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Nr. 21.

Gams.ag,

900

Samstag, den 28. Mai 1932.

lediglich auf die Arbeiterschaft zurüd. Der betreffende Russen auftrag ist der deutschen Wirtschaft entzogen und nach Eng­land vergeben worden. Und das zu einer Zeit, wo alle Kreise es dankbar begrüßen müssen, wenn die Industrie sich bemüht, durch Herbeischaffung von Arbeit der katastrophalen Arbeits­losigkeit zu begegnen. Die übereinstimmende Aussage der Ar­beiterschaft der Chamottewerke Thonberg:

,, Wir haben die Mehrarbeit gern geleistet!" ist eine deutliche Absage an das gewerkschaftlich- sozialistische System, das die Schaffenden hindern will, überhaupt noch Werte zu erzeugen.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

,, Gießener Zeitung"

| telt werden, und es ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzuneh- schaft holländischer Aerzte in Bad Nauheim, die die Bade- und men, daß sie, um eine weitere Aufklärung zu verhindern, den richtigen Namen des Diebes verheimlicht. Die Täterin wird sich demnächst wegen Hehlerei zu verantworten haben. Sie wurde dem Amtsgericht zugeführt. Personen, denen in der legten Zeit Fahrräder entwendet wurden, werden zweds Aner­fennung ihrer Fahrräder gebeten, ab Dienstag, den 31. Mai, bei der Kriminalabteilung des Polizeiamtes Gießen, Zimmer 66, vorzusprechen.

Wohl haben auch wir Menschen der Stadt Bäume und Blumen zwischen unsere Häuser gepflanzt. Ein einsam Leben führen sie unter den steinernen Riesenwänden. Aber man muß wissen, was sie uns geben fönnen stundenlang, tage­lang sind sie der Grund tausender Freuden, tausender froher Augen. Wenn unsere Bäume blühen und unsere Blumen sich zur Sonne streden, dann sieht sic anders aus, die schwarze große Stadt. Man sieht die Häuser auf einmal weniger grau und häßlich und über ihre zerfurchten Gesichter huscht sogar ein stolzes Lächeln ob des Wunders, das sich so nun zwischen ihnen begibt: Und die Menschen bleiben stehen vor den blühenden Bäumen und vergessen ihre großen und kleinen Sorgen, ihren Alltag und Aerger. Ein stilles Fest neuer Hoffnung feiern sie, ein neues Ostern ihres Lebensmutes. Ein blühender Baum in rauschender Groß- Stadt, ein heiliges Beschauen vor dem Wunder des Immer- wieder- Blühens, vor dem großen Geheim­nis der Natur. Und ein Gefühl großer Zusammengehörigkeit, Verbundenheit mit allem, was die Erde trägt, strömt aus über uns staunende Kinder der Welt. Leichter und gehobener geht man den Weg seiner Arbeit dann, von der stummen Sprache eines blühenden Baumes wundersam berauscht und beseligt.

* Motorraddiebstahl. Am 18. Mai wurde hier in der Ost­anlage ein Motorrad, Marke Hullerwerke", gestohlen, das am folgenden Tage in Homburg v. d. Höhe herrenlos aufgefunden wurde. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur.

Um wieviel geringer sind doch wir Menschen! Jedes Jahr wieder blühen diese Bäume. jedes Jahr geben sie uns dieses Wunder, immer mit ihrer Schönheit um Liebe werbend aber unser Leben ist noch immer Haß statt Liebe, Bedrük­fung statt Hingabe, Egoismus statt Opferung. Elf Monate mißachten wir alles und fahren auf Kähnen eitler Selbsttäu­schung durchs Leben nur wenn die Bäume blühen, liegt auf tausender Lippen der Seufzer: ,, Ach wie arm sind wir Men­schen!" Der Sonntagsschreiber.

* Der Verkehr auf dem Wochenmarkt. Das Polizeiamt teilt mit: Nach der Polizeiverordnung über die Regelung des Verkehrs auf dem Wochenmarktplatz in Gießen ist das Befah­ren des Wochenmarktplatzes während der Marktzeit mit Fahr­zeugen aller Art, einschließlich Kinder- und Handwagen, sowie das Reiten, Viehtreiben und Mitführen von Fahrrädern ver­boten. Wochenmarkt ist am Dienstag, Donnerstag und Sams­tag jeder Woche. Ist einer dieser Tage ein gesetzlicher Feier­tag, so gilt der vorhergehende Wochentag als Markttag. In der Zeit vom 1. April bis 30. September beginnt der Wochen­markt um 7 Uhr und endet um 13 Uhr. Es wurden wieder­holt Beobachtungen gemacht, daß trotz Aufstellen von Sperr­schildern Handwagen und Fahrräder vom Publikum auf den Wochenmarktplatz mitgeführt werden. Die Polizeibeamten sind angewiesen, auf die Einhaltung dieser Bestimmung zu achten.

* Der neue Polizeidirektor. Wie man hört, wurde Reg.­Rat Dr. Kayser vom Polizeiamt in Darmstadt mit Wirkung vom 1. Juni ab zum Vorstand des Polizeiamts Gießen mit der Amtsbezeichnung ,, Polizeidirektor" ernannt. Polizeidirektor Dr. Kayser war seit elf Jahren am Polizeiamt in Darmstadt tätig. * Ernannt wurden: Am 14. Mai vorbehaltlich des Dienst­alters: die Oberförster Friedr. Köbler zu Grünberg zum Forst­meister des Forstamts Dornberg, Karl König zu Kirtorf zum Forstmeister des Forstamts Kirtorf, Friedr. Zimmer zu Ulrich­stein zum Forstmeister des Forstamts Ulrichstein.

* Heeresrenten. Die Auszahlung der Militär- Versorgungs­gebührnisse( Heeresrenten) für den Monat Juni erfolgt am Samstag, dem 28. Mai in der Zeit von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr beim Hauptpoſtamt.

technischen Anlagen, das Balneologische Universitäts- Institut, und das William G. Kerchoff- Institut einer eingehenden Be sichtigung unterzogen und mediziniſch- wiſſenſchaftliche Vorträge hörten. Die Reiseteilnehmer waren von dem Besuch außer ordentlich befriedigt, und bewunderten besonders die einzig­artigen hervorragenden wissenschaftlichen Institute, die Bad­Nauheim besitzt. Im Laufe des Sommers wird Bad Nauheim der Tagungsort für eine Reihe wissenschaftlicher Verbände sein und außerdem von verschiedenen größeren Gesellschaften be sucht werden.

* Werbewoche des hessischen VDA. Der VDA., die größte Jugendorganisation Deutschlands, die in diesen Tagen ihre machtvolle Pfingsttagung im bedrohten deutschen Osten( in El­bing) abgehalten hat, veranstaltet in Hessen am 29. Mai einen allgemeinen Gammeltag. Die kulturelle Eigenart deutschen Volkstums zu erhalten, wo es auch immer sei auf der Welt, ist die grundlegende Aufgabe dieses wahren Volfsvereins. Neben dieses allgemeine Ziel der Arbeit tritt neuerdings die Für sorge für den schwer gefährdeten deutschen Osten.

* Vom Stadttheater. Morgen bleibt das Theater geschlos=

Lauterbach. Die Hauptversammlung nebst Jahresfest der evangelischen Kirchengesangvereine Hessens fand hier statt. Im Hauptgottesdienst predigte der Verbandsvorsitzende Pfarrer Mary- Darmstadt, 400 Sänger u. der Posaunenchor Stockhausen wirften mit.

sen. Am Montag gelangt zum letzten Male Goethes Faust" zur Aufführung. Und am Dienstag schließt die Winterspielzeit offiziell mit der Wiederholung des Schönherr'schen Heldenliedes ,, Volk in Not".

* Großer Fahrraddiebstahl. Vorgestern, am 26. Mai, wurde der Kriminalabteilung Gießen bekannt, daß eine 30jährige Stickerin von hier gebrauchte Fahrräder zu ganz niederen Prei­sen absetzen würde. Durch die Ermittelungen und Festnahme der Stickerin wurde das auch bestätigt und konnten bis jetzt 5 gestohlene Fahrräder, die durch Auswechslung der Räder, Schutzbleche und Lenkstangen vollkommen für den Eigentümer Die unfenntlich gemacht worden waren, sichergestellt werden. Festgenommene bestreitet die Diebstähle selbst begangen zu haben und gabt an, daß sie die Fahrräder von ihrem Verehrer, Walter Weber aus Düsseldorf zum Verkauf bekommen habe. Der angebliche Weber, dessen Wohnung und nähere Personalien die Täterin nicht wissen will, konnte bis heute noch nicht ermit­

Die Landsknechte

Sportroman von Emil Wöhner.

( Nachdruck verboten.)

( 4. Fortsetzung.) ,, Wie schön ist doch die weite Welt, wenn unsre Kraft im Sport gestählt!"

* Benefizvorstellung der Mitglieder des Stadttheaters.' Am Samstag, den 4. Juni gelangt zum Besten der Ferienkasse als Benefizvorstellung im Stadttheater der hessische Schwank ,, Der Datterich" von Niebergall zur Aufführung. Der Vorführung ist stärkster Besuch zu wünschen.

Beamtenschaft und Krise.

Unter diesem Motto wird die Gewerkschaft hessischer Ge meindebeamten am 4. und 5. Juni in Friedberg in Oberhessen ihren 12. Vertretertag abhalten. Der erste Tag ist der Behand lung geschäftlicher Angelegenheiten gewidmet. Außerdem soll zu der Anstellungsnot der Beamtenanwärter und den Rechts verhältnissen der kommunalen Angestellten Stellung genommen werden. Eine öffentliche Kundgebung ist am 5. Juni. Der Vertretertag wird sich hauptsächlich mit den sich aus den ver­schiedenen Notverordnungen für die Gemeindebeamten und-An­gestellten ergebenden Fragen beschäftigen.

* Militärkonzert am Sonntag, dem 29. Mai 1932 im Rund­funk. Aus Marburg übernimmt der Südwestfunk um 16 Uhr ein Großes Militär- Konzert der vereinigten Musikkorps des Inf.- Regts. Nr. 15 und des Spielmannszugs des Ausbildungs­Btls. Marburg. Das Programm enthält neben Militärmär­schen volkstümliche Musik. Zum Abschluß gelangt der Große Zapfenstreich" von Beethoven zur Aufführung.

Am anderen Morgen erwachte Theo durch heftiges Klopfen an der Kammertür.

Herr Hansen, sind Sie schon aufgestanden? Es ist höchste Zeit, die Uhr ist schon halb sieben."

Mit einem Satz war Theo aus dem Bett. Wie konnte er nur so verschlafen.! Ach so, die gestrige Feier steckte ihm noch in den Knochen. Reichlich spät war's ja geworden. Und so müde war er noch!

Aus Nah und Fern.

Lindenstruth. Einen schweren Unfall erlitt der Installateur

Otto Steih aus Gießen, der als Arbeiter des städtischen Elef­trizitätswerkes Gießen die hiesige Ortsleitung nachsah. Er

Auf einmal fiel's ihm ein, daß er ja gar nicht zur Arbeit brauchte. Heute fing doch sein Urlaub an, den er gestern befom­men hatte!

kam der Startstromleitung zu nahe, der Strom verbrannte ihm

Mit verlangenden Augen sah er nach dem Bett. Wieder hinein? Er öffnete das Fenster: Ein herrlicher Sommermor= gen! Viel zu schade, ihn zu verschlafen.

Rund um Schotten.

Die deutsche Motorradmeisterschaft am 5. Juni. Das größte sportliche Ereignis in Hessen ist in diesem Jahr der Kampf der Motorradfahrer im Vogelsberg um die deutsche Meisterschaft. Noch einige Tage trennen uns von dem Tag, an dem in den sonst so stillen Tälern des Vogelsberges die Motore dröhnen und donnern. Zum 8. Male findet dieses Jahr das Motorradrennen statt, zum 3. Male als Lauf um die deutsche Meisterschaft.

Arme und Beine so schwer, daß ihn Sanitäter in die Gießener Klinik verbringen mußten.

Nebenan in der Stube stellte Frau Bauer eben den Mor­genkaffee auf den Tisch.

Butzbach. Ein großer Flugsporttag ist hier für den 29. Mai feitens der Südwestdeutschen Sportfliegervereinigung Gießen ge­plant.

,, Ich brauche nicht zur Arbeit, Frau Bauer. Aber lassen Sie den Kaffee nur stehen, ich komme gleich."

,, Um Gotteswillen, Herr Hansen, Sie sind doch nicht arbeits­los geworden?"

,, Ja, vierzehn Tage," lachte Theo. ,, Das heißt, ich habe so­lange Urlaub bekommen."

Bad Nauheim. Vom 24. bis 26. Mai weilte eine Gesell­

Neue Bücher.

Die Wochenendfahrt ins Blaue bringt nicht nur den Ner­ven Ruhe und Entspannung, sie ist auch eine allwöchentliche Schönheitsbur. Wollen Sie wissen, warum, dann lesen Sie die neueste Nummer der ,, Eleganten Welt", die soeben erschienen ist. ,, Georgine ganz allein", der Roman einer selbständigen Frau, von Horst Wolfram Geißler, beginnt jetzt in der ,, Woche". Das neue Heft überall für 40 Pfg. erhältlich.

Sommerliche Speisen. Eine Reihe wenig bekannter schmad hafter Rezepte für den sommerlichen Küchenzettel bringt das neue Heft der ,, Gartenlaube".

,, Geben Sie mir nur etwas mit, Frau Bauer. Ich will jetzt einen Spaziergang machen und dann zum Schwimmen. Gegen Mittag bin ich wieder hier. Noch eins. Wir haben gestern etwas gefeiert. Hoffentlich hat Sie das Singen nicht gestört. Es war sicher nicht schön, aber doch schön laut. Na, ein Fußball­flub ist ja schließlich auch kein Gesangverein. Und wenn man vergnügt ist..."

,, Das ist ja etwas anderes," beruhigte sich Frau Bauer nebenan. ,, Da fönnen Sie wohl lachen."

Rasch entkleidete sich Theo und wusch seinen Körper mit faltem Wasser ab. Das tat gut und erfrischte. Alle Müdig­feit war verflogen.

,, Ihr Singen hat mich nicht gestört, Herr Hansen. Nein, wirklich nicht. Es hat mir sogar viel Freude gemacht."

Theo hatte noch nicht seinen Kaffee ausgetrunken, als er Frau Bauer draußen auf dem Flur laut reden hörte. Gleich darauf erklang auch Amis jämmerliches Geheul.

Wilhelm's 2. Weg in die Fremde. Der Tatsachenbericht von Oberstl. Alfred Niemann über die schwere Zeit vor 13

Jahren wird in der illustrierten Zeitschrift ,, Neue J. 3." fort­gesetzt. Die ,, N. J. 3." bietet für den geringen Preis sehr viel. Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen

, Aha, dachte Theo ,, nun folgt das Strafgericht. Na, einer muß ja schließlich der Sündenbock sein. Und Ami hat entschie­den das dickere Fell..

In der Stube standen noch die Reste der gestrigen Feier. Verstreut über das Klavier und auf den Stühlen lagen die No­ten. In der Ede standen leere Flaschen und auf dem Teppich lag Zigarettenasche. Was Frau Bauer heute morgen wohl ge­dacht hatte? Und dann das Singen bis in die späte Nacht! Sicher hatte sie nicht schlafen können. Und dann die fatale Ge­schichte mit dem Hut!

Da stand Frau Bauer auch schon in der Tür. In der einen Hand hatte sie den Ausklopfer, in der anderen den demolierten Hut.

,, Sind Sie zum Frühstück hier, Herr Hansen, oder soll ich Ihnen Butterbrot einpaden?"

Der richtige Weg zur Erlangung

schöner weißer Zähne unter gleichzeitiger Be

feitigung des häglig gefärbten Zahnbelages

Ist folgender: Drüden Sie einen Strang Chlorodont- Bahnpaste auf die trodene Chlorodont- Zahnbürste( Spezialbürste mit gezahntem Borstenschnitt), bürsten Gie Ihr Gebiß nun nach allen Seiten auch von unten nach oben, tauchen Sie erst jetzt die Bürste in Wasser und spülen Sie mit Chlorodont- Mundwasser unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen! Der mißfarbene Bahnbelag ist verschwunden und ein herrliches Gefühl der Frische bleibt zurüd Hüfen Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen und verlangen Gle ausdrüdlich Chlorodont- Zahnpaste. Unter- Vortriegspreise.

,, Nein, Herr Hansen, nun guden Sie doch mal her! Das ist doch rein zu schlimm! Nun hat Ami meinen schönen Hut total aus der Form gebracht. Liegt da ganz vergnügt drauf, als wenn nichts passiert ist. Na, seine Lage hat er schon bekommen." Theo hatte Mühe, sein Lachen zu verbeißen.

,, Ja," meinte er bedauernd, der Hut ist hin. Schade. Aber so eine Frechheit von dem Hund! Der hat es ja fauſtdid hinter den Ohren! Mir hat er neulich auch mal einen Haus­schuh weggeschleppt!"

,, Ach ja," seufzte Frau Bauer ,,, was man doch nicht alles erleben kann...!"

konnte er ihm stundenlang zuhören. Oft brachte er ihm auch ein Paket Tabak mit, denn wie alle Seeleute ließ er die Pfeife nie ausgehen.

Als Theo zur Badeanstalt kam, saß Petersen in einer schat tigen Ede und flicte an einem Netz.

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Rasch entkleidete er sich. Nachdem er eine Zeit lang dem Alten beim Netzfliden zugesehen hatte, trat er aufs Sprungbrett. Einen Augenblick breitete er die Arme aus und atmete in tiefen Zügen die frische Luft ein, die vom Wald herüberwehte. Dann sprang er mit einem hohen Kopfsprung in die kühle Flut. Klaus Petersen ließ einen Augenblick die Nadel sinken und sah seinem jungen Freund bewunderd zu, wie schnell und gewandt sein sehniger Körper das Wasser teilte. Die Muskeln seiner Schultern dehnten und strafften sich elastisch. Wassertropfen sprühten und glänzten in der Sonne.

Ein paar Minuten später war Theo Hansen auf dem Wege zur Badeanstalt. Sie lag ganz außerhalb der Großstadt an einem fleinen, waldumjäumten See. Theo, der ein guter Schwimmer war, hatte schon als Kind hier oft gebadet. Der alte Bade­wärter, Klaus Petersen, war sein guter Freund. Er stammte von der Wasserkante und hatte über vierzig Jahre zur See ge­fahren. Als Schiffsjunge war er auf ein Segelschiff gekommen und brachte es bis zum Steuermann. Die ganze Welt hatte er gesehen. Später, als er dann älter wurde und die Dampfer die Segelschiffe verdrängten, hatte er der Seefahrt Lebewohl gesagt und war hierher gezogen, wo eine verheiratete Tochter wohnt. Viele Jahre bekleidete er nun schon das Amt eines Badewärters.

Theo fühlte sich zu dem alten Seebären mächtig hingezogen. Wenn Petersen von seinen früheren See- Erlebnissen erzählte,

Nachdem Theo ungefähr eine Viertelstunde geschwommen hatte, stieg er wieder aus dem Wasser, setzte sich zu dem alten Sebären und ließ sich von der Morgensonne bescheinen. Ein herber Geruch von Wasser und Teer lag in der Luft. Seine Augen schweiften in die Ferne.

Ich möchte auch wohl zur See fahren, Klaus, und die Welt sehen," sagte er aus seinen Gedanken heraus. Der Alte blickte von seiner Arbeit auf. ,, Meinst du das wirklich im Ernst?

Theo nickte und sah den vorbeiziehenden weißen Sommer wolfen nach.

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,, Schön muß es doch sein, fremde Menschen und Länder tennen zu lernen und als freier Seemann über das weite Meer zu fahren. Und dann jeden Tag anderswo. Mal im sonnigen Italien, dann vorbei an den palmbekränzten Küsten Afrikas in das Wunderland des Orients. Heute im schneebedeckten Ke nada, ein paar Wochen später unter blühenden Kirschbäumen in Japan..." Klaus Petersen lachte. ,, Theo, Junge, du stellt dir die christliche Seefahrt auch an vor als sie in Wirklichkeit ist. Das ist ja sicher, früher, wie es nur Segelschiffe gab, da hatte man viel mehr Zeit und erlebte auch mehr als heute auf den Riesendampfern. Wenn der Wind durch das Takelwerk heulte und die Planken unter den heranrollenden Wogen ächzten und stöhnten, ja, Theo, da fam es auf jeden einzelnen Mann an. Mut, Ausdauer und kräf tige Mannesarme galten damals noch etwas. Die heutige Ge neration lernt das echte Seemannsleben nicht mehr fennen. Fortsetzung folgt.

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