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Thiermedicinische Rundschau ete.
1890. No. 23.
tember begründete dann Schmidt gleichzeitig mit meinem Blatte die„Zeitschrift für Fleischbeschau“ in durchaus legitimer und anständiger Art. Bald nach Begründung seines Blattes trat Schmidt dann auch in sehr energischer Weise in die Standesbewegung ein, obwohl dies den Tendenzen seines Blattes nicht ganz entsprach. Leider hat er hier oft mehr den egoistischen Bestrebungen einzelner Personen gedient, als die Sache gefördert, so sehr ihm auch diese am Herzen lag. So kam es, dass er, wenn auch in vornehmerer Art als manche Andere, in deren Dienst er sich zeitweise stellte, Personen angriff, wo nur die Sache zu erörtern war.
Schwidt- Mülheim erschien jedoch nicht als unerfahrener, eben mit den nothwendigsten Kenntnissen ausgerüsteter Thierarzt auf der litterarischen Bühne, nicht als plötzlich durch Gunst emporgekommener thierärztlicher Streber, der Unwissenheit, Mangel jeder Erfahrung und schriftstellerische Ungeschicklichkeit etwa durch jugendliche Preistigkeit zu verdecken nöthig hatte, sondern als allseitig durch- gebildeter, erprobter und gewandter thierärztlicher Forscher und Schriftsteller, dem auch von seinen persönlichen Gegnern die Achtung vor seinem Wissen und Können nie versagt und oft neidlos zu Theil wurde. Hätten nicht viele Widerwärtigkeiten und seine körperlichen Leiden ihn frühzeitig betroffen, so wäre der thierärztlichen Wissen- schaft in Schmidt eine der besten Kräfte noch lange er- halten geblieben.
Schmidt hatte durch die Begründung seines Blattes und die Herausgabe seiner Schriften gelernt, den Werth eigener Arbeit und eigenen Schaffens zu schätzen. Unvergessen soll ihm sein, wie er durch seinen Artikel„über publi⸗ cistische Ungehörigkeiten“ für unser geistiges Eigenthum und die Früchte unserer Arbeit eintrat. Die Prkenntniss, dass die in jenem Artikel gerügten publicistischen Unge- hörigkeiten, später nach dem Sprüchwort„tempora mutan- tur“ auch von denjenigen begangen wurden, die am ehesten sich davor zu hüten hatten, sowie manche andere Be- obachtungen mögen den Verstorbenen wohl veranlasst haben, sich in den letzten Jahren um die thierärztlichen Standes- bestrebungen nicht mehr zu kümmern und sich lediglich seinen wissenschaftlichen und litterarischen Bestrebungen hinzugeben.
Schmidt-Mülheim's Arbeiten werden noch lange ihren Werth behalten und sein tragisches Geschick wird die- jenigen versöhnen, die er im Leben als Gegner hatte.
G. Sch.
Offene Stellen. Offene amtliche Stellen.
— Haupithierarztstelle am Schlachthofe zu Bremen. Gehalt 3000 Mk., steigend bis zu 3900 Mk. Bewerbungen an die Verwaltung des Schlachthofes.
— Schlachthofinspektorstelle in Flatow. Gehalt ausser freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung 1200 Mk. Privatpraxis gestattet. Bewerbungen an den Magistrat.
— Schlachthausdirektorstelle in Pberswalde. Gehalt ausser freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung 2000 Mk. Bewerbungen an den Mngistrat in Eberswalds.
— Districtsthierarztstelle in Mitterfels. Feste Einnahmen etwa 1100 Mk. Bewerbungen an das Königl. Bezirksamt Bogen.
— Hilfsthierarztstelle in Mannheim. Gehalt 1500 Mk. neben freier Wohnung. Bewerb. an den Stadtrath in Mannheim.
— Kreisthierarztstelle des Kreises Brilon. Feste Einnahmen 2500 Mk. Bewerbungen an den Herrn Regie- rungs-Präsidenten in Arnsberg.
— Kreisthierarztstelle des Kreises Siegen. Feste Einnahmen 2150 Mk. Bewerbungen an den Herrn Regie- rungs-Präsidenten in Arnsberg.
— Kreisthierarztstelle des Kreises Büren. Feste Einnahmen 1100 Mk. Bewerbungen bis 20. September an den Herrn Regierungs-Präsidenten in Minden.
— Kreisthierarztstelle des Kreises Kolberg-Köslin. Bewerb. b. zum 1. Oct. er an den Herrn Reg.-Präs. in Köslin.
Offene nichtamtliche Stellen.
— In Külsheim(Baden).
— Assistenten suchen Bezirksthierarzt Maisel in Gerolzhofen, Pistrictsthierarzt Fischer in Seefeld(Bayern), Bezirksthierarzt Zissler in Amberg, Bezirksthierarzt Deschler in Friedberg(Oberbayern), Districtsthierarzt Lang in Hengersberg(Bayern.
Briefwechsel.
Herrn M. in W. Die Polizeibehörde ist zur Ausstellung eines solchen Scheines nach der Gewerbeordnung berechtigt.
Herrn D. in Z. Senden Sie doch die Circulare des Apothekers und Chemikers Olto Boden in Zwickau der zuständigen Regierung ein. Dieselbe wird dann sehr leicht die thierärztlichen Erfahrungen des Herrn Boden prüfen und auch Erhebungen über die Existenz der„berühmten Doctoren Grundmann und Smith“ anstellen können.
Pämiirung.- Hof- und Marstallthierarzt Fabricius erhielt für sein rühmlichst bekanntes Fabrikat, bekannt unter dem Namen „Weimarische Hufschmiere“ auf der Ersten Deutschen Pferde-Ausstellung in Berlin 1890 den höchsten Preis für
diesen Artikel, die Silberne Medaille.
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Soeben erschien und ist durch alle Buchhandlungen sowie direct vom verfasser zu beziehen:
Das thierärztliche Unterrichtswesen in Deutschland
in seiner geschichtichen Entwickelung und Bedeutung für den thierärztlichen Stand. Hin Gedenlkblatt. aus Anlass der Feier des 100 jährigen Bestehens der thierärztlichen Hochschule zu Berlin pearbeitetet von Dr. beorg Schneidemühl, Privatdocent an der Universität in Kiel. Mit einem Porträt des Geh. Med.-Rath Gerlach.
Radirung von Johann Lindner in München. 224 Seiten. Preis des Buches brochirt 6 MKk. in Leinwand gebunden MI. Die Zeitschrift„Der Thierarzt“(Herausgeber Professor Dr. Anacker) sagt in der Besprechung des Buches u. a.: „Das Buch ist um so interessanter und werthvoller, als der Bearbeitung aktenmässiges Material zu Grunde ge-
legt wurde.
Der Herr Verfasser hat auf diese Weise allen jenen Männern der Wissenschaft, allen wackeren Kämpfern,
welche durch ihr Handeln und Wirken das bisher Erreichte erringen halfen, ein unvergängliches Denkmal gesetzi, das
ebenso die Gefeierten wie den Autor ehrt.“
Druck und Verlag von Wilhelm Knapp in Halle a. S.


