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Thiermedieinische Rundschau ete.

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I. Oestereichischer Thierärztetag am 4., 5. und 6. October 1886 in Wien. à) Nicht weniger als 291 Theilnehmer hatten sich zu diesem allgemeinen öster- reichischen Thierärztetag eingefunden, wie er in ähnlicher Weise in Deutschland noch nicht stattgefunden hat. Pas engere Actions-Comité bestand aus den Herren Richter, Dauscher, Hodurek, Neidhart und Toscano, dessen Vorsitzender Herr Landesthierarzt Hodurek war. Zu- nächst fand am 4. October eine vorberathende Ver- sammlung statt, die durch Herrn Hodurek mit warm empfundener Rede eröffnet wurde. Alsdann hiess im Namen der Stadt Wien und in Vertretung des Herrn Bürgermeisters Herr Gemeinderath Dr. Praetorius die Versammelten herzlich willkommen. Als Mitglieder des Bureaus wurden nun die Herren Landesthierarzt Hodure k als Präsident, Bezirksthierarzt Dexler als Stellvertreter, und Thierarzt Richter und Gellinek als Schriftführer gewählt. Pamit war die Vorberathung erledigt, an der fast 200 Personen PTheil genommen hatten.

Am 5. October vormittags fanden 2 Sections- Sitzungen statt, wovon die eine fast ausschliesslich von Militärthierärzten besucht war, um über Schritte zu Nutz und Frommen des militär-thierärztlichen Standes zu be- rathen; an der anderen betheiligten sich die Referenten und Correferenten in Standesangelegenheiten, um bei der öffentlichen Behandlung ein wöglichst einhelliges Vorgehen zu erwöglichen.

Der erste Verhandlungstag wurde am 5. October

nachmittags vom Präsidenten eröffnet und zunächst mit- getheilt, dass als Vertreter des k. k. Ackerbauministeriums die Herren k. k. Ministerial-Secretär Ritter von Herz- manowsky und k. k. Landescultur-Inspector Baron Schwarz und als Vertreter der K.k. Landwirthschafts-Gesell- schaft in Wien Herr Dr. Thomas, sowie ferner der ge- sammte Lehrkörper des K k. Thierarznei-Instituts die Versammlung durch ihre Gegenwart bechrten. Nach einigen Begrüssungsansprachen und Erledigung kleinerer geschäft- licher Angelegenheiten erhielt Herr Bezirksthierarzt Birn- stingl-Peibnitz das Wort, um seine Beobachtungen und Erfahrungen über Pasteur's Schutzimpfung gegen die Wuthkrankheit mitzutheilen. Der Vortragende schildert zunächst das bekannte Verfahren Pasteur's, die Schutz- impfungen vorzunehmen und berichtet dann, dass er selbst als der 1017 te von Pasteur geimpft sei. Die Impfung sei von ihm gewünscht worden, weil er sich bei der Seection eines wuthkranken Hundes am Finger verletzt hätte und sich Lymphdrüsen, Schmerz in den Muskeln und Schwindel- anfälle eingestellt hätten. Die Impfung wurde 12 Tage nach der Verletzung begonnen und nach 10 Tagen beendet. An den Inoculationsstellen traten vorübergehend rothe schmerzhafte Stellen ein, ebenso bemerkte Redner nach jeder Impfung leichte, vorübergehende Schwindelanfälle und Zuckungen in den Bauchmuskeln. Der Vortragende schliesst seine Ausführungen, indem er sehr nachdrücklich die Verdienste und die Erfolge Pasteur's vertheidigt.

Bei der Discussion, an der sich nur Herr Dr. Szpil- mann betheiligt, wird von diesem eingehend und unter Mittheilung eigener Versuche begründet, dass es vorläufig unmöglich ist, ein wissenschaftliches Urtheil über den Werth der Pasteur'schen Schutzimpfung abzugeben, da die Sache noch nicht klargelegt ist und noch weitere Versuche von Pasteur abzuwarten seien.

Hierauf wird Herrn Dr. Szpilmann das Wort zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung ertheilt, betreffend Reform der Thierarzneischule bezw. des thier- ärztlichen Unterrichts. Der Vortragende theilt mit, dass er im Auftrage des galizischen thierärztlichen Vereins

¹) Nach dem vom Comité des Thierärztetages verfassten officiellen Bericht, welcher auch käuflich vom Schriftführer des Vereins österr. Thierärzte, Wien, Langegasse 15, gegen 1,50 fl. bezogen werden kann.

wenige Tage nach der Verletzung Schwellung der

und des Professoren-Collegiums der k. K. Thierarzneischule in Lemberg einen im ersten Verein eingebrachten und ein- stimmig angenommenen Antrag über Reform der Thier- arzneischule auch der ersten österreiehischen thierärztlichen Versammlung zur Beschlussfassung unterbreite. Ist ihm auch privatim mitgetheilt worden, dass das Professoren- Collegium der Wiener Thierarzneischule bereits mit dieser Sache beschäftigt und das k. k. Unterrichts-Ministerium den angeregten Reformen günstig gestimmt sei, so hätten trotzdem die Thierärzte die Pflicht, diese wichtige Angelegen- heit weiter zu fördern und zur Reife zu bringen. Ist es doch eine schöne Aufgabe für die Thierärzte, wenn sie sich um das Wohl und die Hebung des thierärztlichen Standes, sowie um die Förderung des thierärztlichen Studiums verdienstlich machen. Redner wolle nur von der Reform der Thierarzneischulen im Allgemeinen reden. Denn nach seiner Ansicht sollen sowohl Civil- als Militärthierärzte dieselbe Bildung ge- niessen, und es sei deshalb dahin zu streben, dass der Ausbildung von thierärztlichem Hilfspersonal sobald als möglich ein Ende gemacht wird.

Der Vortragende begründet dann eingehend und unter Hinweis auf die grossen Fortschritte der Thiermedicin und der Verhältnisse in anderen Ländern die nachfolgenden Anträge: der erste österreichische Phierärztetag beschliesst: 1) dass für das Studium der Thierheilkunde eine höhere Vorbildung erforderlich ist und dass speciell die Absol- virung der 7 Gymnasial- oder Realklassen gefordert werden muss; 2) dass das Studium der Thierheilkunde sich auf 4 Jahre erstrecken solle; 3) die beiden Anträge sollen in einem besonderen Memorandum von Seite des Präsidiums des I. österr. thierärztlichen Vereines dem hohen k. k. Ministerium für Qultus und Unterricht vorgelegt werden. Es folgt nun eine sehr lebhafte Discussion, an der sich eine ganze Reihe von Rednern betheiligen. In der Haupt- sache werden in den Ausführungen für und wider vielfach diejenigen Gesichtspunkte berührt, wie sie bei der letzten Versammlung des deutschen Veterinärrathes in Leipzig bereits erörtert wurden.

Schliesslich wurde der Antrag des Chef-Thierarztes E. Bondy-Marienbad angenommen, welcher lautetes sei als Vorbildung die Absolvirung von 6 Mittelschulklassen erforderlich. Punkt 2 und 3 wurde nach dem Antrage des Referenten zum Beschluss erhoben.

Im Weiteren berichtet nun Herr Bondy über den nächsten Gegenstand der Tagesordnung:Ueber das Kur- schmiedewesen und die thierärztliche Kur- pfuscherei. Zunächst weist der Redner darauf hin, dass man von den zukünftigen Kurschmieden ausser der handwerksmässigen Fertigkeit nur die Kenntniss des Lesens und Schreibens als Vorbedingung verlange. Nun werde ihnen nebenbei auch Vieles über Behandlung von Thieren mitgetheilt und ihre Stellung später mit derjenigen der practischen PThierärzte in einen Topf geworfen. Werden sie später vom Heere, für das sie zunächst als Beschlag- schmiede gebildet werden, entlassen, so erhalten sie oft als Anerkennung ihres früheren Fleisses die Bewilligung, die pferdeärztliche Praxis auszuüben und werden so den Civil- thierärzten aufgebürdet. Stellen sie auch keine hohen An- sprüche und reicht das, was sie verdienen, auch nur aus, um sie vor dem Verhungern zu schützen, so verderben und schädigen sie doch häufig die Thätigkeit der Thierärzte.

Die Verhandlungen werden hier abgebrochen.

Bei Wiederaufnahme der Berathungen am 6. October theilt der Präsident zunächst mit, dass Herr Dr. Ritter v. Lorenz, Hofrath im k. k. Ackerbauministerium die Versammlung mit seiner Gegenwart beehrt hat. Ferner wird eine Verwahrung seitens einzelner Militärthierärzte gegen die Ausführung des Referenten bezüglich der Kur- schmiede zur Verlesung gebracht, worin die Angaben als den thatsächlichen Verhältnissen nicht ganz entsprechend bezeichnet werden.