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Samstag, den 2. Juli 1932.

schüre des Kammertages festgestellt hat, wirtschaftlicher Indivi­dualismus nicht gleichbedeutend mit Individualwirtschaft. Letz­tere soll erhalten bleiben, erstere wird als Richtschnur der Wirt­schaft abgelehnt. Für das Handwerk bleibt der Sinn der Jndi­vidualwirtschaft die Erhaltung der Einzelpersönlichkeit, aber Einordnung in einen Gemeinschaftszusammenhang, der ihr die Grenzen weist. Hierfür kann und soll der Staat die Richtung angeben und hierbei kann er auch eine wichtige Aufgabe wieder erfüllen, die man volle 13 Jahre vergessen hat: Förderung des selbständigen Mittelstandes in Gesetzgebung und Verwaltung, Schutz gegen Aufsaugung und Ueberlastung. Daran erinnere man sich doch endlich.

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, in umfangreicher Aus­führlichkeit alle die Fragen auf dem Gebiete der Wirtschafts­politik zu behandeln, die das Handwerk berühren. Wir müssen uns gebotener Kürze befleißigen; nur das Wichtigste, nur das Wesentlichste.

,, Gießener Zeitung"

Nr. 26.

daß sich die Wirtschaft

gen, die sich wieder gegen den Mittelstand richten? Niemand| Zündholzkonzern, Danatbank usw. zahlt gern Steuern, aber unvermeidliche Lasten werden leichter empfunden, wenn sie gerecht verteilt sind. Diese elementare Voraussetzung, die steuerliche Gerechtigkeit, hat das Handwerk bislang vermißt. Mit zunehmender Erhöhung der Lasten verschwand sie in nebelgraue Ferne und zeitigte fol­genschwere Auswirkungen. Auch die unteren und mittleren Einkommensschichten wurden über Gebühr, weit über ihre wirk­liche Leistungsfähigkeit belastet. Ausnahmebestimmungen für die Landwirtschaft, für das Handwerk noch nicht einmal steuer­liche Gerechtigkeit. Wird sie endlich kommen, oder soll auch in Zukunft der gewerbliche Mittelstand weiterhin der Packesel sein?

in Zukunft weit mehr als bisher auf kleinere und mittlere Be­triebe stützen muß? Wir werden, wie es einmal ein amtieren­

Während man glaubte, dem Handwerk besondere Preis­spannen vorschreiben zu müssen, ließ man Kartelle und Syndi­kate in ihrer Preisfestsetzung ungeschoren, wähnte man sogar, den Arbeitnehmern einen klagbaren Anspruch auf eine be­stimmte Lohnhöhe sichern zu können. So ein Widerspruch! Es geht beim besten Willen nicht, in Zeiten niedergehender Kon junktur, wie wir sie heute in einem bisher noch nie gekannten Ausmaß erleben, der Arbeitnehmerschaft bestimmte Löhne sichern zu wollen. während staatlicher Zwang, behördliche Reglementie­rung sich befleißigen, die Preise des Handwerks immer nur noch weiter nach unten zu drücken, obwohl die trostlose wirtschaftliche Lage bereits einen Preisstand mit sich gebracht hat, der kaum noch ausreicht, die Selbstkosten zu decken.

Was nüßt denn ein tariflich gesicherter Lohn von annehm barer Höhe, wenn diesen, wie z. B. in einzelnen Gruppen des Bau­gewerbes, etwa 10 Prozent der Arbeitnehmerschaft erhalten, während die restlichen 90 Proz. sich darein fügen müssen, ihren ,, klagbaren Anspruch" mit einer recht bescheidenen Arbeitslosen­unterstützung einzuhandeln? Was nützt ein in gegenseitigem Abkommen festgelegter Lohn, wenn Schwarzarbeiter mit einem Drittel dieses Lohnes zufrieden sind und so

die Starrheit der Tariflöhne

Wir stehen vor den Wahlen. Wieder einmal wird das Um was Handwerk mit Versprechungen überschüttet werden. geht es denn? Soll der Klassenkampf weiter toben und wüten, oder soll es endlich einmal so etwas geben, was man als Sammlung des Bürgertums bezeichnen kann? I. G. kann es gar keinem Zweifel unterliegen, daß das Bürger­tum als Kulturfaktor erhalten und gesichert werden muß. Wird die Stunde das Handwerk an seinem Plaz finden?

Klassenkampf zerstört, berufsständische Volksge­meinschaft, wie sie auch das Handwerk erstrebt, führt zusammen und baut auf.

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der Minister ausdrückte, ganz von selbst den Rückweg von den großen Gebilden zu dem selbständig wirtschaftenden und verant­wortungsbewußten Menschen im Klein- und Mittelbetrieb wie­der antreten müssen, wollen wir überhaupt durch die Not der Zeit hindurchkommen. Wir können uns die deutsche Volks wirtschaft der Zukunft recht gut vorstellen ohne die riesigen, auf­geblähten, gewaltigen Mammutkonzerne, die doch kein Mensch mehr überschauen kann, ohne die vielen Verschachtelungen der Syndikate und Dachgesellschaften der Großbetriebe, wie wir das bislang gewohnt waren. Damit wird aber der selbständige Mittelstand in Handel und Gewerbe, auch in der Landwirtschaft, ganz von selbst an Bedeutung gewinnen, die eine angemessene Berücksichtigung seiner Belange nachzuziehen hat....

Es sind gerade 6 Jahre her, da meinte einer der bekannte­sten Führer eines unserer angesehensten Werke: Die wirt­schaftliche Zukunft könne nur auf der Bildung großer inter­relativen nationaler Unternehmungen beruhen sowie auf der Verminderung der Zahl der Sonderarten zwecks Herabsetzung der Gestehungskosten, sowie endlich auf der intensivsten Aus­nugung aller Produktionsfaktoren bei gleichzeitigem Verschwinden der kleinen Betriebe, ausgenom­men etwa für Reparaturen." Hat der Mann sich geirrt! Wer Lehren nicht ge­will heute noch diese Auffassung vertreten? rade die großen Zusammenbrüche der jüngsten Vergangenheit wir begnügen uns, nur einige Namen zu nennen: Nordwolle,

selbst ad absurdum führen? Dder glaubt man wirklich, mit der gerichtlichen Feststellung ,,, daß es nicht darauf ankomme, ob übertragene Arbeiten vollkommen oder unvollkommen erledigt werden, denn nicht der Erfolg der geleisteten Arbeiten sei für die Eingruppierung in eine Reichstarifklasse ausschlaggebend, son­dern allein die Tätigkeit, die ausgeübt werde", den Wiederauf­bau der deutschen Wirtschaft vollziehen zu können? Eine Auf­lockerung der Tarifverträge läßt sich ebenso wenig weiter hin­ausschieben wie eine Bereinigung der Preispolitik gewisser Kar­telle und Syndikate. Das eine schließt die Notwendigkeit eines angemessenen Lohnes ebenso wenig aus wie die Notwendigkeit eines den Erfordernissen Rechnung tragenden Preises.

Die fehlende Rücksichtnahme unserer gesamten Sozial­politik auf die tatsächlichen Verhältnisse hat es mit sich gebracht, daß sie sich mehr und mehr von erdgebundener Nähe zum luftleeren Raum entfernte. Will man ihre Vorteile der Arbeiterschaft und das begrüßt und unterstützt auch das Handwerk erhalten, so muß auf die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und auf die Tragbarkeit der Lasten Rücksicht ge­nommen werden. Seine Wünsche hat das Handwerk schon zu oft zum Vortrag gebracht, so daß wir uns heute weitere Einzel­heiten hier ersparen können.

Wir unterstreichen diese Bedeutung immer wieder, um es einmal ganz einwandfrei festzulegen, weil

der Mittelstand das Zukunftsland aufbauender, aufsteigender Voltskräfte sein und bleiben wird. Jede Einengung dieser Kreise muß sich rächen, jede Förderung aber wird sich reichlich lohnen. Weit mehr als bislang muß in Zukunft der Mittelstand der Jungborn sein, aus dem die Führung unseres Volkes heranwächst. Selb­ständige Betriebe vermindern die Abhängigkeit, sie vermehren auch die Befruchtung der Wirtschaft. Wir haben so viel schon von der Lösung der sozialen Frage gesprochen, aber ganz ver­gessen, daß diese Lösung von einer wirksamen Betreuung des Mittelstandes auszugehen hat. Zur Erreichung seiner äußeren Freiheit braucht das deutsche Volk im Innern die see­lische Freiheit, die gerade der Mittelstand gewährleistet.

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Welche Partei, welches Kabinett tann es heute noch verantworten, weiter wie bisher ohne Mittelstand zu regieren? Der Staat ist geborgen, der sich auf Dr. Br. einen gesunden Mittelstand stützen kann.

Der Haushaltsplan der Stadt für 1932 angenommen.

In der heutigen Zeit ist es ein schweres Ding, einen aus­geglichenen Haushaltsplan vorzulegen. Die sinkende Steuerkraft der Bürgerschaft und die steigenden Wohlfahrtslasten der Ge­meinde stoßen aneinander. Soviel steht fest, daß sich die Zahlen des diesjährigen Haushaltsplanes der Stadt Gießen, der be= fanntlich heute schon mit einem Defizit von einer halben Million abschließt, im Laufe des Jahres in manchen Positionen noch sehr, sehr ändern werden. Und da kein Mensch die Ungewißheit der Zukunft betr. der Steuereingänge absolut richtig einkalkulieren tann, beschränkte sich auch bei diesen Etatsberatungen die Haupt­arbeit vorwiegend auf die Prüfung der Ausgaben, die bis an die Grenze des Erträglichen zusammengestrichen wurden. Damit allein ist es nicht getan, sondern durch eiserne Sparsamkeit muß die Verwaltung der Stadt und der Stadtrat bemüht bleiben, mit weniger Mitteln wie angefordert, auszukommen.

Und gar das Kapital der Steuerpolitik, Auch hier das gleiche Bild: eine Vernachlässigung des Handwerks, des gewerblichen Mittelstandes, wie überall. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein. Dder sollen wir noch auf die erst kürz­lich in Preußen verordnete Schlachtstener mit langen Ausfüh­rungen Bezug nehmen? Was ist mit der Umsatzsteuer ge= schehen? Warum durch Aufhebung der Freigrenze Aenderun­

Die Landsknechte

Sportroman von Emil Wöhner.

( 7. Fortsetzung.)

( Nachdruck verboten.).

*

In der Sitzung des Stadtrats vom 29. Juni fand der Haus­haltsplan der Stadt für 1932 seine Genehmigung. Man ver­zichtete auf eine Spezialdebatte und nahm einen Antrag Appel­Fischer, der General debatte forderte, einstimmig an.

,, Das ist nun schon gut 25 Jahre her," lachte Bringhoff. ,, Und eigentlich war es ein Reinfall... Ich war damals Gym­nasiast in einem kleinen Landstädtchen. Das Fußballspiel trat gerade in dieser Zeit langsam, aber unaushaltsam seinen Sieges­lauf durch ganz Deutschland an. Vorläufig gab es allerdings nur in den großen Städten Fußballvereine.

tätigkeit um Arbeit zu schaffen; Räumung der Schulbaraden, die baufällig seien; Verbesserung des städtischen Freibades an der Lahn und finanzielle Schonung der Sportvereine bei Pacht­eintreibung etc. Ausführlich begründete er einen Antrag, mit dem Erhöhung der Mittel für die Kinderspeisung von 12 000 auf 20 000 Reichsmart gefordert wurde. Er schloß mit dem Appell an die Stadtverwaltung, alles zu tun, um den Menschen Be­schäftigung zu geben.

Zunächst sprach Gewerkschaftssekretär Mann für die Sozial­demokraten. Er erging sich in langen Ausführungen über die Schuld an dem heutigen Finanz- und Wirtschaftselend. Mit dem Ruf: Haltet den Dieb!" machte er die letzten Regierun gen für alles verantwortlich und vergaß ,, den Balken im eigenen Auge." Nach 20 Minuten Wahlrede kam er dann auf den Haus­haltsplan zu sprechen, den er ein Spiegelbild der Not nannte. Er brachte weiter zum Ausdruck, daß der Einnahmeausfall we­sentlich größer sein wird als angenommen. Im übrigen führte er einige Wünsche seiner Fraktion vor: Förderung der Bau­

Nun hatte ich auf einer Ferienreise Gelegenheit gehabt, ein gutes Fußballspiel zu sehen. Ich war begeistert. Nach der Rückkehr wußte ich meinen Klassenkameraden die Vorzüge dieses Spiels in so beredten Worten zu schildern, daß ich schließlich genügend Anhänger fand.

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Herr Kaufmann Horn von der Arbeitsgemeinschaft der Mitte betonte, daß er nicht beabsichtige, eine politische Rede zu halten. Er wies vor allem auf die Notlage des Mittelstandes hin, der mit allen möglichen Steuern bepackt sei. Er verlangte von den städtischen Körperschaften, die Ausgaben zu drosseln, auch wenn dann so mancher Wunsch nicht erfüllt werden könne. Zu einzel­nen Etatsposten nahm er Stellung. So seien die Wohlfahrtslasten auf das fast 20fache des vor dem Kriege dafür eingesetzten Be­trages gestiegen. Der Zuschuß zum Stadttheater sei auf 60 000 RM. herabgesetzt, er hoffe, daß das Theater uns erhalten bleibe. Die städtischen Werke rentieren auch nicht mehr so wie früher, und zwar sei der Ausfall höher als der 5proz. Preisabbau. Trotz­dem habe die Verwaltung zugesagt, zu untersuchen, ob es irgend­einen Weg gäbe, um die städtischen Tarife zu ermäßigen. Wenn es trotz aller Bemühungen im Finanzausschuß nicht möglich war, den Etat auszugleichen, so liege das nicht an den Ausschußmit­gliedern. Aber wundern müsse man sich über Reich und Län­der, die die Gemeinden nicht mehr unterstützen. Im Gegenteil, von der städtischen Sondergebäudesteuer verlange der hessische Staat neuerdings 8 Prozent für sich für einen Ausgleichsfonds zur Umschuldung in Not geratener Gemeinden. Der Redner rügte dieses Verfahren des Staates, Staatshilfe für schlechtbe­

nach Brüllers Pfeife zu tanzen. Ihn zu ärgern hatte entschie­den mehr Spaß gemacht. Außerdem war es auch noch fraglich, wie Brüller sich zu dem Fußballspiel stellen würde. Wie leicht fonnte unsere ganze Mühe umsonst gewesen sein! Meine Klassenbrüder drangen deshalb immer mehr in mich, das ent­scheidende Wort mit ihm zu sprechen.

Einen eigentlichen Turnlehrer hatten wir damals nicht. Den Turnunterricht erteilte unser Zeichenlehrer Brüller. Er war lang aufgeschossen und trug eine Brille. Vom Turnen hatte er wenig Ahnung. Als Nebenfach wurde diesem Unterricht an unserer Schule auch gar keine Bedeutung zugemessen. Die Turn­stunden waren für uns natürlich äußerst langweilig. Sie ver­liefen immer nach demselben bestimmten Plan: Marschieren, Freiübungen und Geräteturnen. Und weil wir diesem mit wenig Lust und Liebe erteilten Unterricht feinen Geschmad abge­winnen fonnten, wurden die Turnstunden mit Vorliebe von uns dazu benutzt, Brüller zu ärgern oder sonst Unsinn zu treiben.

Schließlich faßte ich mir ein Herz. Es war nach der Turn­stunde. Ich ging entschlossen auf Brüller los und sagte: Herr Brüller, wir möchten gerne Fußball spielen."

Nun war das aber anders geworden. Wollten wir Fuß­ballspielen, mußten wir einen Leiter haben. Dafür fam nur Brüller in Betracht. Wenn wir seine Einwilligung hatten, fonnten wir vielleicht auch damit rechnen, in den Turnstunden Fußball spielen zu dürfen.

Einen Augenblic wartete ich auf eine Antwort. Aber er schwieg und gudte mich bloß verwundert an. Mich durchfuhr auf einmal der Gedanke: Er weiß sicher gar nicht, was das für ein Spiel ist!' Zuzutrauen war ihm diese Unkentnis schon. Trotzdem fuhr ich fort: Ich habe neulich mal in den Ferien ein richtiges Spiel gesehen. Einfach großartig. Unsere Klasse hat nun auch große Lust zum Fußballspielen. Ich möchte Sie deshalb einmal fragen, ob Sie als Leiter nicht dabei sein wol­Ien? Wir müssen ja auch einen Schiedsrichter haben. Und vielleicht dürfen wir dann auch in den Turnstunden spielen?"

In der nächsten Zeit fonnte Brüller sich nicht genug über seine wohlerzogenen Untersekundaner wundern. Sowohl in den Zeichen als auch in den Turnstunden benahmen wir uns muster­gültig. Brüller glaubte nichts anderes, als daß wir reuevoll den Weg der Besserung beschreiten wollten, während es uns doch in Wirklichkeit nur darum zu tun war, ihn für unseren Zwed gefügig zu machen.

Mit der Zeit verging uns aber die Lust, immer gehorsam

Inzwischen hatte Brüller sich von seinem Staunen erholt. ,, Fußball spielen? Dieses rohe, ungeschliffene Spiel..., Und da haben Sie tatsächlich geglaubt, daß ich meine Einwilli­gung dazu geben würde? Ausgeschlossen. Lernen Sie erst mal richtig marschieren, aber kommen Sie mir nicht wieder mit solch blöden Zumutungen!"

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Am anderen Tage hatten wir die zweite Stunde beim Di­rektor. Zuerst sprach er von der Verrohung der Jugend. Dann erteilte er mir einen verschärften mündlichen Verweis. Zum Schluß fündigte er uns noch an, daß die Lehrer angewiesen seien, unsere täglichen Schulaufgaben so zu erhöhen, daß uns ein für alle Mal die dummen Gedanken vergehen sollten.

Ich drehte mich kurz um. Eine Wut hatte ich auf Brüller! Am meisten ärgerte es mich ja, daß unser mustergültiges Beneh­men zwecklos gewesen war.

An der Pforte erwarteten mich meine Kameraden. ,, Es ist Essig!" rief ich ihnen schon von weitem zu. ,, Dieser Affe will ja nicht!"

Und das alles hatten wir Brüller zu verdanken! Nach mittags fand eine Klassenzusammenkunft statt. Auf der Tages­ordnung standen nur zwei Punkte: Rache an Brüller und Gründung eines Fußballvereins.

Da stand auf einmal Brüller neben mir. Ich hatte in meiner Aufregung nicht gemerkt, daß er mir gefolgt war. ,, Affe? Sagten Sie Affe?" Jawohl.

,, Meinten Sie mich damit?" ,, Jawohl."

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Der erste Punkt wurde schnell erledigt. Eine Kommission von vier Mann, die durch das Los bestimmt wurde, nahm die Vergeltung in die Hand. Und als am anderen Tage der Gla­ser nach Brüller gerufen wurde, wußten wir, daß sie die Sache zu unserer Zufriedenheit erledigt hatte.

Brüller wurde firschrot im Gesicht. Er schnappte ein paar­mal nach Luft. Dann verschwand er mit fliegenden Rochschößen im Zimmer des Direktors..

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Mehr Schwierigkeiten bereitete uns der zweite Punkt. Fuß­ball spielen wollten wir natürlich. Das Verbot reizte uns nur noch mehr. Wir beschlossen zunächst, uns von unserem Taschen­geld einen Fußball zu kaufen. Mehr brauchten wir auch ja vor läufig nicht. Nachdem wir dann noch unserem Verein den stol­zen Namen Viktoria" gegeben hatten, gingen wir befriedigt auseinander.

Nach ungefähr 14 Tagen konnte das Spielen losgehen. Als Spielfeld durften wir den Platz des Turnvereins benutzen. zwei Tore waren rasch markiert. Und dann ging's los! Ohne eigentliche Regelfenntnis und ohne Schiedsrichter, aber mit Be geisterung und Hingebung. Wir hatten sogar Zuschauer: Die jüngeren Schüler. Sie enthielten sich jeglicher Kritit, weil wir stärker waren. Einer von ihnen mußte Posten stehen, um uns zu warnen, wenn ein Paufer in Sicht war.

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Nun zum Spiel selbst. Es gab unter den Zuschauern einige, die später, als der Verein längst aufgeflogen war, behaupteten, wir hätten den Ball nie getroffen. Das war natürlich eine aber wenn wir ihn trafen, blieb teine Auge trocken. Wir störten uns nie durch gegenseitiges Zusammenspiel. Wer den Ball hatte, schlug ihn dahin, wo annähernd das feindliche Tor sein mußte. Trafen wir nicht den Ball, so trafen wir doch unseren Gegner. An den Schienbeinen. Der Umjazz der kleinen Apotheke an Wundsalben und essigsaurer Tonerde stieg in diesen Tagen um ein Bedeutendes. In edlem Wettstreit nahm wir, wenn es irgend möglich war, auch den Spielern un

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