44 Thiermedicinische Rundschau ete.

1886/87. No. 4.

leicht aus der von mir begründeten Zeit schrift eine Art conservatives oder auch inspirirtes gegen eine bestimmte Person gerichtetes Blatt für die Thierürzte machen will!

Soweit Herr Lemke am 7. Oktober d. J.

irgendwelche Mittheilungen dieselbe unterstützt hat. In dem Augenblicke aber, wo der genannte,

sowohl in Fach- wie literarischen Kreisen, bisher so gut wie unbekannte Herr plötzlich aus der Stellung eines beamteten Thierarztes beim Berliner

Polizeipräsidium, in die eines Assistenten an der

Kaum 14 Tagen später sieht sich der Verleger esse himmelhoch für das, was ich ins Leben gerufen.

stark genöthigt, den Schleier zu lüften, seine

pewährten Schützlinge doch den Angriffen aus?u-

setzen und der Polizeithierarzt Herr Pr. Lemke-) Friedrichsberg bei Berlin entpuppt sich als

neugeborner Redakteur der von mir be- Stelle eines Redakteurs für Personalien und

gründeten Zeitsehrift.

Der Zufall wollte es. dals ich einige Tage nach Absendung des Briefes an Herrn Lemke (etwa am 20. October d. J.), Herrn Buch. der mir seit seiner Studienzeit und auch nach Ab- Schluss derselben im Jahre 1881 bis jetzt sowohl freundschaftlich wie auch durch andere Bezichungen nahe stand, prieflich um Auskunft über einige Personalnotizen bat und gleichzeitig ersuchte, gegenüber der Handlungsweise des bisherigen Verlegers und seiner Helfer nach Möglichkeit mich

zu unterstützen. Kaum traute ich meinen Augen,

als mir Herr Buch unter dem 27. d. Mts.in grösster Freundschaft u. A. Folgendes erklärte:

Ps hätten sich auf Ersuchen meines früheren Verlegers mehrere Collegen zur Uebernahme der Redaction einer von demselben begonnenen Fort- setzung meiner Zeitschrift bereit gefunden.Die- selbe ist aber dem Dr. Lemke übertragen worden.Er(Buch) hätte, da man es wünschte, dass die Zeitschrift weiter in bisheriger Weise erscheine, und da von den beiden Zeit- Schriften meine wohl doch nicht bestehen bleiben würde.²) für sich und seine nächsten Bekannten auch einen Theil der Redaction mit Beschlag pelegt indem er sich verpflichtet gefühlt hätte, Notizen über Vacanzen und Personalien zu liefern. Eine Frledigung meiner Frage unter- plieb natürlich.

Soweit Herr Buch. Zur weiteren Beurtheilung vorstehender Thatsachen bemerke ich noch, dass Herr Buch meine am 1. Oktober v. J. begründete Zeitschrift erst seit April d. J. zu halten sich entschlossen hat und niemals vorher oder nach- her, trotz seines Wohnsitzes in Berlin, durch

¹) Um vorgekommenen Verwechslungen ferner vorzu- peugen, sei hier bemerkt, dass Herr Dr. Lemke derselbe ist, welcher anfangs dieses Jahres etwa 80 Tage die Kreis. thierarztstelle des Kreises Halberstadt verwaltet hat und dann wieder in die von ihm reservierte Stelle als amtlicher

Berliner Thierarzneischule gelangt, steigt sein Inter-

Seine erste grössere literarische Thätigkeit tritt ein. Der BRepetitor für pathologische Ana- tomie an einer Thierarzneischule über- nimmt Seiner Verbindungen wegen ¹) die

Vacan?en und figurirt als solcher mit allen seinen Würden am Kopfe einer thierärzt- lichen Fachzeitschrift. Jedenfalls ein Unicum in der thierärztlichen und gesammten Fachliteratur aller Culturländer!

Joder, auch den Verhältnissen weniger Nahe- stehende, wird aus den eigenen Angaben der Herren Lemke und Buch ersehen, dass noch andere Per- sonen ausser den genannten, plötzlich ein gewal- tiges Interesse an jener angeblich vogelfrei ge- wordenen Fortsetzung der von mir begründeten Zeitschrift zunächst bekommen haben; Personen. die so lange ich in mühevoller Thätigkeit in dem bis-

berigen Verlage allwöchentlich die Arbeit zu

leisten hatte, weder durch Rath noch durch irgend welche That an dem Gedeihen in Rede stehender Zeitschrift auch nur den Schatten eines Interesses genommen haben dürften!

Inmitten der bekannt gegebenen Handlungs- weise des früheren Verlegérs, unter dem DPrucke nicht geringer Mühen um die eigene Existenz hape ich über den Zeitraum eines Jahres hinaus der Hebung und FEntwicklung meiner Zeitschrift im Interesse von Stand und Wissenschaft meine gesammte Arbeitskraft gewidmet. Als die Er- örterung von Standesfragen selbst eine leiden- schaftliche Höhe zu erreichen begann, war ich pemüht nach Möglichkeit die Objectivität zu wahren und Persönliches auszuschliessen. Hiervon kann sich noch jetzt Jedermann überzengen. Ich habe mich aber nicht gescheut, alle Folgen zu tragen, als ich unanständige und umwissenschaftliche Reclame schonungsios aufdeckte. Nimmermehr würde ich einem Einzelnen oder Mehreren das

Becht absprechen, eine thierärztliche Zeitschrift zu gründen und in ihrer Weise zu leiten, 8so weit

Fleischbeschauer in Friedrichsberg zurückgekehrt ist. Weiter hat der genannte Herr niemals eine Kreisthierarztstelle im

preussischen Staate verwaltet.

²) Piese Begründung Seiner Handlungsweise, verdient jedenfalls besondere Anerkennung.

dies ohne Aneignung fremder Verdienste und Rechte geschicht.²) Op nun aber achtbare und rechtliebende Charaktere sich so leicht zum ein-

¹) Welche Herr Buch nunmehr also mit allen Thierärzten Deutschlands plötzlich erhalten.

²) Den Lesern ist ja durch die Beilage der vorigen Nummer der Hergang und das Erkenntniss des Halber- städter Landgerichts bekannt gegeben.