84 Phiermedicinische Rundschau ete.

verzeichnen.Obgleich beide Formen der Krank- heit, heisst es in dem Bericht,sowohl die mit Geschwulstbildung, Vereiterung und mit Zer- störung der Knochen auftretende, als auch die mit Zerstörung der feinen Muskelfibrillen einher- gehende, auf gleicher Ursache Einwanderung von pathogenen Pilzen beruhen, obgleich es feststeht, dass die Actinomyces unter verschie- denen Formen auftreten, welchen nach der Ver- muthung des Herrn Professor Marchand in Marburg verschiedene Entwicklungsphasen ent- sprechen, und obgleich ferner pei den fortge- setzten Untersuchungen beider Piarten wieder- holt Exemplare gefunden worden sind, welche in ihrer Form genau übereinstimmen, so müssen diese Pilze und die durch sie hervorgerufenen Erkrankungen bis auf Weiteres doch noch von einander unterschieden bleiben. Als Bezeichnung ist Actinomyces musculorum suis gewählt worden.

Die anfänglich zu Gunsten der Freigabe solchen Fleisches bemerkte Agitation der Ge- werbtreibenden schwand, als die auch jedem Laien auffällige verdorbene Beschaffenheit des Fleisches mehr und mehr zur Kenntniss der- selben gelangte.

Das Untersuchungs- und Hilfspersonal pesteht zur Zeit aus 1 Ober-Thierarzt, 12 städ- tischen Thierärzten, 3 Hilfs-Thierärzten. 1 Ober- revisor(Thierarzt) für die mikroskopische Fleisch- schau, 4 Abtheilungsvorstehern, 107 Fleischbe- schauern aus einer grösseren Anzahl nach Bedarf hinzugezogenen Hilfsbeschauern, 34 Probenehmern und 11 Fleichstemplern.

Seitens der Königl. Thierarzneischule in Berlin wurde das pathologisch-anatomische Material wie früher für Studiumzwecke benutzt.

Die zum Studium der Fleischschau angelegte Sammlung von makroskopischen und mikrosko- pischen Präparaten, sowie die Hilfsmittel sind erheblich vermehrt worden.

Der zur Gewährung der ersten Hilfe in Noth- fällen angekaufte Esmarch'sche Verbandkasten ist in 153 verschiedenen Fällen zur Anlegung des ersten Nothverbandes benutzt worden.

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Typhus-Epidemieen und Genossenschafts- Meiereien. Unter dieser Ueberschrift berichtet die dänischeWochenschrift für Aerzte vom 16. October, wie wir der Milchztg. entnehmen, über eine schwere Typhus- Epidemie, welche während der Monate Juni, Juli, August und September in drei Kirchspielen Ore, Haarslev und Skowby auf Fünen herrschte. 109 Personen(62 männ- liche und 47 weibliche) wurden von der Krankheit befallen, von diesen waren 33 unter 15 Jahr, 57 zwischen 15 und 46, sowie 19 über 46 Jahr alt. Die Krankheit pegann in 62 Häusern bezw. Höfen, welche über die drei Kirchspiele verpreitet waren. Die Sterblichkeit war eine sehr starke, nämlich 15,6 Proc. Die Krankheit, deren erster Fall am 31. Mai constatirt wurde, fand eine sehr rasche Verbreitung,

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indem sich am 13. Juni in den verschiedenen Pörfern der drei Kirchspiele 35 Kranke vorfanden. Es lag nahe, auf einen gemeinsamen Ausgangsherd der Krankheit zu fahnden und als solcher wurde alsbald die Genossenschafts-Meierei erkannt, welche den Hofbesitzern in den drei Kirchspielen gehörte. Die sämmtlichen 35 Kranken standen in Be- ziehung mit der Meierei; sie wohnten auf Höfen, die Voll- milch lieferten und Magermilch zurücknehmen. Die beiden zuerst Erkrankten waren Milchfuhrleute, welche gewohnt waren, bei Aplieferung der Milch in der Meierei zu früh- stücken und Milch zu trinken; ein anderer Fahrer, der Milch verschmähte, blieb frei.

Bei der Untersuchung ergab sich, dass die Meierei allerdings günstige Bedingungen für einen Krankheitsherd pot. Bei dem Bau 1885 war viel frischer Boden aufge- füllt, auch eine Aufschüttung gemacht, welche den Abfluss des Schmutzwassers erschwerte, während andererseits die Vertheilung und Verbreitung desselben im Boden erleichtert wurde. In den Meiereilocalitäten war ein sehr saurer und schlechter Geruch bemerkbar. Während des Baues der Meierei starben der Maurermeister und dessen Sohn am Typhus, so dass es möglich ist, dass der Ansteckungsstoff schon vor dem Bau der Meierei vorhanden war. Schon früher hat man in Dänemark Nervenfieber-Epidemien pe- obachtet, welche von Meiereien ausgingen; es wurde des- halb 1884 eine Untersuchung angeordnet, welche ergab, dass manche Verstösse gegen die Forderungen der Hygiene gemacht waren.

Der Verfasser des Aufsatzes in der dänischen Zeit- schrift macht auf die Nothwendigkeit gesetzlicher Be- stimmungen über die Aufsichtsführung beim Bau und Be- trieb von Genossenschafts-Meiereien aufmerksam, wenn dieselben nicht zum Unglück für die Landbevölkerung in Dänemark werden sollten.

Wegen Gefahr der Verbreitung ansteckender Krankheiten durch Milch(als Trägerin von Ansteckungs- stoffen) hat der Gesundheitsrath in Paris die Schliessung der innerhalb dieser Stadt noch bestehenden Milchvieh- ställe verfügt, in denen Kühe behufs Milchverkaufs gehalten werden. Die Behörde sprach sich dahin aus, dass durch die Verhältnisse, unter denen diese Thiere in den Ställen gehalten werden, die Entwicklung der Tuberkulose befördert werde und dass der Genuss solcher Milch den Konsumenten Nachtheil bringen kann.

In Groningen(Niederlande) sind nach Mittheilungen dortiger Blätter Fälle von Krankheiten vorgekommen, deren Ursache bei näherer Untersuchung auf den Genuss von Milch geschrieben wurde, welche mit sehr unreinem Wasser vermischt war. In den Graben, aus welchem dieses Wasser geschöpft worden, waren die Ausleerungen eines Typhus- kKranken geschüttet worden und von solchem Wasser wurde in der betreffenden Molkerei Gebrauch gemacht.

Mittheilungen aus thierärztlichen Versammlungen.

Verhandluugen des Vereins sehlesischer Thier- ärzte(Schluss aus No. 6).

§ 50 des Reichs-Seuchengesetzes verbietet den Be- sitzern die Zulassung eines erkrankten Stückes Vieh zur Begattung so lange, als nicht durch den beamteten Thier- arzt die vollständige Heilung und Unverdächtigkeit des PThieres festgestellt ist.

Diese Anordnung sei nach der Ueberzeugung des Vor- tragenden nicht durchführbar ohne die schwerste Schädig- ung für die Milchwirthschaft, für die Stierhalter und auch für die Viehzüchter, besonders in solchen Gemeinden oder Verbänden, die gemeinschaftliche Stiere halten. Die Krank- heit könne sich, wie bereits angegeben, in die Länge ziehen. In Folge dessen müssten unter Umständen die Kühe des