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Einzel- Nummer 10 fg.

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Gießener Zeitung

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Erscheint Samstags.

( Gießener Tageblatt)

Bezugspreis 1,50 RM vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­fendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

44. Jahrg.

Politische Rundschau.

Am Donnerstagmittag hat der Reichspräsident die Notver­Ordnung unterzeichnet, durch die der Reichshaushaltsplan 1932/33 in Kraft gesetzt wird.

Auch die Donnerstag- Nachtsigung des Reparationsbüros in Lausanne ist zu keinem gemeinsamen Vorschlag gekommen. Die Gläubiger find weiter unter sich uneinig.

Der englische Ministerpräsident MacDonald hat in seiner Eigenschaft als Präsident der Reparationskonferenz in der offi­

t Herzberg, Vollziellen Sigung der sechs einladenden Mächte eine große Rede ge­halten, die entgegen allen Gepflogenheiten im Wortlaut ver­öffentlicht wird und die ein zusammenfassendes Programm der gejamten gegenwärtigen und fünftigen internationalen Ver­handlungen darstellt.

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Die fommunistischen Mitglieder des Auswärtigen Aus: schusses des Reichstages haben in einem Schreiben vom Ausschuß­Dwrfigenden Dr. Frid( NSDAP) die Einberufung des Auswärti­gen Ausschusses verlangt.

Jm Thüringischen Landtage wurden am Freitag die natio­nalsozialistischen und kommunistischen Auflösungsanträge ab= gelehnt.

Am Donnerstag ist im Thüringischen Landtag die ganze na­tionalsozialistische Fraktion von der Sigung ausgeschlossen

worden.

Der Vierte Strassenat des Reichsgerichts hat Donnerstag in seiner Beschlußßigung das Verbot des, Vorwärts" für zulässig er flärt.

Im Stadionbad zu Myslowitz wurde am Mittwochnachmit tag ein deutscher Sportler von einem polnischen Offizier er­choffen.

Im Wiener Landtag kam es am Donnerstag zu heftigen Zusammenstößen zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozia­listen, wobei es zwischen sozialdemokratischen und nationalsozia= listischen Abgeordneten zu einem Handgemenge tam.

aDs englische Kabinett beschloß im Falle der Nichtbezah­Eng der am 30. Juni fälligen irischen Entschädigungszahlun­gen sofort ein Gesetz einzubringen, wonach Sonderzölle auf irische Einfuhrwaren erhoben werden können.

Der Diskontsag der Bank von England ist von 2,5 auf 2 Prozent ermäßigt worden. Die Rate von 2,5 Prozent war seit dem 12. Mai in Kraft.

In der Berliner Universität ist es am Donnerstag wieder zu kwawallen gekommen; daraus entwickelte sich eine allgemeine Sahlägerei, in deren Verlauf vier linksgerichtete und ein natio= nalsozialistischer Student Verlegungen davontrugen.

Im Sklaret- Prozeß wurden verurteilt: Leo und Willi Stla­te wegen Betruges in Tateinheit mit schwerer Urkundenfäl­chung und passiver Bestechung zu je vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Sechs Monate der Untersuchungshaft Woerden angerechnet. Die beiden Verurteilten wurden sofort

im Haft genommen.

Um den Bürgermeisterposten der thüringischen Stadt Ranis, die etwa 2100 Einwohner zählt, haben sich nicht weniger als 133 Bersonen beworben.

Der vom 1. bis 4. Juli stattfindende 4. Deutsche Reichs­triegertag des Kyffhäuserbundes wurde am Freitagnachmittag mit einem Presseempfang eingeleitet.

Als Opfer der Sparmaßnahmen ist die ,, Los Angeles", der frühere deutsche Zeppelin 23 126( 3R. 3) außer Dienst gestellt

worden.

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedtonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 2. Juli 1932

Schwerer politischer Zusammenstoß in Köln. Am Donnerstag kam es in Köln zu einem folgenschweren Zusammenstoß, in dessen Verlauf eine Person durch einen Kopf­schuß getötet und zwei Personen durch Schulter- bzw. Armschüsse verletzten wurden.

SA.- Mann in der Pfalz ermordet. Der ,, Völkische Beobachter" teilt mit, daß ein SA.- Mann von Moorlautern bei Kaiserslautern in der Pfalz von einem Kom­munisten und Separatisten durch einen Stich in die Halsschlag­ader ermordet worden sei.

In Stuttgart.

Im Anschluß an eine nationalsozialistische Demonstration fam es am Donnerstagabend in der Altstadt zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Fünf Personen wurden schwer verletzt.

In Bremen.

Im Vorort Gröpelingen kam es gestern abend zu Zusam­menstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, bei denen es zahlreiche Verletzte gab. Eine Apotheke, aus der Verbandszeug geholt werden sollte, wurde völlig demoliert, ein Straßenbahnwagen umgestürzt und quer auf die Straße ge­schoben, um als Barrikade zu dienen. Auch ein Mannschafts­wagen der Feuerwehr wurde umgestürzt.

Feuerüberfälle auf NSDAP.- Lokale in Berlin.

Am Donnerstag, furz nach Mitternacht, wurden von un­bekannten Tätern auf zwei nationalsozialistische Verkehrs­lofale in Berlin- Schöneberg Feuerüberfälle verübt. Bei einem dieser Feuerüberfälle sind sieben Personen verlegt worden. Kurze Zeit darauf wurde ein Feuerüberfall auf ein weiteres Lokal in der Hauptstraße verübt. Ein 19jähriger Nationalsozialist er­hielt einen schweren Brustschuß.

Bericht über die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Monat Juni 1932. Vom Reichsverband des deutschen Handwerks wird uns geschrieben:

Die Gesamtlage des deutschen Handwerks hat sich im Mo­nat Juni nicht gebessert. Selbst in den Außenberufen, also den eigentlichen Saisonberufen, hat sich die Beschäftigung nicht in irgendwie nennenswertem Umfange gehoben. Die Bautätigkeit liegt nahezu vollständig danieder. Deffentliche Bauaufträge werden, da die gesamten zur Verfügung stehenden Mittel für Wohlfahrtszwecke gebraucht werden, überhaupt nicht erteilt und auch von Privatseite gehen Aufträge infolge der Schwierigkeit ten auf dem Kapitalmarkt und der Ungewißheit über die wei­tere Entwicklung der Wirtschaft, die jede Initiative lähmt, nur in sehr geringem Maße ein. Die Haupttätigkeit konzentriert sich daher auf Kleinstwohnungsbauten im Rahmen des Gied lungsprogramms und auf Reparaturarbeiten. Da jedoch diese Arbeiten überwiegend in eigener Regie oder durch Schwarzarbei­ter ausgeführt werden, hat das Handwerk nur verhältnismäßig geringen Nugen hiervon. Die Zahl der arbeitslosen Baufach arbeiter wird im Durchschnitt auf etwa 85 Prozent geschätzt. Auch außerhalb des Bauhaupt- und der Baunebengewerbe haben sich jahreszeitliche Einflüsse so gut wie gar nicht belebend aus­gewirkt. So hat beispielsweise die Reisezeit weder der Ver­Kaufs-, noch der Werkstattätigkeit einen merklichen Auftrieb zu geben vermocht. Sowohl die Bekleidungshandwerke, denen die Reisezeit sonst vermehrte Aufträge zu bringen pflegt, als auch

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Nummer 26

Grundfäßliches zur Wirtschaftspolitik. Eine Betrachtung zum Regierungswechsel und zu den bevorstehenden Reichstagswahlen.

Das deutsche Handwerk hat in den Nachkriegsjahren stän­dig darüber klagen müssen, daß es in Gesetzgebung und Verwal­tung nicht die ihm gebührende Beachtung und Berücksichtigung gefunden hat. Zwar verankert die Reichsverfassung von Wei­mar im Artikel 164 den Schutz des selbständigen Mittel­standes, in dem als große Richtlinie für die Wirtschaftspolitik des Reiches festgelegt wird, daß der selbständige Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel in Gesetzgebung und Ver­waltung zu fördern und gegen Ueberlastung und Aufsaugung zu schüßen ist. Allein trotz dieser feierlich gegebenen Zusicherung blieben selbst berechtigte Wünsche des Handwerks- von unwe­fentlichen Ausnahmen abgesehen unbeachtet.

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Wir leben in einer rasch dahinstürmenden Zeit, aber das Handwerk hat es noch nicht vergessen, daß es vor knapp 6 Jahren sogar durch seine Spizenverbände zu Abwehrkundgebungen gegen die ungerechte und einseitige Behandlung des Berufsstandes durch die Preissenkungsaktion der damaligen Reichsregierung auf­gerufen werden mußte, Kundgebungen, die zugleich Protest gegen die Einschätzung und Behandlung des Handwerks in der gesam­ten Wirtschaftspolitik und in der öffentlichen Meinung waren. Das Handwerk weiß auch nur zu gut, daß sich auch die letzten Bestrebungen auf Abbau der Preise in erster Linie wieder ein­mal gegen den Berufsstand richten, auch wenn man die umschrei­bende amtliche Bezeichnung wählt zum Schuße der Bevölke­rung gegen Ueberteuerung von Preisen für lebenswichtige Ge­genstände des täglichen Bedarfs und lebenswichtige Leistungen zur Befriedigung des täglichen Bedarfs". Nicht mit Unrecht mußte so auf einer der letzten Tagungen des Reichsverbandes des deutschen Handwerks festgestellt werden, daß die Jahre seit Ende des Krieges eine einzige große Enttäuschung für das Handwerk waren.

Die mißverstandene Parlaments demo= fratie kannte nur die Interessen des Großkapitals und die Wünsche der in starken Gewerkschaften zusammengeballten Arbeitnehmermassen. Daß sich zwischen beiden noch das Hand­werk als ein an den beiderseitigen Auseinandersetzungen seinem Wesen nach unbeteiligtes Glied befand, übersah man; daran dachte anscheinend niemand. Wer will sich nun darüber wun­dern, wenn bei einer solchen Einstellung der maßgebenden Kreise sich im Handwerk das Gefühl der Vereinsamung, das Gefühl der Vernachlässigung, ja das Gefühl schmerzhafter Enttäuschung breit machte, breit machen mußte und nur dazu beitrug, im Be­rufsstand eine Stimmung hervorzurufen, die wir mehr als ge­reizt und verbittert bezeichnen müssen. Alle diese Auswirkun­gen halfen mit, die Massen des Handwerks heute dieser, mor­gen jener Partei zuzuführen, je nachdem die einzelnen Parteien glaubten, mehr oder weniger viel dem Handwerk versprechen zu

können.

Die politischen Ereignisse der letzten Tage, zu denen im ein­zelnen Stellung zu nehmen, uns die Haltung unseres Blattes verbietet, haben eine neue Reichsregierung gebracht, die die Auflösung des Reichstags verfügte, um dem deutschen Volke Gelegenheit zu geben, in klarer und eindeutiger Weise zu bestimmen, mit welchen Kräften der Weg der Zukunft beschrit ten werden soll. Wir benutzen diesen Anlaß, um wie schon so oft, noch einmal die Einstellung des Handwerks zu der einzuschla genden Wirtschaftspolitik zu präzisieren.

Der fommunistische Terror wütet weiter. das Sattlerhandwerk, dessen Verkaufsgeschäft um diese Jahres- grundfäßlichen Wandlung der bisherigen Methoden der deut­

Schwere Zusammenstöße im Ruhrgebiet.

Jm ganzen Ruhrrevier erfolgten neue blutige Zusammen­toze zwischen Kommunisten, Reichsbannerleuten und National­jozialisten. Die Unruhen nahmen verschiedentlich den Charakter re gelrechter Straßenschlachten an.

In Essen

warden ein Kommunist und ein Mitglied des Kampfbundes gegen den Faschismus festgenommen, die dringend verdächtig sind, auf Nationalsozialisten aus Armeerevolvern geschossen zu haben, wo­bei ein Nationalsozialist schwer verletzt wurde.

In Hattingen

wurden schwere Ausschreitungen von kommunistischer Seite ge­en Nationalsozialisten verübt. Ein Nationalsozialist wurde burch einen Schuß in die Brust zu Boden gestredt, ein weiterer Nationalsozialist erlitt zwei Steckschüsse ins Becken. Auf dem Flachsmarkt kam es vor dem kommunistischen Parteibüro zu tiner regelrechten Straßenschlacht, bei der Schuß-, Hieb- und Stichwaffen Anwendung fanden. Zwei Kommunisten erlitten Schußverlegungen, an deren Folgen sie starben. Als von einer Beerdigung zurückkehrende Nationalsozialisten auf Lastkraft­pagen die Winterbrüde in Hattingen passierten, wurden sie be­hossen. Einer von ihnen erlitt einen Bauchschuß, mehrere an­exe wurden verlegt. Die Gesamtzahl der bei den Unruhen in battingen schwer und leicht Verletzten wird auf dreißig geschätzt. In Walsum bei Duisburg

rfolgte ein Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten. Vier Personen wurden hierbei durch Messet tige teils lebensgefährlich verletzt.

zeit sonst lebhaft war, berichten, daß die Geschäftsbelebung kaum spürbar war. Im Holzgewerbe droht das Geschäft völlig ins Stocken zu geraten. Nicht einmal in ländlichen Gegenden, wo durch die Heuernte sowie durch die bevorstehende Getreideernte eine Vermehrung der Aufträge zu erwarten war, sind Repa­raturarbeiten in nennenswertem Umfange in Auftrag gegeben worden. Auch die metallverarbeitenden Handwerke berichten, daß eine beinahe völlige Geschäftsstille bei ihnen herrscht.

Die ungeheure Ausdehnung der Schwarzarbeit bedeutet nach wie vor ein starkes Hemmnis für die Entwicklung der Handwerkswirtschaft. Erbitternd und erschwerend kommt hinzu, daß, während im Rahmen der Preissenkungsaktion mit aller Macht auf einen Abbau der Preise im Handwerk hingewirkt ist, die Steuer- und Sozialasten nicht nur keine Verringerung erfuhren, sondern sogar noch weiter gestiegen sind. Die Beseiti gung der Umsatzsteuerfreigrenze von 5000 RM. bedeutet eine weitere Erschwerung. Dazu kommen die Klagen über die un­erträglich hohen Beiträge des Handwerks zu den Berufsge­nossenschaften. In welch katastrophaler Weise sich die gegen­wärtige Wirtschaftskrise bereits im selbständigen Handwerk ausgewirkt hat, berveist u. a. auch der Umstand, daß die Zahl der Handwerksmeister, die die Wohlfahrtsunterstützung in Anspruch nehmen müssen, immer größer wird. Auf dem Arbeitsmarkt des Handwerks war der Rückgang der Arbeitslosigkeit wesentlich ge­ringer als im Vorjahr. Neueinstellungen von Arbeitnehmern in einzelnen Berufen wurden wieder ausgeglichen durch not­wendige Arbeiterentlassungen in anderen Berufen. Die Hand­werkerlöhne haben in den letzten Monaten, namentlich in ein­zelnen Berufen des Baunebengewerbes, Rückgänge erfahren.

Das Handwerk hat schon immer die Notwendigkeit einer

schen Finanz- und Sozialpolitik betont. Das Handwerk hat nicht aufgehört, darauf hinzuweisen, daß durch entschlossene und zielbewußte Zusammenfassung aller Kräfte die Steigerung der Produktivität der Gesamtwirtschaft erstrebt werden muß, daß ohne diese Voraussetzung die uns allen am Herzen liegende Be­freiung des deutschen Volkes Bruchstück sein und bleiben wird. Die handwerklichen Spizenverbände erlahmten nie, immer wie­der zu betonen, daß auch die maßgebende Wirtschaftspolitik wie­der mehr auf die Bedeutung der auf verantwortungsbewußten Persönlichkeiten beruhenden Wirtschaftsführung des gewerb­lichen Mittelstandes für Gesamtwirtschaft und Volksgemein­schaft Rücksicht zu nehmen hat.

Um dieses Ziel zu erreichen, muß zuvorderst das Ver­hältnis zwischen Staat und Wirtschaft auf neuer Grundlage aufgebaut werden. Auch der Staat hat die Grenzen privater Wirtschaftsführung zu respektieren. Er hat sich grundsätzlich aller Eingriffe in die freie Wirtschaft zu enthal­ten, soweit diese nicht durch zwingende, durch das Allgemeinwohl bedingte Gründe veranlaßt werden. Es kann feine Aufgabe des Staates sein, zu wirtschaften. Tein Bereich liegt im we­sentlichen in der Verwaltung und nur in der Verwaltung. Jede überflüssige Bevormundung der Wirtschaft, aber auch jede unnötige Belastung der Wirtschaft haben zu unterbleiben. Nur feine Uebersteigerung mehr von Aufgaben, die dem Staat gar nicht zufallen. Die Gewährleistung individuel ler Wirtschaftsführung genügt. Um Mißverständ­nisse zu vermeiden, sei dabei ausdrücklich bemerkt, daß das Hand­werk kein Anhänger eines schrankenlosen Wirtschaftsindividua­lismus ist. Für das Handwerk ist, wie die Berufsstandsbro­