5 446
Gewährleiſtung meiner Sicherheit in deivem Heere erſuchen laſſen, denn ein Weib kann weder als eine furchtbare Feindin deiner Macht angeſehen, noch des Verrathes beargwohnt werden. Ich bin die Schweſter Almanzors, und komme, dir große Schäze anbietend, dich um die Freiheit meines Sohnes Abdallah an— zuflehen. Mein ganzes Lebensglük iſt jezt in deinem Lager und in deiner Hand— Ich ſchäze die Reichthümer meines Stammes nur in ſo fern, als ich ſie einſt meinem Sohne übertragen kann; ſie dahin zu geben, um ihn zurük zu erhalten, iſt ein Opfer, welches mich gar nichts koſtet— noch einmal, nimm dieſe Schäze, aber gib mir meinen Sehn zurük, und ich will deine Gnade dankbar preiſen.“— „Ich will dein Lob verdienen, Fürſtin,“ antwortete der König,„und gebe dir deinen Sohn zurük, doch will ich das Löſegeld nicht, welches du mir anbieteſt. Verſichere den König, deinen Bruder, daß die Chriſten dahin trachten, ihn eben ſo durch edlen Menſchenſinn, als durch die Gewalt der Waffen zu beſiegen.“
Als der König von Portugal den edlen Maurenjüngling ſeiner Mutter in die Arme führte, und dieſer die Art ſeiner Löſung erfuhr, ſchwur er, vom Feuer der Dankbarkeit entflammt, er kehre nur zu ſeinem Oheim zurük, um ihn zu bewegen, daß er mit dem König von Portugall Frieden ſchließe, und ihm ſeine Eroberungen überlaſſe; aber ſobald dieſer Vertrag geſchloſſen, wolle er ſelbſt nach Europa hinüber ſchiffen, um wenigſtens einen Feldzug unter den Fah— nen Portugalls mitzumachen— und er hielt Wort.
W. A. Gerle.
——
Kriegs-Abentuer eines Soldaten-Weibes.
Der„Glaneur du haut-Rhin““ empfiehlt der öffentlichen Mildthätigkeit die dürftige Lage einer dermaligengzu Colmar befindlichen Soldaten- Frau, deren Schikſale er, ihrer Merkwürdigkeit wegen, auch ausführlich beſchreibt.„Kat ha— rina Rohmer, heißt es darin, iſt im J. 1783 zu Colmar geboren; ihr Vater war Sergent, ihre Mutter Marketenderin. Sie hatte ihren Vater bei der Ein— nahme eines Dorfes in Calabrien fallen ſehen, und eine Kanonenkugel riß ihrer Mutter bei der Schlacht von Fleurus den Kopf hinweg. Im J. 1802 heirathete K. Rohmer den Ober-Tambour der 625ſten Halbbrigade, Frangois Girard. Als Marketenderin, wie ihre Mutter, rükte ſie mit der Diviſton des Generals Do— nadieu in Spanien ein, wohnte der Einnahme von Saragoſſa bei, zog mit der nämlichen Diviſion in Portugal ein, und kehrte dann nach Varcellona zurük. Zu jener Zeit hatte ſie bereits 8 Kinder, ſämmtlich zum Regimente gehörig. Im Herbſte des Jahres 1808 verließ ſie Barcellona, und im nächſtfol genden Frühjahre ging ſie mit der Diviſion Charrière über den Rhein. Sie verweilte einige Tage in Wien, zog mit dem Gros der Armee auf's Marchfeld, wo ſie bei der Schlacht von Wagram einen Lanzenſtich erhielt. Nach dem Abſchluſſe des Friedens kam ſie nach Neapel in Garniſon, wo ſie mehrere Monate blieb. Stets bereit, Strapazen zu ertragen, und ihr Leben auf's Spiel zu ſezen, um Kranke zu pflegen, kehrte ſie nach Spanien zurük, und wohnte der Einnahme von Girona bei, wo ihr Gatte das Ehrenkreuz erhielt. Bei den allmälig ein— getretenen Unfällen des franzöſiſchen Heeres, mußte ſie, um ihrem Manne fol— gen zu dürfen, die Uniform anlegen, und das Gewehr tragen, bei welcher


