Thiermedicinische Rundschau ete.
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Milzbrand gelitten, nicht theilen konnte, war zu- nächst die Feststellung wichtig. ob unter Be- dingungen, welche denen möglichst ähnlich waren, unter denen das Fleisch der kranken Kuh in jenem Falle gebracht war, wirklich eine Sporen- bildung stattzufinden vermöge.
Zu diesem Zwecke wurden mehrere Versuche angestellt.
Ein an Milzbrand durch Fütterung von auf Kartoffeln gezüchteten Milzbrandsporen getödtetes Schaf wurde 5 Tage hindurch in einem auf 22— 24 Grad C. erwärmten Raum aufgehängt, nachdem sämmtliche Fingeweide entfernt waren. Am ersten Tage wurden von dem Fleischsafte des Thieres Ausstrichpräparate angefertigt, in denen sich charakteristische Milzbrandbacillen zeigten, jedoch ohne Erkennung eines Längen- wachsthums oder Sporenbildung. Am vierten Tage wurden wiederum dem Cadaver Fleisch- proben entnommen. Der abgeschabte Fleisch- saft enthielt in Trockenpräparaten nur wenige specifische, gut färbbare Milzbrandbacillen, die weder Längswachsthum noch Sporenbildung zeig- ten, dagegen sehr viele Bacillen, welche die Länge von 3—6 mm besassen, kaum bemerkbar dicker als die Milzbrandbacillen, an den Enden nur leicht abgerundet waren und am Ende je eine Spore trugen, also nicht Milzbrandbacillen sein konnten. Freie runde oder ovale, stark lichtbrechende Körper, die man hätte für Milz- brandsporen halten können, liessen sich nicht auffinden. Dagegen fanden sich ausser zahl- reichen runden durch Fuchsin ohne weitere Vor- bereitung gleichmässig gut gefärbten Coccen noch einzelne isolirte feine Muskelfibrillen bis zu 20 mm Länge und einer Breite, wie solche etwa der der Milzbrandbacillen entsprach. Dieselben zeigten sich bei ihrer Färbung mit Fuchsin in der Weise eigenthümlich verändert, dass die in ihnen schon ungefärbt noch scharf sichtbaren Krause'schen Muskelkästchen als helle fast glänzende, unge- färbte Partieen hervortraten und selbst für den Geübten, allerdings nur einen Augenblick, das Bild eines Milzbrandfadens mit eingelagerten Sporen vortäuschten.
Die mikroskopische Untersuchung des vier Tage alten Fleisches nach Alkoholhärtung in ge- färbten Schnitten liess Folgendes konstatiren: das von der Oberfäche entnommene Fleisch enthielt in seinen Capillaren massenhafte Milzbrandbacillen, welche aber weder ein Längswachsthum, noch auch nur eine Andeutung von Sporenbildung er- kennen liessen. An denjenigen Stellen, wo grössere Anhäufungen von interstitiellem Binde- gewebe vorhanden waren, lagen zwischen verein- zelten Anthraxbacillen sehr viele anthraxähn-
liche Bacillen ¹), zahlreiche kurze Bacterien und ziemlich viele mikrocoecenähnliche, leicht tingirbare Gebilde, die vielfache Uebergänge zu letzteren zeigten und als Theilungsproducte der- selben aufzufassen sein dürften. Wenn ihre Grössen und Formverhältnisse auch eine Ver- wechselung mit Milzbrandsporen denkbar erschei- nen liessen, so spricht hiergegen doch mit aller Bestimmtheit ihre Tingirbarkeit in wässerigen Lösungen basischer Anilinfarben. Zwischen durch fanden sich auch von der Opberfläche her einge- drungenen Mycelien von Schimmelpizen und einigen Sprosshefezellen. Schluss folgt.)
Arzneimittelehre. Neuere Arzneimittel.
Von Dr. A. Langgaard. (Deutsche med. Wochenschrift Nr. 3, 1886.)
Hydrastis canadensis(Berberin und Hy- drastin sowie deren Salze). Das Rhizom von Hydrastis canadensis L., einer in Nord-Amerika einheimischen verschieden benannten Ranunculacee, steht seit langer Zeit in ihrem Heimathlande als tonisirendes. gallentreibendes und leicht eröffnen- des Mittel bei Dyspepsie, Ieterus, chronischem Darmkatarrh, Haemorrhoiden, Sonorrhoe, Leu- corrhoe und als Ersatzmittel des Chinins bei Inter- mittens in Ruf. In Deutschland wurde zuerst im Jahre 1883 auf der Naturforscher-Versammlung zu Freiburg von Prof. Schatz auf die Bedeutung dieses Mittels für die Gynaekologie hingewiesen. Später ist es dann von anderen Autoren näher untersucht. Die Wurzel verdankt ihre Wirkung zwei Alkaloiden, dem Hydrastin und dem Berberin. Schatz formulirt in seiner neuesten Publication die Indicationen für die Anwendung des neuen Mittels in folgender Weise: Hydrastis ist durch Secale nicht zu ersetzen: 1. bei den so häufigen Blutungen durch solche Myoma, welche durch Wehen weiter geboren oder verschoben werden und dadurch an ihren Verbindungen Zerrungen erleiden; 2. bei Blutungen aus dem excentrisch hypertrophirten Uterus, der nach Entleerung seines Inhalts immer wieder erschlafft und so neue Blutung erzeugt; 3. bei allen Fällen von Hy- peraemie der Genitalien, in denen es wegen Ent- zündung oder aus anderen Ursachen doch nicht gelingt, den Uterus mit Secale zur Contraction zu bringen, oder wo der Wechsel von Wehen und Wehenpause durch Vermehrung der Hy- peraemie nur schadet; 4. in Fällen von acuter
¹) Verf. macht hierbei auf die Schwierigkeit aufmerk- sam, in einzelnen Fällen mit Sicherheit die Milzbrand- bacillen festzustellen. Schütz hat bereits in seinen Untersuchungen über die Schweineseuche(Arb. d. Kais. Ges.) auf jene anthraxähnlichen Bacillen hingewiesen.


