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Samstag, den 25. Juni 1932

,, Gießener Zeitung"

Die hessischen Landtagswahlen

am 19. Juni 1932

Weiteres Anwachsen der Nationalsozialisten.

ten, erreichten sie jetzt mit Mühe und Not zwei Plätze. Ihre bisherigen Stimmen sind wohl restlos den Nationalsozialisten zugute gekommen. Sehr schwierig wird sich die Frage der Re­gierungsbildung gestalten. Klare Entscheidungen hat die Wahl jedenfalls nicht gebracht. Zudem soll sich die Nationale Ein­heitsliste verpflichtet haben, mit einer Rechtsregierung nicht ge= meinsam zu arbeiten, so daß die Hessenwahl auch jetzt noch nicht zu einem Rechtskurs führen wird. Einschließlich der Nationalen Einheitsliste würde sich für die Rechte eine Verhältnis von 35:35 ergeben. Da aber das Eintreten der Einheitsliste für den Rechtskurs unwahrscheinlich ist, wird mit einer Aenderung der Regierung faum zu rechnen sein.

Der Wahlkampf zu der hessischen Landtagswahl widelte sich| sammelt hatten. Während sie früher über fünf Mandate verfüg­unter Aufbietung aller Führer der größeren Parteien ab. So haben Hitler, Göbbels, Strasser, Severing, Brüning in Hessen gesprochen. Während die Tage vor der Wahl häufig zu blu­tigen Zusammenstößen führten, verlief der Wahltag sehr ruhig. Die Wahlbeteiligung hat erheblich gelitten und erreichte nur 79,9 Prozent gegenüber 82,4 Prozent bei der Landtagswahl am 15. November 1931. Das Land beteiligte sich verhältnismäßig sehr start. Dort haben auch die Nationalsozialisten ganz erheb­liche Erfolge zu verzeichnen. Wie vorauszusehen war, konnten die Nationalsozialisten ihre Stimmenzahl beträchtlich erhöhen. Die Zahl ihrer Mandate steigt von 27 auf 32. Die Deutsch­nationalen konnten ihren Besitzstand halten, während sie an Stimmen gewonnen haben. Eine Niederlage erlitt die Natio= nale Einheitsliste, in der sich die mittleren bürgerlichen Par­teien von der Volkspartei bis zu den radikalen Demokraten ge­

Von Interesse dürfte sein, daß rund 5000 Stimmen der Na­tionalen Einheitsliste mangels einer Listenverbindung unter den Tisch gefallen sind.

Dr.

Soz.-Arb.-P. 3entrum u.Kommunist. Kommun. Leucht- Dnvp Opposition

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Nr. 25

Der nächste Sonntag gehört dem Lied. Jm Reiche der Töne sollen sich die Menschen treffen und ihre Lieder sollen mehr wie alle Worte alles Hohe und Schöne preisen, sollen erzählen vom Frühling und Wandern, von Blumen und Blüten, vom deutschen Wald, und ihr Loblied der Erde soll empordringen über alle Wolken zum Throne des Schöpfers. Zauberkraft liegt in den To nen. Bald weich wiegend, bald bittend und Flehend, aber auch donnernd und drohend können die Klänge sein, die wie aus einer anderen Welt in unsere Seele dringen. Jubelnden Her zen verleiht der Gesang Flügel, um in Himmelsnähe zu kom men und um verwandte Seelen können Lieder, Bande der Liebe schlingen. Leidgebeugten hat manchmal schon ein Lied die Schwermut gelöst und ihm vergessen gemacht, was ihn hinabzog in menschliche Tiefen.

Das Lied macht auch frei. Jn überströmender Freude öffnet es das Herz und teilt vom empfundenen Glücke aus und lindert so auch manchen Kummer und macht ihn erträglich. Darum singe, wem Gesang gegeben. Machet froh die Müden und hal tet aufrecht, die sich freuen. Kredenzt den Becher reiner Freude ehe die Mißtöne des Lebens gellend dazwischen klingen. 3 allen Zeiten haben die Menschen gesungen und jedes Volt hat sein Lied und seine Melodie. Das Temperament gibt den Takt und lehrt die Weise. Aber für alle ist das Lied ein Gottesge schent. Mit ihm wollte uns der Schöpfer dieses Erdenleben leichter und schöner machen, uns über den Alltag erheben, nähern zu ihm. So lasset uns singen schöne und edle Lieder, bis wit uns einstens sammeln zum Weltchoral.

Der Sonntagsschreiber.

Stadtratsjikung

am Mittwoch, den 29. Juni 1932, 16,30 Uhr( 4,30 Uhr). Zur Behandlung stehen:

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1. Der Voranschlag der Stadtkasse und der städtischen Neben fassen für 1932, wozu der in der Betriebsrechnung verblei bende Fehlbetrag von 489 035,87 RM. zunächst aus Vermö gensmitteln gedeckt werden soll.

2. Gesuch der Oberhessischen Tageszeitung" Gießen wegen Ver öffentlichung der städtischen Bekanntmachungen.

3. Die Errichtung von 100 Kleinstwohnungen beiderseits der Krofdorferstraße. Ueber die Finanzierung wird der Finanz Ausschuß beschließen.

4. Mitteilungen der Stadtverwaltung.

Zum Boranschlag der Stadt für 1932.

Der Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjah 1932 schließt in der Betriebsrechnung mit 5 981 762 M. gegenüber 6 456 914 RM. im Vorjahre ab. Der neue Voranschlag ist vor allem gekennzeichnet durch den beträchtlichen

Rüdgang der Einnahmen.

Die Ueberschußablieferungen der städtischen Werke gehen u 168 000 RM. zurüd, wobei allerdings 75 000 RM. auf die vor genommenen Preissenkungen entfallen. Besonders erheblich ist der Einnahmeausfall auf dem Gebiete der Steuern. Dabei ist der Ausfall bei den Ueberweisungen aus der Einkommen und Körperschaftsteuer mit 186 614 RM. am größten. Aber au Der Ein bei anderen Steuern gehen die Erträgnisse zurück. nahmeausfall von 87 100 RM. bei den Realsteuern beruht auf einer Maßnahme des hessischen Staates, der die den Gemeinden durch die Senkung der Realsteuern entstehenden Ausfälle in 3 funft nicht mehr erstattet. Ein beträchtlicher Einnahmneri gang ergibt sich bei der Sondergebäudesteuer zufolge der durb Reichsvorschrift angeordneten 20prozentigen Senfung. Die G samtsumme der Einnahmerüdgänge bei den Steuern wäre nb größer, wenn nicht die im vorigen Herbst eingetretene Erhöhung der Bürgersteuer, die im gegenwärtigen Voranschlag in der erwartenden Höhe eingesetzt ist, die Einnahmeseite um 8000 RM. verbessern würde. Die durch, Reichsvorschrift verfügte Senkung der Mieten verursacht einen Einnahmeausfall o 30 574 RM.

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gens

Heff. Nationale NSDAP Demo­Fraten Einheitsl.")

Gießen- Stadt

3879

1138

165

1324

19

645

4240

988

221

1879

924

9496 9012

159 81

1277 2234

Kreis Gießen

11360

208

311

1849

166

1585

18633

125

834

( ohne Stadt)

12150

163

537

2304

400

16398

123

4947

Kreis Alsfeld

3112

943

131

594

102

477

14917

97

356

3630

935

143

873

160

12809

72

2110

Kreis Büdingen

4869

321

264

1576

168

406

14328

112

489

5038

261

284

2518

303

12266

128

2276

Kreis Friedberg

15186

5555

647

480

780

1097

20839

425

1442

14861

5453

1305

5760

752

17060

403

6141

Kreis Lauterbach

1676

734

134

355

44

566

12205

90

1963

660

97

714

452

10062

47

1017 2548

Kreis Schotten

1869

66

80

424

40

294

2121

77

97

668

-

126

Oberhessen

41951

8965

1732

10602

1319

44003

8537

2684

14716

-

5070 3117

11887 125 208 9704 153 1801 102305 1132 5623 87311 1007 22055

Darmstadt- Stadt

13805

4002

276

4202

75

911

25230

12465

3944

572

6579

1377

25832

632 849

Kreis Darmstadt

12990

496

318

4777

65

169

13803

198

( ohne Stadt)

12691

479

513

6365

-

169

12310

218

4322 5667 1129 2802

Kreis Bensheim

5585

8038

324

5170

49

363

15414

6044

8988

553

6740

-

453

12941

149 1088 170 3595

Kreis Dieburg

7583

6260

349

4118

54

252

16703

7938

6609.

529

4603

-

181

14434

Kreis Erbach

5196

924

317

2451

48

294

15371

5424

951

245

3279

-

311

13114

95 110 129 202

Kreis Groß- Gerau

9039

2470

575

7608

135

313

12733 246

8620

2498

962

9961

-

183

11349

260

542 1954 740 1857 896 3106

Kreis Heppenheim

2734

7545

266

4205

29

155

7823

115

423

3354

8660

412

4940

T

154

6192

117

1497

Offenbach- Stadt

13483

5448

4270

6064

37

603

13422

275

1863

10163

5647

9951

7058

1082

11997

176

4001

Kreis Offenbach

16580 11817

985

10611

63

( ohne Stadt)

16132

12631

2566

12404

-

836 244

Starkenburg

87185

47000

7713

49266

1779

82834

50647

16384

61929

-

4331 4155

14644 172 12488 164 135133 2011 120657 2266

1242 2804 12333 27282

Mainz- Stadt

19167

18419

1056

10826

57

17940

18516

2254

14311

-

Kreis Mainz

2999

6310

111

1911

23

156

( ohne Stadt)

3107

6366

199

2511

228

880 24393 396 1565 24001 271 35 31

2870 6447

6077

5394

270 961

Kreis Alzey

3685

4248

174

1002

14

289

12325

399

3462

4209

242

1535

-

134

11350

260

889 1569

Kreis Bingen

2863

8629

270

1027

47

278

7962

2866

9044

450

1497

-

362

6917

Kreis Oppenheim

4208

6171

191

928

11

260

4262

6208

184

1326

-

335

Worms- Stadt

5270

3119

223

4795

27

469

4895

3217

409

6312

-

552

278 140 14545 278 13436 268 11808 219 10580 201

649 2349

556 1286

nach wie vor

Kreis Worms

5382

5754

216

1751

38

( ohne Stadt)

4732

5698

301

2652

-

Rheinhessen

43715

52638

2452

22243

213

41264 53260

4040

30145

525 409 2704 3585

172545

108603

11897

168101

112444

23108

82111 106790

-

2079 11267 328313 4925 25175 10857 291189 4617 68208

Gesamt- Hessen

1242 3735 13762 176 734 11539 168 2517 90870 1780 7219 83216 1340 18871

*) Die Nationale Einheitsliste umfaßt die DVP., WP., Chr.- Soz., Staatsp., Volksrecht- P. und Hess. Landvolk. Die nicht fettgedrudten Ziffern sind die Wahlresultate vom 15. November 1931.

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Hingezählt hatte fleines Geld ba Kleingeld auch uf diesen nicht

Die Deckung der beträchtlichen Einnahmeausfälle ist n Teil gelungen durch schwerwiegende Eingriffe, die auf der A gabenseite vorgenommen worden sind. Durch sparsame Wirtschaft des Stadtrats und der Verwaltung, die rechtzeitig erkanntes, daß die durch den verlorenen Krieg geschaffene Lage nut p duktive und notwendige Ausgaben gestattet, sind die Ausgabe bereits früher so gestaltet worden, daß sie geradezu das Eristen minimum darstellen. Ja es sind angesichts der finanziellen bei einzelnen Ausgabeposten die Ansätze so knapp bemessen,

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die Notverordnungen angeordnete Kürzung der Löhne und beinflußten Aus hälter, sowie die Senkung der Zinsen brachten die stärkste Aspuntten hat

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neu in Ausgabe zu stellen sind; ferner dadurch, daß der Stoneug. Das i

die von den Gemeinden zu leistenden Beiträge für die Bol schulen erhöht hat. Die weitaus größte Ausgabe merurf

die Wohlfahrtspflege, die 1301 439 RM. erfordert. Die Ausgaben für die Wohlfah pflege steigen dauernd, insbesondere deshalb, weil die Babl Wohlfahrtserwerbslosen fortgesetzt zunimmt( seit Beginn 1 Zunahme von 100). Wenn in dem gegenwärtigen Voranid der städtische Zuschuß zur Wohlfahrtspflege etwas geringer scheint, wie im vorjährigen Voranschlag, so ist dies nui bar und beruht darauf, daß ein Reichszuschuß von 100 000 S zu der städtischen Wohlfahrtslast vorgesehen ist. Die grews It gen Wohlfahrtslasten sind es, welche die Finanzen der deute Städte vollkommen zerrüttet haben und die Ursache der be lichen, von Jahr zu Jahr wachsenden Fehlbeträge in den schen Haushaltsplänen bilden. Ein Zusammenbruch der zen der Städte fann nur abgewendet werden durch eine o

bedingungen, ben bauarbeit leisten.

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