15. Februar.
injieirt wird. Die subeutan und diejenigen intravenös ge- machten Impfungen, bei denen Lymphe in das subcutane Gewebe eingedrungen war, haben meist einen letalen Aus- gang zur Folge.
Auf Grund der Jenner'schen Entdeckung, dass mit Kuhpocken geimpfte Menschen die Pockenkrankheit nur in einem geringen Grade durchmachten, und dass nur eine Pocke an der Impfstelle entstand, hat man in neuerer Zeit auch Schafe mit Kuhpockenlymphe geimpft, aber gefunden, dass die Pocken über den ganzen Körper der Thiere sich verbreiteten und auch auf nicht geimpfte Thiere übertragen wurden.
Seit etwa 5— 8 Jahren ist wan zu der Methode ge- langt, den Impfstoff in künstlicher Nährflüssigkeit zu zůch- ten und abzuschwächen.
Die ersten Versuche in dieser Beziehung wurden von Pasteur bei der Hühnercholera gemacht, indem er durch hohe Temperaturen die Wirkung des Virus ab- schwächte.
Später eultivirte er Milzbrandvirus in neutraler Hühner- brühe bei verschiedenen Temperaturen und fand, dass der Bacillus bei einer Temperatur von 42— 430 C. sich leicht ohne Sporenbildung zůchten liess. In den ersten Tagen behielt dieser seine Uebertragungsfähigkeit, die aber immer mehr erlosch und nach etwa einem Monat vollständig auf- hörte. Die Qultur ist alsdann todt und zeigt keine Sporen- bildung mehr, auch wenn sie ih andere Nährflüssigkeit gebracht wird, was aber 2— 3 Tage vorher noch der Fall war. Die Uebertragungsfähigkeit, Virulenz, des Bacillus auf Thiere erlischt bei einem Aufenthalt in einer Tem- peratur von 42— 430 C. schon nach 8 Tagen, da sich Kaninchen gegen eine solche Flüssigkeit unangreif bar ver- hielten. Der Bacillus ist auf diese Weise geschwächt, seine Wirkung auf den Thierkörper hat aufgehört.
Pasteur hat nun mit solchen Culturen Impfversuche angestellt, und zwar mit 2 Arten Lymphe von verschie- dener Abschwächung; die erste, premier vacein, eine 24 Tage alte Abschwächung, die unschädlich ist, aber auch nicht immun macht: die zweite, deuxième vacein, eine Qultur von 12 Tagen, die nicht unschädlich ist, aber immun macht.
Die ersten Versuche, welche Pasteur machte, indem er zuerst mit premier vacein impfte und nach 12 Tagen die Impfung mit deuxième vacein wiederholte, fielen sehr glänzend aus; in Folge dessen wurden in Deutschland auf der Domaine Pakisch in der Provinz Sachsen Impfver- suche mit von Pasteur bezogener Lymphe gemacht. Die Resultate derselben sind wohl allgemein bekannt.
Die Impfversuche in Ungarn waren mit bedeutenden Verlusten verbunden.
Bei den in Salzdahlum von Herrn Kreisthierarzt Saake vorgenommenen Impfungen wurden geimpft: 80 Schafe, 2 Lämmer, 2 Ochsen und 2 Färsen, welche nach der ersten Impfung keine Krankheitserscheinungen äusserten. Nach der zweiten Impfung starben 3 Schaſe, bei der Controlimpfung mit verdünntem Milzbrandblut wurden geimpft: 10 präventiv und 3 nicht präventiv ge- impfte Schafe, 1 präventiv geimpfte Kuh und 1 Färse und 1 nicht präventiv geimpfte Kuh. Von diesen erlagen die 3 nicht präventiv und 2 von den präventiv geimpften Schafen, es erkrankten 1 präventiv geimpftes Schaf, die präventiv geimpfte Färse und eine nicht präventiv ge- impfte Kuh.
Die Immunität nach der Schutzimpfung des Milz- prandes hält nicht lange an, höchstens 1 Jahr, ausserdem sind die Verluste zuweilen erheblich. Thatsache aber bleibt, dass eine Methode erfunden ist, die den Ansteckungs- stoff abschwächt.
Die Momente, welche den Ansteckungsstoff abschwächen, kennt man noch nicht. Pasteur glaubt, der Sauerstoff
PThiermedieinische Rundschau etc.
der Luft sei die sie abschwächende Ursache, Koch- Berlin hält die hohe Temperatur für das abschwächende Agens.(Schluss folgt.)
Standesangelegenheiten.
Die Verhandlungen im preussischen Abgeordneten- hause über die Reorganisation der preussischen Thierarzneischulen geben wir im Nachstehenden nach dem stenographischen Bericht wieder:
Abgeordneter Dr. Schläger: Meine Herren Sie werden in diesen Tagen durch eine Petition, die Ihnen gedruckt vorliegt, wenn Sie sie gelesen haben sollten, darauf vorbereitet sein, dass bei diesem Kapitel jedenfalls an die Aussichten, welche der Herr Staatsminister der Landwirthschaft im vorigen Jahre hier gemacht hat, sich die Frage anknüpfen müsse, ob die Hoffnungen, die damals ausgesprochen worden sind, in nächster Zeit in Erfüllung gehen sollen oder nicht. Seitdem diese Frage überhaupt angeregt ist, ist in den betheiligten Kreisen eine recht lebhafte Agitation entstanden und fortgesetzt, und sie dauert zunehmend fort, dahin gehend, dass die jetzige Ver- waltung der Thierarzneischulen absolut einer Aenderung bedarf.
Der Herr Staatsminister hat im vorigen Jahre, am 1. Februar, versprochen, diese wichtige Angelegenheit einer eingehenden Prüfung durch die niedergesetzte Kommission oder vielmehr durch die offizielle Deputation für das Veterinärwesen unterziehen zu lassen. Wir haben es mit Dank anzuerkennen, dass dies geschehen ist, und wenn die Nachrichten in den öffentlichen Blättern richtig sind, so hat vor längerer Zeit bereits diese Deputation, die nur aus berufenen Sachverständigen, wie ich glaube, besteht, sich einmüthig den Ansichten angeschlossen, die in weiten thierärztlichen Kreisen vorhanden sind. Leider ist weder dieser Kommissionsbericht in das grosse Publikum ge- drungen, noch haben wir eine authentische Nachricht darüber, ob der Herr Minister sich durch diese sach- verständigen Gutachten hat überzeugen lassen, endlich zu einer Reorganisation der Thierarzneischulen überzugehen.
Als ich diesen Etat zu Gesicht bekam, bin ich sofort einigermassen bedenklich geworden, weil der Ftat sich gerade so formirt wie im vorigen Jahre. Es ist bekannter- massen schon mindestens seit einem Jahre die Stelle eines hiesigen Pirectors offen, es war daher die günstigste Ge- legenheit gegeben, nun die Umgestaltung der beiden Thier- arzneischulen unseres Landes in Angriff zu nehmen. Ich fürchtete deshalb, wenn dieser Posten, der im vergangenen Jahre nicht verwandt ist, bald verwandt werden könnte oder würde, dass es dann viel schwieriger wäre, diese Angelegenheit auf den Weg zu bringen, wie das von allen Seiten verlangt wird. Ich hoffe, der Herr Minister wird wir eine beruhigende Erklärung nach dieser angedeuteten Richtung geben.
Ich mache ferner darauf aufmerksam, dass das jetzige System weder bei den Akademikern selbst, noch bei den Praktikern, den Thierärzten, jetzt noch Anklang gefunden hat. Iech kann mir das auch erklären, weil in der That die Auswahl für einen solchen Directorposten sehr schwierig ist, die Wahl eines Mannes, der an die Spitze einer solchen Anstalt gestellt wird, mit einer Gewalt, die mehr in sich birgt, als man im allgemeinen aunimmt, unter gleich wissenschaftlich gebildeten, unter mehr oder weniger gleich berechtigten Lehrern eine Autorität sich zu verschaffen, die nur selten förderlich sein könnte. Ich kann in dieser Beziechung ein klein wenig mir heraus- nehmen, über diese Angelegenheit zu sprechen, da ich Gelegenheit gehabt habe, schon über 20 Jahre hindurch mit einem der hervorragendsten Thierärzte, dem früheren Director in Hannover und nachherigen geheimen Medicinal-


