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angezettelt.— Bartz machte Jean Barbet, der gleich ihm fremd auf der Kolo— nie und Verwalter einer Pflanzung in dem Diſtrikt la Moule war, zum Ver⸗ trauten ſeiner Entwürfe und ſeiner Hoffnungen. Sie wollten Beide Anführer der Meuterer ſein. Sie wählten Unter-Kommandanten in allen Diſtrikten der Kolonie, jeder übernahm es, in ſeinem Bezirke heimlich Vorbereitungen jeder Art zu treffen, und eine Nacht ward feſtgeſezt, um auf allen Punkten zumal auf den Pflanzungen die Niedermezlung der Weißen zu vollführen. In dieſer einen Nacht ſollte Alles auf dem flachen Lande geſchehen ſein, dann wollten ſie in die Städte rüken, die Einwohner noch im Schlafe überfallen, und auf dem Wege überall den Negern das Loſungewort Freiheit zurufen, um auch die Schwar— zen zu gewinnen, mit denen ſie ſich vorher nicht hatten verſtändigen können. Der Sonntag iſt in allen Städten Markttag. Dann kommen die Neger, in ihren ſchönſten Kleidern, von allen Pflanzungen herbei, und bringen Gemüſe und Früchte zum Verkauf. Von frühem Morgen ſind alle Straßen belebt. Ueberall ſieht man bunte Matrazen und Kleidungsſtüke in den grellſten Farben, wie die Neger ſie lieben, zum Verkaufe ausgebreitet. Die reichſten Neger ſizen auf klei— nen, langmähnigen Kreolenpferden, und ſprengen, hinter ſich auf dem Sattel einen Hammel, der dem Mezger ausgeliefert werden ſoll, eitel und ſelbſtzufrie— den einher. Von allen Pflanzungen kommen lange Züge in die Städte. Den ganzen Tag ober wird gehandelt, gekauft und verkauft. Iſt der Abend gekom— men, ſo beginnen bei'm Schalle herzzerreißender Trommeln dieſe berühmten Tam— boulos, wo Neger und Negerinen im Wirbel des Tanzes wie raſend werden, und erſt innehalten, wenn das Blut denen, welche die Tambourins und Trom— meln ſchlagen, von den Fingern rinnt, wenn die Füße den Körper nicht mehr tragen können, und alles Gras des Raſens zerſtampft iſt.— Auch die Herren kommen Sonntags mit ihrer ganzen Familie in die Städte und die meiſten Pflanzungen ſtehen an dieſem Tage leer.— Vartz und ſeine Neger gingen aber nicht in die Stadt. Sie blieben anf ihrer Pflanzung und hatten ſich alle in der Zukerfabrik verſammelt, wo ſie Kugeln goſſen, Patronen machten und ihre Si⸗ cheln und Meſſer ſchliffen. Um die Mitte des Tages, als der Zug in die Stadt in vollem Gange war, kamen einzeln und heimlich Neger von den benachbarten Pflanzungen, die ſich dem Aufſtande anſchließen wollten. Es ward mit ihnen Rath gepflogen, und zulezt verſtändigten ſich Alle mit einander; ſo wie die Nacht anbrach, verließen die fremden Neger Bartz's Pflanzung wieder.
Eines Sonntags, als die Zukerfabrik wieder voll Waffen und verſchwore, ner Neger war, trat ein alter Fiſcher hinein, der, was ihm ſein Nez gebracht hatte, verkaufen wollte. Da er die vielen Schwarzen und die Kugeln ſah, die friſch gegoſſen, noch heiß und glühend waren, übermannte ihn die Furcht, und mit zitternder Stimme bot er ſeine Waaren feil. Er erhielt die Antwort, man brauche keine Fiſche. Er bat nicht lange, ſie ſollten ihm doch etwas abkaufen, ſondern entfernte ſich eiligſt; unmittelbar faſt nach ihm kam Vartz. Ein Neger erzählte ihm, es ſei ein alter Mann dageweſen, der Fiſche habe verkaufen wol⸗ len. Bartz fragte ſchnell, was ſie denn mit ihm angefangen hätten.„Er iſt fort⸗ gegangen,“ antwortete der Neger. Da ward jener ſehr zornig rief aus, der alte Mann ſei ein Spion geweſen, und ſie hätten ihn feſthalten oder lieber gleich todtſchlagen ſollen; jezt ſeien ſie durch ihn verrathen. Alle Neger ſpran⸗ gen bei ſeinen Worten auf.„Sezt ihm nach,“ ſchrie Vartz unter furchtbaren


