1886/87 No. 4.

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Thiermedicinische Rundschau ete.

keit pezeichnen kann und ich habe die Ueber- zeugung, dass die meisten Congressmitglieder in diesem Punkte meiner Meinung sind. Quoivogne wendet sich besonders gegen den Ausspruch Pasteur's. dass der Hund, welcher am 4. Juli verschiedene Personen und unter diesen auch den jungen Meister(an welchem jener zuerst seine neue Methode versucht habe), gebissen hat, erwiesenermassen wuthkrank gewesen sei. Die bezügliche Mittheilung Pasteurs's, dass bei der Section des durch seinen Herrn getödteten Hundes Heu, Stroh und Holzstückchen in dessen Magen gefunden worden seien, lasse nicht mit Sicher- heit auf Wuthkrankheit schliessen. Die Anwesen- heit solcher Fremdkörper im Magen sei unter mancherlei Umständen constatirt worden, wie das ja den versammelten Thierärzten hinlänglich be-

(Ouivogne) diese Zeilen schreibe, hat man schon 18 Lodte verzeichnet, bei welchen die Kur voll- ständig durchgeführt worden war und die bereits in ihre Heimath zurückgekehrt waren.

Man kann billigerweise gewiss nicht ver- langen, dass die Pasteur sche Methode dem Ausbruche der Wuthkrankheit unfehlbar vorbeuge, pesonders dann nicht, wenn zur Zeit ihrer Appli- cation das vorher dem betr. Individuum durch den Biss einverleibte Wuthgift bereits seine Wirksam- keit zu entfalten beginnt. Aber man sollte doch glauben, sie müsste wenigstens den Erfolg haben, die tödtlichen Prozesse einzuschränken. Unglück- licherweise aber ist bei den Personen, welche mit der famosen Bouillon von Kaninchen-Rücken- mark behandelt worden sind, die Wuth ebenso heftig, auch ebenso furchtbar schmerzlich und

meist in ähnlicher Weise zu Stande kommen. 8o scheint doch in Frankreich die Zahl der betr. Fülle und damit auch die Fehlerquelle, womit die Statistik der Hundswuth im Allgemeinen be- haftet ist, grösser zu sein, als in Deutschland. Immerhin aper liegen die wirklichen Verhältnisse noch nicht so, dass wir schon jetzt perechtigt würen, über diese höchst mühsamen und verdienst- vollen Untersuchungen Pasteur's ein endgültig aplehnendes Urtheil fällen zu dürfen. Manche Critiker verrathen allerdings ein so geringes Mass

Menge von Menschen die von wuthkranken Hunden gebissen waren, geschen. Man muss wirklich glauben, dass unter der Zahl Leute sich befinden, die sich einbilden. gebissen worden zu sein oder solche, die eine Gelegenheit wahrnehmen, auf Kosten ihrer Mitbürger die Hauptstadt zu sehen. Die 1 Zahl der Personen, welche gegen Wuth geimpft zu werden verlangen, übersteigt alle Erwartungen, aber die Sterplichkeitstabellen müssen pezüglich der Wirksamkeit der Methode einen gewissen Zweifel aufkommen lassen. Im Momente, wo ich

kannt sei. L. 6. S. 447 äussert sich nunmehr ebenso fatal in ihrem Ausgange verlaufen, wie Ouivogne folgendermassen: Die Patienten über- pei nicht geimpften Personen.

1 fluthen das Institut Pasteur's. Niemals seit Ge- Soweit Quivogne. Obgleich die Hundswuth- denken der Statistiker hat man eine ähnliche diagnosen auch bei uns im gewöhnlichen Leben

Feuilleton. Allgemeines von der letzten Naturforscher- Versammlung in Berlin. (Fortset?ung aus No. 2.)

Nach einer kurzen Pause begann dann Herr Dr. Werner Siemens-Berlin seinen Vortrag über

endlichen Weisheit ruft wieder jenen Forschungs- drang hervor, jene hingebende reine, ihren let?ten Zweck in sich selbst findende Liebe zur Wissenschaft, die namentlich den deutschen Ge- lehrten stets zur hohen Zierde gereichte und die hoffentlich auch den künftigen Generationen er- halten bleibt! Und so, meine Herren, wollen wir uns nicht irre machen lassen in unserem Glauben,

im Wortlaut hier wiedergeben können, mit den Wortenje tiefer wir in das Harmonische, durch ewige unabänderliche Gesetze geregelte und und unserem vollen Verständniss dennoch so tief

das naturwissenschaftliche Zeitalter. dass unseré Forschungs- und Prfindungsthätigkeit Der Vortragende endete seine ichtvollen und die Menschheit höheren Kulturstufen zuführt, geistreichen Ausführungen, die wir leider nicht sie veredelt und idealen Bestrebungen zugäng-

licher macht, dass das hereinbrechende natur- wissenschaftliche Zeitalter ihre Lebensnoth, ihr Siechthum mindern, ihren Lebensgenuss erhöhen, sie pesser glücklicher und mit ihrem Geschick

verschleierte Walten der Naturkräfte eindringen,

desto mehr fühlen wir uns zu demüthiger Be- scheidenheit angeregt, desto kleiner erscheint uns der Umfang unserer Kenntnisse, desto lebhafter wird unser Streben, mehr aus diesem unerschöpf- lichen Born des Wissens und Könnens zu schöpfen, und desto höher steigt unsere Bewunderung dieser unendlichen Weisheit, welche die ganze Schöpfung durchdringt! Und die Bewunderung dieser un-

zufriedener machen wird! Und wenn wir auch nicht immer den Weg klar erkennen können, der zu diesen pesseren Zuständen führt, so wollen wir doch an unserer Ueberzeugung festhalten, dass das Licht der Wahrheit, die wir erforschen, nicht auf Irrwege führen und dass die Macht- fülle, die es der Menschheit zuführt, sie nicht erniedrigen kann sondern sie auf eine höhere Stufe des Daseins erheben muss.