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Thiermedieinsche Rundschau etc.
1886/87. No. 6.
Bei diesen letzteren prävaliren im Krankheits- bilde Symptome, die zwar dem vulgären Gelenk- rheumatismus nicht absolut fremd sind, aber doch relativ seltener bei ihm vorkommen, während die gewöhnlichen Erscheinungen(namentlich auch wieder die Gelenksymptome) fehlen oder doch im Hintergrunde stehen. Ich will mich über diese larvirten Formen heute nur ganz kurz fassen, da ich bereits bei früherer Gelegenheit einmal in Wiesbaden, wie erwähnt, diesen Gegenstand be- behandelt und die häufigste dieser Formen, die neuralgische näher beschrieben habe. Den Namen„larvirten Gelenkrheumatismus“ habe ich damals für diese Erkrankungen gewählt, um an eine bekannte, ganz analoge Erscheinung und Bezeichnung auf dem Gebiete der Malariainfection direct anknüpfen zu können. So wie nimlich unter dem Einflusse dieser letzteren bekanntlich gar nicht selten sogenannte„larvirte Wechsel- fieber“ in Form von Neuralgien an Stelle der gewöhnlichen Fieberparoxysmen enstehen, so giebt es auch rheumatische Neuralgien Gensu strictiori), die klinische Aequivalente eines acuten 6Gelenkrheumatismus sind. Diese specifisch-rheumatischen Neuralgien kommen vorwiegend oft in den Bahnen des Trigeminus, aber auch in anderen Nerven, z. B. im Ischiadicus vor; sie können mit Fieber, aber auch fieberlos verlaufen. Ihre Zugehörigkeit zum speeifischen
Rheumatismus verrathen sie in mehrfacher Weise, denn bald treffen wir sie bei Personen an, die bereits früher an acutem Rheumatismus litten, bald schen wir sie unter der Herrschaft des be- treffenden Genius epidemicus entstehen. Manches Mal verlaufen sie mit Endocarditis, andere Male tritt nachträglich noch Gelenkaffection hinzu und wird damit die Larve abgeworfen; in allen Fällen endlich weichen sie und dieser Punkt ist der wichtigste, auf das Prompteste einer specifischen antirheumatischen Therapie. Ich habe in letzterer Beziehung bereits vor 1 ½ Jahren zu Wiesbaden, meines Wissens als der Erste, darauf hingewiesen, dass ausser dem Salicylnatron auch das Antipyrin ein Specificum gegen Gelenkrheumatismus, ge- wöhnlichem wie larvirten, sei). und möchte die vorzügliche Heilkraft des Antipyrins gegenüber allen echt-rheumatischen Affectionen heute neuer- dings betonen, nachdem inzwischen mein eigenes Beobachtungsmaterial²) sich noch ansehnlich ver- grössert hat, und auch von anderer Seite her mein damaliger Ausspruch bestätigt worden ist. ³)
²) Vergl. Eich. Ueber die antirheumatische Wikrung des Antipyrins. Dissert. inaugur. Basel 1886.
3) Vergl. namentlich H. Neumann, Berlin. klin. Wochenschrift 1885 No. 35,— ferner Lenhartz, Charité- Annalen 1885, S. 248 ff.
Die neue Militär-Veterinärordnung. (Schluss aus No. 4.)
Um am Schlusse unserer Betrachtung über die neue Militär-Veterinärordnung zu prüfen, welche Umstände auf eine günstigere Gestaltung hinderlich gewirkt haben und in welcher Weise sowohl den Wünschen der betheiligten Kreise, wie auch den Interessen des Militär-Veterinärwesens gedient werden könnte, wird zur Vermeidung einseitigen Urtheils erforderlich sein, einmal be- stimmte Thatsachen vorweg zu schicken.
Wie auf allen Gebieten der Militärverwaltung, so auch auf dem des Militär-Vetarinärwesens, wird für die Ausbildung der Jünger in den einzelnen Zweigen die allergrösste Sorgfalt verwendet. Neben dem Studien auf der Thierarzneischule wird privatim durch Repetitionscurse, selbst durch erginzende Vorlesungen, welche die Inspicienten abhalten, auf ein möglichst gediegenes Wissen hingewirkt. In einem für Offiziere bestimmten Buche sagt ein höherer Offizier in voller An- erkennung dessen:„meistens vorzüglich theoretisch ausgebildet kommen die Jünger Aeskulaps von der Rossarztschule“. Hat dann der angestellte Militärthierarzt weiteres Streben, so wird ihm nach Ablauf der zur Meldung erforderlichen Zeit
sich für das Examen zur Anstellung als beamteter Thierarzt im preussischen Staate vorzubereiten, bezw. um den letzten Theil dazu zu absolviren. Die Apleistung dieser Prüfung bevorzugt ihn zwar, aber befördert ihn noch nicht ohne Weiteres zum Oberrossarzt. Für Erwerb dieser ist noch Ab- solvirung eines besonderen Cursus nöthig, wobei die Candidaten neben den eigens für diesen Zweck eingerichteten Cursen und Vorlesungen an der Thierarzneischule auch noch solche an der Uni- versität hören,— sowie ferner das Bestehen einer weiteren Prüfung— des Oberrossarzt-Examens. Um den Inhaber der Stelle eines Corpsrossarztes den Anforderungen der Stellung entsprechend tüchtig zu wachen, wird gleichfalls seitens der Militärbehörde nichts versäumt. Aus den Kreisen tüchtiger Oberrossärzte werden alljährlich, je nach Vacanzen, einige Herren einberufen, um als In- spicienten der Studirenden noch einmal den ge- sammten Studiengang durchzumachen. Ausserdem ist den genannten, als Inspicienten fungirenden Oberrossärzten nicht allein gestattet, sondern es wird sogar gewünscht, behufs weiterer Ausbildung auf Kosten der Militär-Verwaltung Vorlesungen und Curse an der Universität zu beſegen. Neben- her werden auch noch die späteren Corps-Ross- ärzte bei aussergewöhnlichen Anlässen, wie jüngst
ein kürzerer oder längerer Urlaub pewilligt, um behufs Theilnahme an einem bacteriologischen


