15. December.
Thiermedicinische Rundschan ete.
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letztere anlangt, in meinen Anschauungen durch- aus mit Herrn Collegen Senator¹), der in dem von ihm verfassten Abschnitte„Rheumatismus“ des v. Ziemssen'schen Handbuches der Phatologie Seine Gründe für die Nichtzugehörigkeit der rheumatoiden Purpura eingehender entwickelt hat.
Von sonstigen Affectionen kommen namentlich noch solche im Bereiche des Nervensystems in Betracht: Der sogenannte„rheumatische“ Petanus ist zwar muthmasslich infectiösen Ursprungs aber muthmasslich eine andere Infectionskrankheit, als der Rheumatismus. Zweifelhaft erscheint mir noch sehr die Stellung der Landry'schen Para- lyse, welche man ja auch mit Rheumatismus bat identificiren wollen ²), und der klinisch ihr nahe- stehenden seltenen Poliomyelitis acuta ante- rior ascendens adultorum.— Ich habe, was letztere Affection anbetrifft, in einem vor nahezu 2 Jahren peobachteten Falle, über den ich, seines Ssonstigen Interesses wegen, im Frühgjahr 1885 zu Baden-Baden in der Neurologenversammlung referirt habe, mich von dem Mangel jeder speci- ischen Wirkung des Salicylnatrons und Antipyrins gegenüber dem Fieber und den Fortschritten der motorischen Lähmung Wochen hindurch überzeugt und glaube darum pis auf Weiteres nicht an die
6 2) Friedländer l. c. P. 436.
rheumatische Natur dieser letztgenannten Krank- heit.— In Bezug auf die sporadische acute Polyneuritis fehlt es mir an eigenen Erfahrungen; die exotische und epidemische Form der Neuritis multiplex: Beriberi oder Kak-ke ist sicher eine Infectionskrankheit, hat aber ebenso sicher mit Rheumatismus nichts zu thun. Endlich noch ein Wort über die Erkältung als Ursache rheumatoider Erkrankungen. Ich glaube auf Ihre Zustimmung rechnen zu dürfen, wenn ich behaupte, dass, abgeschen von anderen Upeln, auch allerlei schmerzhafte Affectionen des Bewegungsapparates, ferner manche Neuralgien, endlich Lähmungen motorischer Nerven, namentlich solche des Facialis— durch plötzliche Abkühlung des betreffenden Körpertheils, vor Allem bei schwitzender und erhitzter Körperoberfläche wirklich entsteben können. Aber ich glaube, man sollte nur dann von Erkältung reden, wenn wirklich ein solches Ereigniss in der Anamnese des Falles mit gröblicher Evidenz nachgewiesen werden kann, nicht aber in jedem beliebigen Falle, dessen Atiologie unklar ist. Zweitens, glaube ich, sollte man derartige notorische Erkältungskrankheiten nicht mehr„rheumatische“, sondern, wie dieses schon Erb¹) für die betreffenden Fälle von Facialis-
¹) Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie, herausgegeben von v. Ziemssen Bd XII, 1, S. 462(2. Auf- lage, Leipzig 1876).
Ferner werden grössere und kleinere lite- rarische Arbeiten, besonders auf dem Gebiete rein militärthierärztlicher Erfahrungen, recht hiffreich pei den genannten Bestrebungen sein. Gerade hierdurch wird die Anerkennung allmählich und sicher erzielt werden können. Ausserdem werden auch die technischen Consulenten recht wesent- lich mitwirken können, manches Vorurtheil zu beseitigen und die pessere Erkenntniss an deren Stelle zu setzen.
Die wesentlichste Hilfe wird natürlich stets von Staats wegen zu erfolgen haben. Man beseitige die erheplichen mit jahrelangem Feit-
verlust verbundenen Anforderungen an die Fertig-
keit in Ausführung des Hufbeschlages. Durch Erweiterung des Wirkungskreises eines Militür- Thierarztes und gleichzeitige Beseitigung der ent- stehenden überzähligen Stellen, wo es der Dienst gestattet, würde ohne Mehrbelastung des Etats der Gehalt der unteren Stellen erhöht werden können. Mit Leichtigkeit würden die besser ge- stellten Rossärzte und Unterrossärzte, sagt man in den interessirten Kreisen, dann 2 Escadrons, 3 reitende Batterien u. s. w. versehen können. Durch allmähliche Steigerung des Gehaltes auch innerhalb der Höheren Militär-Thierärzte je nach Dienstalter und Tüchtigkeit, würde ein wohlthätiger Wetteifer im Interesse des Militür-Veterinärwesens
eintreten. Manche tüchtigen Militär-Thierärzte, die jetzt sehr bald eine Anstellung in anderen Verwaltungen erstreben, gingen der Armee nicht verloren und würden dann ihre reichen Er- fahrungen in der Gesundheitspflege und Behand- lung der Dienstpferde zum Segen des Militär- Veterinärwesens dauernd verwerthen. In diesem Sinne fasste auch der letzte deutsche Veterinär- rath in Leipzig einstimmig folgende Resolution:
„Der deutsche Veterinärrath erklärt: Pass im
Interesse des deutschen Heeres und der Veterinär- Verwaltung in den Bundesstaaten die zeitgemässe Reform des Militär-Veterinärwesens, dringend wünschenswerth und dass hierbei insbesondere
a. die Erhöhung des Ranges und des Ein- kommens der Militär-Veterinäre unter Verminde- rung der gegenwärligen etatsmässigen Stellen;
p. die Aenderung der Bedingungen für die Aufnahme der Aspiranten des Militär-Veterinär- wesens zum Studium der Veterinär-Medicin, peziehungsweise die Regelung der Aufnahme- Bedingungen nach Analogie der für die Militär- Aerzte bestehenden Vorschriften;
c. die Aufhebung der Bestimmungen über die militärische Prüfung im Hufbeschlag für die approbirten Thierärzte, welche ihre Dienstpflicht als einjährig oder dreijährig, freiwillige, Militär- Veterinäre zu absolviren beabsichtigen:


