15. Mai. Thiermedicinische Rundschau ete. 193

Mittheilungen aus thierärztlichen Versammlungen.

Ceneral-Versammlung des Vereins Rhein- preussischer Thierärzte zu Köln am 7. August 1886. An der Versammlung nahmen Theil die Herren: Schell- Bonn, Voisizender, Dr. Schmidt-Aachen, Stellvertreter, Rothenbusch-Köln, Schriftführer, Weyden-Neuwied, Caseirer, Bockelmann-Wipperfürth, Bongartz-Bonn, Brebeck-Neues, Ernst-Poch, Flatten-Stommeln, Fried- laender-Solingen, Grasses-Barmen, Hühnerbein- Geilenkirchen. Knipp-Elberfeld, Löhr-Altenkirchen, Mühlfarth-Rödingen. Römer-Puisburg, Schmidt-Mül- heim, Schulze-Kempen, Stelkens-Straelen. Stolz- Eus kirchen, Strerath-Poveren, Tillmann-Mülheim, Weiss-Eschweiler, Wilden-Lutzerath und Wolf-Cleve.

Nach Bröffnung der Sitzung und Begrüssung der Ver- sammlung reſferirte der Vorsitzende über Vereins- und Standesangelegenheiten. Er erinnerte an die Ver- handlungen im Abgeordnetenhause über Reorganisation der preussischen Thierarzneischulen an die Begründung einer Centralvertretung der preussischen thierärztlichen Vereine und bezeichnete das abgelaufene Jahr als ein hochbedeu- tendes für unsere Wissenschaft und unsern Stand.

In geschäftliche Angelegenheiten eintretend wird zu- nächst beschlossen, von einer Verhandlung über Zuschriften des Cösliner und Magdeburger thierärztlichen Vereins betr. Vorkommnisse in der Thierärztlichen Fachpresse Abstand zu nehmen. Es wurde ausgesprochen, dass der geschäfts- führende Ausschuss der Gesammtvertretung der preussischen Vereine als die richtige Instanz für die Behand)ung der Anträge zu erachten gewesen wäre. Epenso wurde eine Zuschrift des Braunschweiger Thierärztlichen Vereins, eine Unterstützungskasse für die Hinterbliebenen deutscher Thierärzte betreffend, durch einen früheren Beschluss für erledigt erklärt. Nach diesem Beschluss sollte es dem Er- messen jedes Einzelnen überlassen bleiben, sich pei der genannten Kasse zu betheiligen.

Im Weiteren beschliesst der Verein einstimmig, dem Centralverbande Preussischer thierärztiicher Vereine beizutreten und wählt als Delegirten Departe- mentsthierarzt Schell und zu dessen Stellvertreter Depar- tementsthierarzt Dr. Schmidt. Eine Erhöhung des Jahres- beitrages behufs Bildung einer Unterstützungskasse für hülſsbedünftige rheinpreussische Thierärzie resp. deren Hinterbliebenen wurde abgelehnt.

Der Vorsitzende leitete dann die Besprechung über die Handhabung der Fleischbeschau ein, welches Thema der Tagesordnung dann Herr Fothenbusch- Köln näher erörtert. Noch fehle es an der im Reichsgesetz von 1879 vorgesehenen Kaiserlichen Verorduung bezüglich des Verbaufs und des Feilhaltens von kranken Thieren zum Schlachten, so wie des Fleisches von solchen Thieren. Was verdorben und gesundheitsschädlich sei, steht noch sehr in der Beurtheilung der Sachverständigen, deren An- sichten oft erheblich auseinandergehn. Einzelne z. B. ge- statten den Genuss des Fleisches von rothlaufkranken Schweinen, von Pferden, die an Lumbago gelitten, andere verbieten ihn. Dies sei in der Hauptsache erklärt, weil es in Preussen noch an einer geregelten Fleischbeschau und besonders an der Errichtung der Freibänke fehle. Jetzt bestände für den Sachveiständigen nur die Alter- native, das Fleisch gut zu heiesen oder zu verwerfen. Das in Süddeutschland so wohlthätig wirkende Institut der Freibänke fehle oder bestehe eben nur vereimzelt(Frank- ſurt a. M., Wiesbaden. Köln) in Preussen. Auch bezüglich des Schaupersonals herrsche keine gesetzliche Klarheit. In einzelnen Fällen würden die Aerzte noch immer als Sachverständige für Beurtheilung des Fſeisches angesehn. Fine allgemeine Fleischbeschau sei trotz der nicht zu verkennenden Schwierigkeiten der Purchführung unter

allen Umständen zu erstreben Wo ein Thierarzt, wie auf vielen Pörfern, nicht zu erreichen sei, müssten empyrische Fleischheschauer angestellt werden. In Süddeutschland hat sich auch diese Einrichtung vortrefflich bewährt.

Bei der Besprechung des Themas erwühnte Dr. S chmidt- Aachen, dass die Regierung in Aachen einstweilen Abstand genommen habe, für die Fleischbeschau pei Nothschlach- tungen etwas zu thun. Herr Brebeck theilte mit, dass im Regierungsbezirk Püsseldorf die Verfügung bestehe, dass

das Fleisch nothgeschlachteter Thiere thierärztlich unter-

sucht werden wüsse und im Falle ein Thierarzt auf eine Entfernung von 5 km nicht zu haben sei, diese Funktionen durch einen Privatfleischbeschauer ausgeführt werden Es wurde dann eine Commission, bestehend aus den Herren Strerath, Brebeck, Loehr und Rothenbusch, ge- wählt, welche den Gegenstand für die nächste Versammlung bearbeiten sollten.

Am Ende der Sitzung machte dann noch der Vor- sitzende Mittheilung über eine bei mehreren Schweinen eines Wurfes beopachtete Er kranku ng der Gesichts- knochen und der Körper der Unferkiefer. 5 6 Monate alte Ferke!, welche sämmtlich die Erscheinungen der sog. Schnüffelkrankheit zeigten: starke Auftreibung des Rüssels und der sämmtlichen Gesichtsknochen mit Aus- nahme der Stirnbeine nebenher auch Umnfangsvermehrung des Körpers des Unterkiefers, ohne irgend welche Störung des Allgemeinbefindens. Das Athmen war, besonders bei der Futteraufnahme, schnaufend, letztere erschwert und zwar, wie sich bei näherer Untersuchung zeigte, in Folge polsterartig hervortretender Schwellung des harten Gaumeis. Eine spätere mikroskopische Untersuchung ergab, dass der Grund der Erkrankung ein centrales Osteosarkom war, welches sich vom Oberkiefer aus auf sämmtliche Knochen des Gesichts ausgebreitet hatte; von den Knochen selbst war nur noch das Periost vorhanden, welches die Ober- fäche der Geschwulst, mit derselben verbunden, umhüllte. Im Körper des Unterkiefers war das Geschwulstgewebe etwas weniger derb und die Knochenrinde noch etwas er- halten, letztere jedoch mit dem Messer schneidbar. Von Interesse war noch die gleichzeitige Entwickelung der Geschwulstbildung von zwei verschiedenen Stellen aus. Eine congenitale Anlage will Redner nicht annehmen, da die noch vorhandenen Pltern sich gesund zeigten und auch der Eber aus einer Zucht stammte, in welcher niemals ähnliche Erkrankungen zum Vorschein gekommen sein sollen. Ob Sarkomatose der Gesichtsknochen immer die Grundlage der Schnüffelkrankheit bildet lässt Sch dahin gestellt und erinnert nur daran, dass bereits Haubner diese Geschwulstbildung als Ursache einzelner Fälle von Schnüffel- krankheit beobachtete.

Bei der Diskussion sprachen sich Bongartz Köln und Schmidt-Mülheim dahin aus, das verschiedenartige Krankheiten der Nasenschleimhaut und der Kieferknochen das Bild der Schnüffelkrankheit hervorrufen könnten. Nach Schluss der Verhandlungen wurde der bisherige Vor- stand per Acclamation wiedergewählt.

Standesangelegenheiten.

Zur Reform des Veterinürwesens. Im Laufe der Zeit hat sich das Bedürfniss immer mehr fühlbar gemacht, dass das staatliche Veterinärwesen den Fortschritten der Wissenschaft entsprechend gestaltet und den übrigen Zweigen der angewandten Naturwissenschaften coordinirt werden muss, wenn es in Stand gesetzt werden soll, die ihm im Gebiete der Gesammt-Medicin zufallenden Aufgaben be- friegend lösen zu können. In Deutschland ist das An- sehen der Veterinärwissenschaft dadurch bedeutend geschä- digt worden, dass die Veterinär-Institute, welche zunächst nach dem Muster der alma mater in LJon und Alfort ein- gerichtet waren, zu lange im fremden Gewande pelassen

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