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Thiermedicinische Rundschau etc.

1888. No. 2.

Literatur dürfte die Mittheilung nachstehenden von mir beobachteten Falles einiges allgemeine Interesse beanspruchen.

Anfangs März d. J. wurde ich am frühen Morgen zu einem Pferdebesitzer gerufen, weil ein Pferd desselben plötzlich Blut ausgeworfen hatte. Bei meiner Ankunft fand ich das der schweren pelgischen Race angehörige Thier ruhig im Stalle stehend. Vom Besitzer wurde mir ein Stalleimer gezeigt, dessen dritter Theil mit schwach hellroth gefärbtem Blute angefüllt war. Ebenso konnte man geringe Quantitäten Mageninhalt (Hafer und Grünfutterbestandtheile mit Schleim vermischt) in dem Inhalt des Eimers nachweisen. Auch auf dem Stallboden fanden sich geronnene Blutmassen vor. Der Besitzer theilte mir ferner mit, dass etwa zwei Stunden vor meiner Ankunft das Pferd noch gesund mit einem zweiten in einen mit etwa 50 Centner peladenen Lastwagen gegangen. alsdann nach Angabe des Kutschers nach Zurücklegung einer kurzen Wegestrecke plötzlich stehen gebſieben sei und Blut ausgeworfen hätte. Der Kutscher hat hierauf das Pferd sogleich ausgespannt und langsam in den zweihundert Schritt entfernten Stall zurückgebracht. Hier ist dann der stärkere Blutauswurf eingetreten. Der Besitzer hat dann zwei Fsslöffel Essig in einer Flasche Kamillenthee dem Thiere verabreichen lassen. Auf Befragen wurde mir noch mit- getheilt, dass Husten pei dem Pferde weder vor noch nach dem Blutauswurf beobachtet worden sei. Meine Untersuchung ergab im Wesentlichen folgendes: Per schwache Puls ist 40 mal in der Minute zu fühlen. Athemzüge werden 20 in gleicher Zeit ausgeführt. Die Conjunctival- und Maulschleimhaut ist blass. Die Untersuchung des Maules und Rachens mittels Beleuchtungsspiegel ergiebt nichts Auffälliges. Passelbe Ergebniss bei physikalischer Untersuchung der Brustorgane. Bald nachdem ich meine Untersuchung beendet hatte und dem Thiere auf meine Anordnung ein mit kaltem Wasser angefeuchteter Sack über den Rücken gelegt war, warf Patient von Neuem eine grössere Menge hellrothes Blut aus. Das Pferd verhielt sich dabei sehr rubig, streckte den Kopf etwas nach vorne, öffnete zeitweise das Maul und warf jedes Mal eine grössere Menge Blut heraus. Gegen Ende des Vorganges wurden Kaubewegungen gemacht und die Reste des im Maule befindlichen Blutes mit Speichel gemischt, in welchem Zu- stande diese Blutmassen dann beim Oeffnen des Maules an der Seite herunterflossen. Aus der Nase sah ich bei den drei in ganz kurzen

Zwischenräumen von mir beobachteten Blutaus- würfen Blut nicht austreten.

Meine Verordnung bestand neben Fortsetzung der bereits ausgeführten kalten Umschläge auf

Brust und Rücken, Fernhaltung jeder Bewegung noch in Verabreichung von 30,0 Secale cornutum. Dasselbe sollte in zwei Portionen mit einer halben Flasche Bothwein verabreicht werden. Da nach Verlauf einer halben Stunde kein neuer Blutaus- wurf eingetreten war, begab ich mich nach Hause. Ich hatte jedoch noch nicht lange meine Woh- nung erreicht, als ein Bote mich von Neuem durch die Mittheilung zu dem kranken Pferde rief. dass pald nach meinem Weggange und ehe noch die vorgeschriebene Arznei verabreicht werden konnte, ein dritter Blutauswurf eingetreten sei. Im Ganzen hatte das Thier, wie ich mich durch den Augen- schein bei einem zweiten Besuche überzeugen konnte, nun fast einen Stalleimer voll Blut ent- leert. Bald nachdem Patient den dritten An- fall überstanden hatte, war die erste Hälfte der verordneten Arznei verabreicht worden. Ein wei- terer Blutauswurf trat weder an demselben noch an einem der folgenden Tage ein. Gegen Mittag wurde die zweite Hälfte obiger Arznei verabreicht. Als ich das Thier gegen Abend desselben Tages wieder sah, konnte ich ausser leicht erklärlicher Schwäche nichts Auffälliges weiter bemerken Meine Anordnung bestand nun darin, die kalten Umschläge vom nächsten Tage fortzulassen, dem Pferde nur etwas Kleietrank und Saufwasser zu verabreichen, in welchem etwas Natr. bicarb. ge- löst war.

Sowohl an dem ersten wie an den beiden folgenden Tagen waren die von dem Pferde abgesetzten Faeces von dunkel pis schwarzrother Farbe, hervorgerufen durch die Vermischung mit Blut. Erst am vierten Tage nach dem Blutaus- wurf trat wieder normalere Färbung ein. Nach Verlauf der ersten acht Tage wurde dem Pferde in kleinen Portionen 5 6 Mal am Tage reiner Hafer gereicht. Während in den ersten Tagen nach der Prkrankung täglich dreimal ein Esslöffel voll guter Rothwein mit Brot verabreicht wurde, erhielt Patient bei Wiederaufnahme der Hafer- fütterung täglich dreimal zwei Esslöffel eines aus Natr. chlor., Natr. bicarb. und Natr. sulf. be- stehenden Pulvers auf das genannte Futter gestreut. Vom zwölften Tage nach der Erkrankung an wurde das Pferd täglich eine halbe Stunde im Freien geführt. Drei Wochen nach Eintritt des Blut- auswurfs konnte das Thier wieder zu leichter und fünf Wochen nach der Krankheit zu voller Arbeit verwerthet werden. Bis heute, sechs Monate nach der Erkrankung, hat das Pferd ununter- prochen und ohne jegliche Beschwerde seine schwere Arbeit verrichtet. Irgend welche Nach- krankheiten habe ich bei öfterer gelegentlicher Besichtigung des Thieres weder selbst wahr- genommen, noch sind mir Erscheinungen einer Solchen vom Besitzer oder dessen Leuten mit-