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ſchreibe—“—„Ich werde es nicht mehr thun, mein Vater,“ erwiderte das junge Mädchen, indem ſie einen Kuß auf ihres Vaters Stirn drükte, der durch deſſens Herz fuhr gleich einem Gewiſſensſtachel;—„allein, die gute Marthe iſt abweſend und ich kam, Sie zu bitten, mich in die Kirche zu begleiten.“—„In di Kirche l rief Claude verwirrt—„ich kann jezt nicht, mein Kind, du mußt Martha's Rükkunft abwarten.“— Sophie ſchlang ihren Arm um ihres Vaters Hals, und ſagte mit dem ſchmeichelndſten Tone ihrer Stimme:„Wenn Sie mich wenigſtens bis dahin in einem Ihrer Werke leſen ließen?“ Claude ſprang auf. „Ich verbot dir,“ ſprach er,„hiervon zu reden, und wenn du noch ein Mal darüber ein Wort wiederholſt, ſo ſende ich dich zurük in dein Kloſter.“—„Sie müſſen mich nicht wenig verachten,“ entgegnete das zarte Mädchen,„weil ich die Einzige bin, welche Sie nicht würdig halten, Ihre Bücher zu leſen. Sie ſind wiſſenſchaftlichen Inhalts, wie Hr. Gallet ſagt, nicht wahr? Sie müſſen mich denn für ſehr unwiſſend halten!“

Es iſt ſchwer zu beſchreiben, was da in der Seele Claude's vorging. Je— des dieſer Worte, geſprochen mit der Unſchuld eines Kindes, war für ihn ein Dolchſtoß.— Zum zweiten Male ſchwur er, das„Sopha““ nicht zu vollenden; allein die Nothwendigkeit war da, die grauſamſte, unausweichbarſte Nothwen— digkeit, und bis Abend, bis Mitternacht, während Sophie in einem anſtoßen— den Zimmer ſchlief, ſchrieb Claude mit gepreßtem Herzen, über ſich ſelbſt errö— thend, und ſcheu umher blikend, wie ein Verbrecher, jene unreinen Bögen, die ein unſittliches Zeitalter mit Gold aufwog.

Schon ſchlug es zwei Uhr vom Thurme St. Sulpice, und nech ſchrieb Crébillon; aber endlich gab er der Ermattung und dem Schlafe nach, verſchloß ſorgfältig ſein Manuſkript, und öffnete ſeiner Gewohnheit gemäß zu Hälfte die Thüre von Sophiens Schlafzimmer. Sie ſchien in einem ruhigen Schlafe zu lie— gen, einer ihrer Arme lag maleriſch über ihrer Stirne, ihre Schönheit war be— zaubernd. Claude nahte ſich ihr und betrachtete mit Entzüken dieſe ruhige Schläferin. Er neigte ſich gegen ſie, und es ſchien ihm, als ob der balſamiſche Hauch dieſer Jungfrau all' ſeine Gedanken reinigte, die ihn ſo eben beſchäftig— ten. Dies Mal wagte er jedoch nicht, die Stirne ſeiner Tochter zu küſſen. Er ging die Ruhe zu ſuchen und entſchlief mit der tröſtenden Idee, der Lohn ſeiner Arbeit werde Sophiens Mitgift ſein, denn Sophie war ſeine Zukunft, ſein Leben, ſein Stolz!— Doch Sophie ſchlief nicht! Eine jener hartnäkigen Ideen, die nichts zu verſcheuchen, nichts zu beſiegen vermag, erhielt ſie wach ſeit mehre— ren Stunden. Bei dem Eintritt ihres Vaters ſtellte ſie ſich ſchlafend— und dies war ihre erſte Unwahrheit, der ihr erſter Fehler folgte, ein arger, ein unver— beſſerlicher Fehler!

Claude Cröébillon ſchlief beiläufig eine Stunde, als Sophie aufſtand. Halb angek leidet betrat ſie das Schreibzimmer ihres Vaters, und nahm zitternd den Schlüſſel der Lade, worin er ſein Manuſkript verſchloß. Wie groß war ihre Freude, als ſie dieſen Schlüſſel, den koſtbaren Fund, in den Händen hielt! Sie war fern von einer Unruhe, denn was wollte ſie? Kennen lernen wollte ſie die Werke, wodurch ihr Vater ſeinen Ruhm, ſein Glük errang; ſie wollte in der That verſuchen, ob ſie ſelbe verſtehen könne. Welch' ein Stolz für ſie, wenn ſie mit ihrem Vater über ſeine ſo ſorgfältig verſchloſſenen Werke ſprechen, wenn ſie ihm ſagen könnte:„Mein Vater, ich habe deine Bücher geleſen, ich