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118 Thiermedicinische
Rundschau etc. 1887. No. 10.
Der Gesundheitszustand der Hausthiere war im Allge- meinen gut. Die Viehmärkte waren gering besucht; die Preise blieben hoch, besonders für Jungvieh und für Nutzvieh.
Viehseuchen im deutschen Inlande. Baden. Monat November: Rotz 3 Fälle; Milzbrand 18 Fälle; Rauschbrand 7 Fälle; Bläschenausschlug 30 Fälle. An Schafräude sind 80 Schafe neu erkrankt. Württemberg. Monat November: Milzbrand 13,
Rauschbrand 6, Fotz 8, Lungenseuche 5 und Bläschen-
ausschlag 16 Fälle. An Schafräude sind 2600 Schafe neu erkrankt.
Sachsen. Monat November: Milzbrand 23 Fälle; Tollwuth 1 Hund getödtet; Bläschenausschlag 13 und Lungenseuche 47 Fälle.
Vichseuchen im Auslande.
Schweiz. Monat December: Bauschbrand 8, Milz- brand 19, Tollwuth 2, Rotz 4, Rothlauf 6 Fälle; Maul- und Klauenseuche 1 Stall mit 7 Stück Vieh.
Oesterreich-Ungarn. Vom 15. Oktober bis 15. No- vember: Lungenseuche in 52 und Rotz in 13 Ortschaften; Beschälseuche in 1 Ortschaft; Maul- und Klauenseuche in 4, Schafpocken in 7, Milzbrand in 8, Rothlauf in 14, Pferderäude in 4, Schafräude in 7 und Ziegenräude in 7 Ortschaften.
der Geschäftsübersicht, dass 1905 Mk. 25 Pfg. für die Unterstützungskasse der Hinterbliebenen deutscher Thier- ärzte an Herrn Med.-Rath Dammann-Hannover abgeliefert worden sind. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wird Kreisthierarzt Schrader-Helmstedt zum Vorsitzenden und Thierarzt Dormann-Helmstedt zum Schriftführer gewählt.
Alsdann erhielt Herr Med.-Rath Dammann das Wort zu seinem Vortrage über„den gegenwärtigen Stand- punkt der Schutzimpfungsfrage“. Der BRedner äusserte sich in folgender Weise:
Die Schutzimpfung kann man als Schutzwaffe gegen die Ansteckung von Krankheiten betrachten, welche durch niedere Organismen hervorgerufen werden. Manche In-
fectionskrankheiten, z. B. Rinderpest, Schafpocken und In- fluenza bewirken eine Immunität des Thieres, d. h. Thiere,
welche einmal eine von diesen Krankheiten überstanden
haben, erkranken nicht wieder an derselben Krankheit, auch wenn sie der Gefahr der Ansteckung ausgesetzt werden. Ebenso sind einzelne Thiere vollständig immun
gegen einzelne Infectionskrankheiten, andere erlangen die Immunität durch Vererbung; so sind Lämmer, die von pockenkranken Schafen geboren werden, immun gegen die Pockenkrankheit.
Durch absichtliches Uebertragen des Ansteckungsstoffes kann man Thiere ebenfalls immun machen, dieses geschicht
durch die Impfung.
Italien. Vom 8. November bis 5. December: Milz-
brand 113, Rot?z 21, Schafpocken 145, Maul- und Klauen-
seuche 9, Lungenseuche 15, Rothlauf 15, Schafräude
130 Fälle und Tollwuth 1 Fall.
Frankreich. Monat November: Lungenseuche in 19, Klauensenche in 7, Schafpocken in 3, Schafräude in 3, Milzbrand in 14, Rauschbrand in 17 und Rotz in 30 Pepar- tements; Tollwuth in 79 Gemeinden von 34 Departements sind 112 Hunde, 3 Katzen, 2 Pferde, 11 Rinder und 1 Schwein wegen Tollwuth getödtet worden, 15 ältere Personen und 7 Kinder sind gebissen und 1 Mann ist im Departement de la Loire an der Tollwuth gestorben.
Russland. Vom 1. September bis 1. Oktober v. J. sind in 23, Deutschland zunächst gelegenen Gouvernements
Die ersten Versuche, durch Einimpfung des An- steckungsstoffes Thiere vor dem Erkranken zu schützen oder die Krankheit milder verlaufen zu lassen, sind bei den Schafpocken gemacht, indem man, wie bekannt, die Lymphe mittels einer Nadel an einer wenig behaarten oder haarſosen Stelle unter die Haut des Thieres brachte.
Durch das Seuchengesetz ist bei der Pockenkrankheit der Schafe die Nothimpfung geboten, die Schutzimpfung dagegen verboten, weil der Ansteckungsstoff durch das all-
ſährliche Impfen conservirt wird. Auch eine Abschwäch-
und Gebieten an Rinderpest 107 618 Rinder neu erkrankt
und davon 68867 gefallen. In Grossbritannien sind im 3. Quartal 1886 145 neue
Ausbrüche von Lungenseuche mit 647 erkrankten Rindern
angemeldet. An dem sog. Schweinefieber waren in 13 Wochen 10 280 Thiere erkrankt und 2170 gestorben.
Mittheilungen aus thierärztlichen Versammlungen.
— XII. ordentliche General-Versammlung des thierärztlichen Vereins im Herzogthum Braunschweig am 20. Juni 1886 nebst ausserordentlicher Versammlung am 15. August 1886 in Harzburg. Anwesend die Herren Schrader-Helmstedt, Lies-Braunschweig, Saake-Wol- fenbüttel, Prolldenier-Blankenburg, Uhde-Ganders- heim, Hoffmeister-Semmenstedt, Herweg II-Braun- schweig, Nahde-Braunschweig, Enders-Braunschweig, Koch-Barum, Nabel-Jerxheim, Ohlms-Calvörde, Freund- Pabstorf, Dormann-Helmstedt. Als Gäste: die Herren
Med.-Rath Dammann-Hannover, Verfürth-Braunschweig,
Jostes-Hasselfelde und Behme-Stadtoldendorf.
Nach Pröffnung der Versammlung macht der Vor- sitzende(Kreisthierarzt Schrader-Helmstedt) zunächst Mittheilung von einem Schreiben des Herzoglichen Ober- Sanitäts-Collegiums betreffend Entwurf einer neuen Taxe für thierärztliche Pienstleistungen. Nach dem Inhalte des Schreibens sind Verhandlungen über eine neue Taxe im Gange. Herr Nahde-Braunschweig bemerkt dann pei
ung des Contagiums wird durch wiederholtes Impfen nicht erzielt.
Bei der Rinderpest hat man in Russland Versuche mit ungeschwächtem Impfstoff gemacht, aber der Verlust an in Folge der Impfung eingegangenem Vieh ist zu be- deutend gewesen als dass man einen practischen Nutzen daraus zichen könnte.
Die Impfung bei der Maul- und Klauenseuche, indem man Speichel von erkrankten Thieren nimmt und denselben auf die Maulschleimhaut anderer Thiere überträgt, um die
PErkrankung von Euter und Klauen fernzuhalten, hat auch wenig Werth, da die Thiere doch an den Klauen erkranken,
und ausserdem wird kKein dauernder Schutz gegen Wieder-
erkrankung erzielt.
Die Schutzimpfung der Lungenseuche hat bis jetzt noch zu keinem Erfolge geführt, der als abschliessend be- zeichnet werden kann. Man impft entweder an dem unteren Ende des Schwanzes oder am Triel. Sehr häufig tritt bei der Impfung am Schwanze durch schlechte Lymphe eine Wundinfection ein, so dass ein Stück des Schwanzes necro- tisch abfällt und zuweilen das Thier sogar eingeht; bei der Trielimpfung sind die Verluste noch grösser.
Die Vorbauungsimpfung der Lungenseuche hat viel- fach guten Erfolg gehabt, es sind aber auch mehrere Fälle von Erkrankungen der geimpften Thiere vorgekommen. Die Ansichten über den Erfolg der Präcautionsimpfungen sind noch sehr getheilt, doch ist wohl diejenige Meinung die richtigere, welche der Schutzimpfung einen Werth zuspricht.
Bei dem Rauschbrand sind mit der den Geschwülsten entnommenen Flüssigkeit Impfungen in das subeutane Ge- webe, intravenös und in die Trachea gemacht. Die besten Erfolge sind bei den intravenös ausgeführten Versuchen zu verzeichnen, es tritt in der Regel nur ein leichtes Fieber
ein, das 2—3 Tage anhält, wenn nicht zuviel Lymphe
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