42 Thiermedicinische Rundschau ete.

1886/87. No. 4.

ähnlich, jedoch ohne Papillen, Haare und Haar- balgdrüsen.

In der Litteratur haben, soviel ich nachzu- weisen vermochte, Verheyen und Bruckmüller ähnliche Befunde wahrgenommen.

IM. Der thierärztliche Stand und die Fachpresse. Von Dr. Georg Schneidemühl in Halle a. S.

Im gegenwärtigen Augenblick ist die Auf- merksamkeit nicht allein der thierärztichen Welt, sondern auch weiterer Kreise auf ein Schauspiel in der Fachpresse gerichtet, wie es wohl seit Bestehen einer wissenschaftlichen Thierheilkunde und in einer angesehenen Literatur noch nicht vorgekommen ist. Die neueste Wendung der Dinge hat nach wehrfacher Hinsicht, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, dem Verfasser dieser Zeilen die Pflicht auferlegt, an dieser Stelle den Kern der Vorgänge darzulegen, um sie als Mene Tekel auch späteren Generationen zu erhalten.

Seit mehreren Jahren mit dem Gedanken be- schäftigt, eine den Anforderungen der Zeit mög- lichst entsprechende Fachzeitschrift zu begründen, begann ich August v. J. nach Aufgabe meiner bisherigen Stellung und Uebersiedlung in die hiesige Universitätsstadt, den Plan zu verwirk- Rchen. Zufällig in meinem früheren Wohnsit?z mit einem Druckereibesitzer bekannt geworden, entschloss ich mich, trotz dessen Unkenntnis im

Verlage von periodisch erscheinenden Zeitschriften, demselben versuchsweise auf ein Jahr Druck und Vertrieb der zu begründenden Zeitschrift zu über- tragen. Von sträflicher Vertrauensseligkeit be- fangen, traf ich ein kaum den Namen eines Ver- trages verdienendes schriftliches Abkommen. Wie leicht einzusehen, war die Arbeitslast, eine derartig vielseitig gestaltete Zeitschrift zu bearbeiten und mit einem, der Verhältnisse unkundigen Verleger einzuführen, eine ungeheure. Kaum aber war ein Theil der Arbeit bewältigt und die Prfolge der Verwirklichung meiner Ideen zu schen. als der aus kleinen Verhältnissen plötzlich in weitere Kreise eingedrungene und mit den Einzelheiten der Redaktion vertraut gewordene Verleger mit allen Mitteln versuchte, sich zum unumschränkten Herrn der Erfolge meiner Thätigkeit zu machen. Im Vertrauen auf die Ehrenhaftigkeit eines Jeden meiner Fachgenossen, liess ich jenen vertrauens- brüchigen und undankbaren Menschen gewähren. Man durfte wohl von dem Anstande jedes Collegen erwarten, dass, wenn er in irgend einer Weise sich herbeilassen sollte aus Unkenntnis des Sach- verhalts, den Verlockungen jenes mustergültigen Verlegers Gehör zu geben, er zum Mindesten sich bei mir über die Glaubwürdigkeit der An- gaben informiren würde. Sehr bald aber sollte ich über meine Annahmen gründlich belehrt werden. Nicht allein, dass sich Personen inner- halb des Standes fanden, die sich nicht entblödeten undelicaterweise Beihülfe zu leisten, um den Inhalt der bis 1. October noch von mir zu redi-

in Wien am Dienstag vormittag eine grosse Zahl von Mitgliedern und PTheilnehmern mit ihren Damen im Circus Renz, um das von dem ge- nannten Gelehrten in Gemeinschaft mit den Herren Privatdocent Dr. Gaertner und Optiker Plössl erbaute electrische Mikroskop kennen zu lernen. Mittels dieses mikroskopischen Apparats gelingt es, mikroskopische Präparate in einer Ver- grösserung von 4000 linear auf eine grosse weisse Fläche zu projiciren und in grösster Klarheit zur Darstellung zu bringen. In dem vollständig in Dunkel gehüllten Raume des Cireus wurden mittels jenes Microskops, in das der Strom des electrischen Lichtes drang, eine ganze Reihe von Prä- paraten dergestalt vorgeführt, dass das aus mehreren hundert Personen bestehende Auditorium auf einmal das Präparat sehen konnte. Finen besonders grossartigen Eindruck machte es, als der Vortragende einen Knochenschliff auf dem mikroskopischen Bilde durch Drehen nach allen Seiten demonstrirte und lauter Beifall erfolgte, als zum Schluss der hochinteressanten Demon- stration die beiden mitanwesenden Geschäfts- führer Virchow und Hoffmann durch das

electrische Mikroskop in wohlgetroffenen Bildern gezeigt wurden.

Für Dienstag, den 21. September stand Besuch des Polytechnikums in Charlotten- burg und im Anschluss daran gesellige Ver- einigung im zoologischen Garten auf der Tagesordnung. Protz des plötzlich sehr herbst- lich gewordenen Wetters fand sich doch eine stattliche Zahl Personen ein, um unter Führung der Docenten und vieler Studirenden die vor- trefflichen Finrichtungen des grossartigen poly- technischen Instituts in Charlottenburg in Augen- schein zu nehmen. Auch die hierauf programm- mässig in Aussicht genommene gesellige Zu- sammenkunft im zoologischen Garten vereinte viele Tausende von Gästen in jenem stattlichen Etablissement. Nicht annähernd vermochten die Säle und anschliessenden Colonaden die grosse Menge der Besucher zu fassen. Ein Theil der Sectionen hatte sich rechtzeitig einige Tische reservirt, während die Mitglieder der meisten anderen, wozu auch die Section für Veterinär- medicin gehörte, sich im Garten zerstreute, um neben dem Concert die prächtige Illumination