15. December.
Thiermedieinische Rundschau etc.
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Anschliessend an die neuralgische Form des larvirten Gelenkrheumatismus möchte ich noch gan? kurz eine zweite, nämlich die spastische erwähnen. Als Beleg führe ich Ihnen folgenden, kürzlich mir vorgekommenen Fall an, der im Verbreitungsgebiete des Accessorius Willisii verlief.
Ein mir bekannter ärztlicher College, in der Nähe von Basel wohnhaft, erkrankte zu Anfang dieses Sommers acut unter lebhaftem Fieber (Temperatur über 39 Grad C.). Zu diesem ge- sellte sich alsbald eine schmerzhafte Nacken- steifigkeit, herrührend von einer Contractur der Sternocleidomastoidei und des Cucullaris, hinzu. Andere Symptome fehlten. Der College, er- schreckt über die Nackensteifigkeit, pefürchtete bei sich eine Ceresbrospinalmeningitis, obwohl weit und breit um Basel kein Fall dieser Krank- heit ruchbar geworden war, und berief mich zu sich zur Consultation. Da nun zwar nicht Cere- brospinalmeningitis, wohl aber acuter Gelenk- rheumatismus um jene Zeit in Basel und Um- gebung epidemisch herrschte, und da pekanntlich auch in regulären Fällen dieser Krankheit schmerz- hafte Contracturen gerade in den genannten Muskeln nicht allzu selten vorkommen ¹) so dachte ich, trotz fehlender Gelenkaffection, an
¹) Priedländer. Verhandlungen des Gongresses für innere Mediein. IV. Congress. Wiesbaden
acuten Rheumatismus und bewog deshalb den Collegen, schnell einige Dosen Antipyrin(4,0 in 24 Stunden) zu nehmen. Schon ain nächsten Tage verschwanden Fieber und Nackensteifigkeit völlig, und der Kranke trat alspald in die Récon- valescenz ein.
Ich glaube nun, dass man in solchen und ähnlichen Fällen auch künftighin einen speci- üischen Rheumatismus diagnosticiren Sollte, so wie ich es in diesem Falle gethan. Soll ich, che ich den Gegenstand verlasse, noch kurz zu“ sammenfassend aussprechen, welche Kriterien, meiner Meinung nach, etwa dazu dienen können, die Piagnose zweifelhafter und verkappter Fälle von specifischem Rheumatismus zu erleichtern und zu ermöglichen, so würen es namentlich folgende:
1. Der Umstand, dass der specifische Rheu- matismus bekanntlich mit Vorliebe ein und das- selbe Individuum wiederholentlich während des Lebens befällt.— Hat also Jemand ein Mal oder mehrere Male unzweifelhaft-specifischen Rheumatismus, vulgo„acuten Gelenkrheumatismus“ gehabt, so werden wir natürlich weit eher pe- rechtigt sein, auch etwaige spätere Endocarditiden, Pericarditiden, Neuralgien etc., als echt-rheuma- tische bei ihm anzusehen und als solche zu behandeln.
Cursus, einberufen. Ferner erhalten strebsame günstiger stehen, als die Thierärzte, so werden
Studirende besondere Auszeichnungen: strebsame Militär-Thierärzte werden in einzelnen Fällen Sogar beurlaubt. um an wissenschaftlichen Instituten praktisch wichtige Untersuchungen ausführen zu können.
In der genannten Weise vorgebildet, hapben die Militär-Phierärzte, sowohl durch ihnen op- liegende Vorträge, wie auch durch den dienst- lichen Verkehr ausserordentlich viele und günstige Gelegenheit, für die Anbahnung einer Hebung ihrer Stellung und Beseitigung früherer Vorurtheile u. d. gl. etwas zu thun. In der That mehrt sich denn die Zahl derjenigen Militär Thierärzte immer mehr, die trot?z der immer noch wenig angenehmen äusseren Verhältnisse, zu sehr günstiger socialer Stellung bei den einzelnen Regimentern vordringen.
Wenn wir jedoch durch die neue Militär- Veterinärordnung erſahren, dass gegenüber der grossen Fürsorge, welche die Militärverwaltung auf eine gediegene Vor- und Fortbildung ver- wendet, gegenüber der guten Gelegenheit, die den Militär-Thierärzten gepoten ist, ihr Wissen und Können im Interesse ihrer Stellung zu ver- werthen, im Allgemeinen kein Fortschritt in der Rangstellung den Gehalts- und sonstigen Dienstverhältnissen zu verzeichnen ist, wenn z. B. die Zahlmeister in dieser Beziehung nach wie vor
die Gründe dieser gewissermassen sich entgegen- stehenden Thatsachen nicht einfacher Art sein können. Von seiten der eigenen, älteren Fach- genossen beim Militär hört man oft üper jüngere Collegen den Tadel aussprechen, dass sie durch ihre umfassenderen Kenntnisse eine günstigere Position gegenüber den älteren im Range höher stehenden zu erreichen sich bemühen und dadurch oft der Gesammtstellung schaden. Auch in dem oben erwähnten Buche ist seitens des Verfassers, eines höheren Offiziers, diesem Umstande unzwei- deutiger Ausdruck gegeben worden. Von anderer Seite wird hervorgehoben, dass die mit einer durch- greifenden Reform nothwendig verbundenen erhöh- ten Ausgaben der Erfüllnug gérechtfertigt erschei- nender Wünsche entgegenstehen. Bei der letzten Versammlung des Deutschen Veterinärrathes, wo auch die Reform des Militär-Veterinärwesens Gegenstand eingehender Berathungen war, be- tonte der Präsident. Ober-Regierungsrath Dr. LVdtin in Karlsruhe, beim Rückblick auf die Berathungen und besonders auf die den oben ge- nannten Gegenstand betreffende,„dass der grösste Feind der Emancipation unseres Faches das Vor- urtheil gegen unseren Stand sei, welches nicht leicht besiegt werden könne, da es historisch erwachsen sei. Gegenüber der Thatsache, dass


