuſteigen, antwortete er
mit ächtbrittiſchem Vhlegma: es ſei ibm kein auderes Mittel geblieben, zum Lei— chenbegängniß Napoleon's nach Baris zu kommen, und er werde lebendig nicht von ſeinem Plaze weichen. Drohungen, Gewalt, polizeiliches Einſchreiten, Al- les fruchtete nichts, und zulezt errang die Beharrlichkeit ihren Lohn: der Eng⸗ länder kam als ſiebenter oder ſogenann⸗ ter blinder Paſſagier nach Paris.
Lokal-Zeitung.
Theatraliſches. Der Magler Phl— lippe ſezt fortwährend das Publikum im Na— tionaltheater in Erſtaunen. Lezten Sonntag war das Haus, troz des ſibiriſchen Froſtes, überfüllt und man unterhielt ſich von Anfang bis zu Ende. Philippe hat jezt einen Dol— metſcher, der ſeine Reden ſehr geſchikt in un— gariſche Sprache übertragt. Leider gibt es aber noch ein großes Publikum, ſebſt in dle— ſem Theater, beſonders bel nicht dramati— ſchen Produktionen, dem das ungariſche wle das Franzöſiſche gleich fremd iſt.— unter— halten hat ſich aber gewiß Jedermann, denn außer den unbergreiflichen Eskamotagen gab
res noch viele komiſche Zwiſchenſzenen, die
ſehr beluſtigſten. Das Vorſtük aber dauerte viel zu lange, u. man ſollte bei dieſer ſtren— gen Kälte, nur ſehr kurze Stüke wählen.—
— Zwei Wiener Lokalpoſſen, die eine iſt Peſth, die andere in Ofen gegeben„ faſ⸗ ſen, zwar Elemente zur Lachluſt genug in ſich, haben aber deſſenungeachtet das Bereich der Erbärmlichkeit vergrößert. Die Peſther heißt:„Der Seiltänzer aus Liebe“ und iſt von Hopp, die Ofner:„Die Fee v. Schnee— berg“ von dem unſterblichen Verfaſſer von „Zopf und Titus.“ In Erſterem war das Poſſirlichſte, wo der treffliche Hr. Rott als Zwerg erſcheint, im Lezterem das Quodlibet, in welchem Hr.Nitſch recht drollig das„Trema Bysanzio““ vortrug. Die Muſik des Herrn Seydl war auch werthvoll. Er und Dem. Revie erhelkerten ungemein.
— Der Baritoniſt Hr. Nu ſch, der ſehr gerühmt wird, iſt hier angekommen.
— Die geſchäzte Sängerin Fräulein von Lang bh, die ſich in mehreren Konzerten mit entſchiedenem Beifall hören ließ, wird dem— nächſt im Nationaltheater in Erkels beliebten
Nationaloper„Bäthori Maria“ auftreten.
Benefiz(Ofen). Sonnabend, den 2.
Jäner 1841, wird, zum Vortheile der beliebten


