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Rundschau ete. 1886/87 No. 4.
allgemeine Schutzmassregeln peim Auftreten an- zuwenden sind. An die Seucheninstruction schliesst sich dann eine solche für Sectionen von Dienstpferden und für den Hufbe- schlag an.
Pamit hätten wir in der Hauptsache die neue Militär-Veterinärordnung einer Purchsicht unter- zogen, die leider kein sehr rosiges Bild von dem
gegenwärtigen Stande des Militär-Veterinärwesens
in Preussen ergeben hat. Ehe wir jedoch diese Mittheilungen schliessen, dürfte es sich wohl empfehlen, einmal zu prüfen, welche Umstände auf eine günstigere Gestaltung hinderlich ge- wirkt haben und in welcher Weise sowohl den Wünschen der betheiligten Kreise wie auch den Interessen des Militärveterinärwesens gedient werden könnte.(Schluss folgt.)
Angesichts der Thatsache, dass sich, glücklicherweise nur vereinzelte Individuen auch im thierärztlichen Stande
gefunden haben, welche sich nicht scheuten unter dem
Schilde der Annonymität aus rein persönlichen Motiven Aussenstehende mittels der öffentlichen Presse zu ver- dächtigen, erscheint eine Bemerkung des Leipziger Tage- plattes No. 293 über derartige Personen sehr zutreffend. Pas genannte Blatt sagt:„in jedem Fall, ob niedere Rachsucht, verletzter Eigendünkel oder lediglich Freude am Bösen, wie sie Shakespeare in seinem Jago verkörpert hat, die Priebfeder,— ist der annonyme Briefschreiber ver- ächtlicher als ein Strassenräuber, der bei der Aus- übung seines Gewerbes doch noch Kopf- und Kragen riskirt, während jener feige Ehrenräuber seine giftigen Pfeile aus sicherem Versteck ent- sendet. Kein Gesetz der Welt wird dem verbrecherischen Preiben völlig steuern, das Uebel mit der Wurzel ausrotten können. Der häuslichen Erziehung fällt die Aufgabe zu, der Jugend die erforderliche Dosis von Hass und Ver- achtung gegen alles anonyme Geschreibsel fest ins Gemüth zu pflanzen. Man mache der Jugend deutlich, dass jeder dieser Ritter von der traurigen Gestalt, die unter dem Schilde der Anonymität mit geschlossenem Visir angreifen, schmähen oder verläumden, einem feigen ehrlosen Schurken gleich zu achten ist, für dessen elende Scripturen der Mensch von edler Denkungsart nur eine Verwendung kennt— ins Feuer damit.“
Kleine Mittheilungen.
Calomel bei Herzkrankheiten. Jendrassik, Stiller und Ferray haben eine starke diuretische Wirkung des Calomel in Fällen von cordialer Wassersucht beobachtet. Bei Darreichung von 0,2— 0,25 g 2— 4 mal täglich sah J. die Harn- menge am 2. bis 4. Tage des Calomelgebrauches plötzlich (beim Menschen) auf 2—5 1 und darüber steigen, was eine rasche Abnahme der Oedeme zur Folge hatte; ähnliche Angaben machen die beiden anderen Autoren. Die Wir- kung beruht auf erleichterter Resorption der cordialen Stauungstranssudate, nicht in einem Einfluss auf Herz oder Nieren Frequenz, Stärke und Rythmus des Pulses werden in der Regel nicht verändert. Das Mittel ist daher un- wirksam bei nephritischen Transsudaten, primären Stauungs- producten des Portalsystems, sowie bei entzündlichen Ex- sudaten. Unangenehme Nebenwirkungen sind DPiarrhoe und Stomatitis. Beim Auftreten der ersteren
beeinträchtigt
gleichzeitige Darreichung von Opium(U,015 pro Pos) die diuretische Wirkung nicht; gegen letztere ist 3 Proz. Chlorkalilösung anzuwenden, doch ist bei grösserer Heftig- keit der Stomatitis Calomel auszusetzen. Digitalis wird durch Calomel nicht ersetzt, da dieses kein Herzmittel ist; vielmehr ist es abwechselnd, oder in drohenden Fällen gleichzeitig mit jener zu geben. Erwähnt sei noch, dass Kürzlich auch Bäumler in der Piseussion über„Digitalis- therapie“ die in manchen Fällen überraschend günstige Wirkung der Combination von Digitalis mit Calomel hervor- hob. Auch A. Fränkel empfahl bei gleicher Gelegenheit die Anwendung des Calomel für gewisse Fälle von compen- satorischer Störung.(M. m. W.)
— Prichinose. In Waldenburg i. Sachsen sind 4 Personen an Trichinose erkrankt. Das betreffende Schwein war nicht untersucht. In Hermsdorf(Kreis Neuhaldens- leben) war bereits zum dritten Male in dem Stalle eines Zimmermannes Prichinose unter den Schweinen constatirt. Der Sohn des Besitzers erkrankte und starb.
— In Halle a. S. und Coblenz ist der Bau eines Schlacht- hauses beschlossen worden.
Tagesgeschichte.
— In Dresden fand im vorigen Monat zu Ehren des am 1. Juli d. J. als Vorsitzenden der Kgl. Kommission für das Veterinärwesen in den Ruhestand getretenen Herrn Geheim- rath Eppendorf, sowie des am 1. Oct. d. J. aus dem Lehrerverband der Dresdner Thierarzneischule ausge- schiedenen Herren Geh. Med.-Rath Prof. Dr. med. hon. caus. et Dr. phil. Leisering und des Hofrath Prof. Suss- dorf ein Festdiner auf dem Kgl. Belvedere statt, an dem ausser dem Vorsitzenden der Kgl. Kommission für das Veterinärwesen, Herrn Geh. Regierungsrath Schmiedel, den Mitgliedern derselben und des Professorenkollegiums der Thierarzneischule fast sämmtliche Bezirksthierärzte des Landes theilnahmen. Diesem Diner folgte am Abend ein von den Studirenden der Thiermedizin zu Dresden zu Ehren der obengenannten Herren in Braun's Hotel abgehaltener Festcommers den ausser den Mitgliedern der Kgl. Com- mission für das Veterinärwesen das gesammte Professoren- kollegium, fast sämmtliche Bezirks- und eine grosse An- zahl praktischer Thierärzte sowie mehrere distinguirte Gäste aus militärischen und medizinischen Kreisen mit ihrer Gegenwart bechrten. Einen herrlichen Anblick gewährte es, als die grosse Festversammlung, welche durch die in vollem Wichs erschienene Landsmannschaft Saxonia und freie Verbindung Veterinaria ein besonders studentisches Ge- präge erhielt, in dem durch Fahnen und Wappen schön ge- schmückten Saale Platz genommen hatte. Nachden der Commers eröffnet, der Toast auf den Landesherrn ver- klungen, feierte Stud. Schaller die Ehrengäste. Geh. Rath Leisering vereinte dann mit seinem Panke einen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des Dresdener Veterinär-Instituts, hob die Ziele desselben hervor, die sociale Stellung der Thierärzte, welche zu hohen Staats- und städtischen Beamtenstellungen gelangen können. Sein Toast galt dem Wohle der Studirenden. Hofrath Sussdorf bat dann, dass man ihn, der nun 68 Semester Vorträge gehalten, nach seinem Scheiden nicht vergessen möge und trank auf den Erfolg, den die Studirenden und die Lehr- anstalt haben möchten. Stud. Baum gedachte dann der an die Stelle der Scheidenden tretenden neuen Docenten Dr. Müller und Dr. Geisler. Prof. Geisler toastete, auf dass alle Studirenden Geheime Räthe werden möchten. So folgte dann noch mancher Toast, von denen der des Herrn Prosector Edelmann auf Freiherrn von Reitzenstein, Dr. med. Rupprecht auf das Fortbestehen des guten Ein- vernehmens der Aerzte und Thierärzte, des Herrn Bezirks-


