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Mittwoch, den 20. Mai 1931

Lokales.

* Der Hessische Beamtenbund gegen weitere Gehaltstür­zung. Das Landeskartell Hessen des Deutschen Beamtenbundes veranstaltete in Schotten eine Vertreterversammlung. Nach

den Beratungen der einzelnen Fachgruppen sprach der Vor­sitzende Dr. Claß über die Lage der deutschen Beamtenschaft, wobei er sich energisch gegen eine etwaige weitere Kürzung der Gehälter und den Wegfall der Kinderzuschläge oder die Heran­ziehung der Beamtenschaft zur Arbeitslosenversicherung aus= sprach. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache.

Grunderwerbssteuerüberleitung auf die Finanzämter. Der Präsident des hessischen Landesfinanzamtes hat auf Grund der Reichsabgabenordnung bestimmt, daß die gemäß Verordnung vom 8. Juni 1924 den hessischen Amtsgerichten und Notaren als Hilfsstellen der Finanzamter obliegenden Geschäfte bei der Verwaltung der Grunderwerbssteuer mit Wirkung vom 1. Juli 1931 ab auf die Finanzämter übertragen werden.

* Fernsprechrechnungen. Es empfiehlt sich, während der Sommerreise zur Bermeidung von Unzuträglichkeiten, die bei nicht rechtzeitiger Bezahlung der Fernsprechrechnungen entstehen können, die Bezahlung der Fernsprechrechnung einem Familien­angehörigen, Angestellten usw. zu übertragen oder Nachsendung der Rechnung beim Fernſprechamt zu beantragen. Es genügt aber auch, einen ausreichenden Betrag zur Deckung der bis zur Rückkehr fällig werdenden Fernsprechgebühren auf das Post­scheckkonto des Fernsprechamts einzuzahlen. Auf dem Abschnitt der Postanweisung oder Zahlkarte gibt man die Vermittlungs­stelle und Nummer seines Anschlusses an.

,, Gießener Zeitung"

15 bis 20 Prozent, Kurzarbeit bezw. Arbeitszeitverkürzung einen wesentlichen Teil ihres bisherigen Einkommens verloren haben.

* Ermäßigung der Fleischbeschaugebühren in Hessen. Der Minister des Innern hat mit sofortiger Wirkung die Gebühren für die Ausführung der Trichinenschau wie folgt festgesetzt: für das Fleisch eines ganzen oder halben Tieres 0,85 Mt., für ein­zelne Fleischstücke( Schinken, Spedstüde usw.) je 0,45 Mt.

* Politischer Ueberfall. In der Nachi zum Montag wurde ein im Seltersweg stehender Nationalsozialist von mehreren Kommunisten überfallen und mißhandelt. Der Ueberfallene flüchtete in die Gastwirtschaft Soldan. Kurze Zeit darauf ba= men die Kommunisten nach und verlangien von dem Wirt Bier, das ihnen dieser wegen ihrer Betrunkenheit verweigerte. Die Kommunisten schlugen nun die Möbel und die Einrichtungs­gegenstände der Wirtschaft in Trümmer. Der Wirt alarmierte das Ueberfallkommando, worauf die Täter die Flucht ergriffen. Es gelang aber, vier von ihnen zu verhaften. Sie werden dem Schnellrichter vorgeführt werden.

* Die Jubelgabe ist lohnsteuerpflichtig. Zur Einkommen­Steuer hat der Reichsfinanzhof wieder ein neues Urteil getrof­fen. Ein größerer Geldbetrag, der einem Angestellten als Ju­belgabe vom Arbeitgeber geschenkt wird, ist regelmäßig eine nachträgliche Vergütung für die langjährigen Dienste und im Sinne des Einkommensteuergesetzes steuerpflichtiger Arbeitslohn. * Die Fahrpreisvergünstigungen. Ueber die Fahrpreisermä= Bigungen, die die Reichsbahn gewährt, ist eine Zusammenstellung der Hauptverwaltung mitgeteilt worden. Der Tarif sieht für Wanderer und Reisende drei Fälle vor: Gesellschaftsfahrten, Ge­sellschaftssonderzüge und Lösung von Sonntagsrückfahrkarten. Personen, die sich zu einer gemeinsamen Fahrt zusammenschließen, sind berechtigt für Gesellschaftsfahrten. Die Ermäßigung wird gewährt, wenn der Fahrpreis für 15 Erwachsene bezahlt wird. Sie beträgt 25 Prozent bis zu 50 Personen und 33% Prozent dar­über. 48 Stunden vorher muß eine derartige Reise angemeldet werden. Für die Stellung eines Sonderzuges sind bei Benutzung der 1. Klasse 100 ganze Fahrkarten zu lösen, 2. Klasse 200, 3. Klasse 300. Der Preis wird um 40 Prozent ermäßigt. In jedem Falle müssen aber für die ganze Sonderzugstrede 200 Mt. bezahlt werden. Acht Tage vor der Fahrt ist der Antrag zu stellen. Die Sonntagsrückfahrkarten, die eine Vergünstigung von 33% Prozent bieten, gelten jetzt auch zur Rückfahrt am Samstag. Au­ßerdem ist persuchsweise gestattet worden, sie an einzelnen Wo­chentagen bei großen Veranstaltungen mit eintägiger Dauer aus­zugeben.

* Schutz des Waldes. Das hessische Ministerium für Kultus und Bildungswesen empfiehlt der Lehrerschaft auch in diesem Jahre alle Bestrebungen zur Erhaltung der Waldschönheit durch Belehrung und Aufklärung der Schuljugend zu fördern und zu unterstützen.

* Preisausschreiben über Fragen des Wanderns. Der Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen erläßt soeben zwei Preisausschreiben, die auch über den Kreis seiner Mitglieder und Freunde hinaus Beachtung finden dürften. Es werden einmal Vorschläge zu der Frage ,, Wie bringen wir die nicht­organisierte Jugend ans Wandern?" und zum anderen Kurz­geschichten über Jugendwandern und Jugendherbergen erbeten. Die besten Einsendungen sollen preisgekrönt werden. Es stehen Preise im Gesamtwert von 800 Mark zur Verfügung.

* Blumenschmud- Wettbewerb. Der Verkehrs- und Verschö­nerungsverein wird auch in diesem Jahr einen Blumenschmuck­Wettbewerb zur Durchführung bringen. Anmeldungen sind bis zum 5. Juni an den Verkehrsverein zu richten.

* Kriegsbeschädigtenversorgung und Wehrwille. Die Krie­gerkameradschaft ,, Sassia", Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, Provinzialgeschäftsstelle Oberhessen, Gießen, Lindenplatz 1, bittet uns, Nachstehendes bekannt zu geben: Der, Gesamtvorstand des Deutschen Reichskriegerbundes ,, Kyffhäuser" hat in seiner Sigurg am 17. Mai ds. Js. auf dem Kyffhäuser eine Entschließung angenommen, in der er sich die Besorgnisse und Wünsche der Kriegsbeschädigten und Krie­gerhinterbliebenen zu eigen macht. In der Entschließung heißt es u. a.:,,Weitere Einschränkungen auf dem Gebiete der Ver­sorgung oder gar ein Abbau der Leistungen bestehender An­sprüche würden auch geeignet sein, die Erhaltung oder Er­wedung des Wehrwillens und der Wehrfreudigkeit im deutschen Volke zu beeinträchtigen. Sie wären aber auch aus staats­politischen Gründen im Interesse des Reichs und der von ihm zu vertretenden Gerechtigkeit zu bedauern.

Der Vorstand des

Nr. 40

Großen- Bused. Die während der Inflationszeit erbaute ehemalige Ladfabrik ging in den Besitz von Rinn& Cloos, Heuchelheim, über. Es wird mit einer Beschäftigung von hun­dert Arbeitern gerechnet. Dieser Besitzwechsel wird für unsere Gemeinde von großer Bedeutung sein.

Zweds Hebung der Schönheiten des Schiffenberges be­absichtigt die Heimatvereinigung Schiffenberg unter Leitung von Oberforstmeister Nikolaus die Aufstellung von Ruhebänken, Fällen von einigen Bäumen zur Ermöglichung eines besseren Ausblicks, Neufassung des altertümlichen Brunnens u. a. m. Ein Schiffenbergfest mit der Aufführung eines Festspiels von Heimatdichter Gg. Heß soll im Monat August auf dem Schiffen­berg stattfinden.

Deutschen Reichstriegerbundes Kyffhäuser" hält es deshalb für seine Pflicht, erneut die verantwortlichen Stellen auf die ein­schneidenden Folgen eines Versorgungsabbaues hinzuweisen und dringend zu ersuchen, von Kürzungsmaßnahmen, nament­lich wenn diese ungleichmäßig die Kriegsopfer allein betreffen sollten, Abstand zu nehmen."

Schotten. Nach Operation einer zu weit vorgeschrittenen Blinddarmerkrankung verstarb der Leiter der hiesigen Real­schule, Studiendirektor Hertsch, im 58. Lebensjahre. Der Ver­storbene, der seit zwanzig Jahren als Leiter der Realschule in segensreicher Weise gewirkt hat, verlor im Weltkrieg durch eine Verwundung die Sehkraft beider Augen. Trotzdem blieb ihm auf seinen Wunsch die Leitung der Realschule, die er mit un­geheurer Willenskraft und größter Hingabe vorbildlich aus­übte. Weit über seinen Wirkungskreis hinaus wird man ihm auch in der Provinz Oberhessen ein ehrendes Andenken be= wahren.

* Stadttheater. Heute abend letztes Gastspiel von Auguste Prasch- Grevenberg in dem Schauspiel ,, Haus Rothschild". Morgen gleichfalls zum letzten Male als Schüler- und Fremdenvorstel­lung ,, Die Jungfrau von Orleans".

*

Einziehung der Zeitungsbezugsgelder durch die Brief= träger. Die Einziehung der Zeitungsbezugsgelder von den Postbeziehern erfolgt durch die Briefträger in der Zeit vom 15. bis 22. ds, Mts. Zur Förderung des Einziehungsgeschäfts werden die Bezieher gebeten, die Beträge bereitzuhalten. Dies liegt nicht nur im Interesse der Post, sondern auch der Bezieher selbst; denn unpünktliche Bezahlung hat Stodungen in der Lie­ferung der Zeitung zur Folge.

* Der Gewerkschaftsbund der Angestellten für Herabsegung der Kirchensteuer. Der Gewerkschaftsbund der Angestellten, GDA., ist an das Reichsfinanzministerium mit dem Ersuchen herangetreten. auf die zuständigen Kirchenstellen dahingehend einzuwirken, daß bei der zur Zeit erfolgenden Neufestsetzung der Kirchensteuer für das Jahr 1931 nicht vom vollen, sondern von einem um mindestens 25 Prozent gesenkten lohnsteuerpflichtigen Einkommen ausgegangen wird. Begründet wird diese Eingabe mit der Forderung der Mitglieder, die durch Gehaltstürzung um

Die schöne Galathée.

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Brüderlein fein.

Rüsselsheim. Die Leitung der Opelwerke teilt mit, daß be absichtigt sei, wegen Rüdgang des Absatzes von Kraftwagen Mitte Mai 1169 Arbeiter zu entlassen. Man will jetzt durch eine wöchentliche Kurzarbeit von fünf Tagen die Zahl der zu entlassenden Arbeiter auf 500 beschränken.

Bensheim a. d. B. Während eines Ausfluges nach dem Borstein bei Reichenbach, an dem der 41jährige Tüncher Lorenz Eichheimer teilnahm, erklomm dieser den dort befindlichen be= trächtlich hohen Quarzfelsen ,, Borstein", stürzte ab und verletzte sich tödlich.

Die gestrige Aufführung im Stadttheater stand auf einem sehr beachtlichen Niveau. Das Alt- Wiener Singspiel ,, Brüderlein fein" erregte das helle Entzücken des Publikums. Die Darsteller, vor allem Heinrich Hub und Metha Liebermann vom Stadtthea­ter Mainz, ernteten verdienten Beifall.

Fellingshausen. Auf einer steil abfallenden Straße verlor das 21jährige Dienstmädchen Bernhard die Gewalt über ihr Fahrrad und rannte gegen ein Haus. Das Mädchen erlitt dabei einen Schädelbruch, an dessen Folgen es starb.

Braunfels. Am 17. Mai konnte Bürgermeister Ziegler auf ein 25jähriges Amtsjubiläum zurückblicken. Unter seiner Amts­tätigkeit hat sich Braunfels sehr gut entwidelt und auch als Badestadt einige Bekanntschaft erreicht.

Fulda. auf dem Kasernenhof des hiesigen Feldartillerie­Regiments Nr. 8 fand am Sonntag unter ungeheurer Betei= ligung die feierliche Enthüllung eines Denkmals für die Ge= fallenen des ehemaligen rheinischen Fußartillerieregiments Nr. 8 statt.

Hörter. Die schon seit einiger Zeit im Umlauf befindlichen Gerüchte über erhebliche Veruntreuungen bei der Commerz- und Privatbank in Hörter haben nun durch die Verhaftung der bei= den Direktoren Peters und Heinemann der genannten Bank feste Form erhalten. Auch der im vorigen Jahr versetzte Direktor Sommer und der Stadtrat von Hörter Thedid, wurden ver­haftet. Die Untersuchungen ergaben, daß durch verschiedene Kre­ditüberziehungen, falsche Kundenbücher und andere Fälschungen die Bank ganz erheblich geschädigt wurde. Zudem kommt noch eine bare Unterschlagung von annähernd 160 000 Mart, so daß sich die gesamte Summe der von den Direktoren und dem Stadt­rat verübten Unterschlagungen auf 300 000 Mart beläuft. Dem Vernehmen nach sollen auch führende Persönlichkeiten der Stadt und des Kreises mit diesen Unterschlagungen in Zusammenhang stehen. Auch verschiedene größere Firmen werden verdächtigt, die Unterschlagungen gefördert zu haben.

Die ernste Stimmung, welche im Grunde die ,, Schöne Gala­thée" durchweht, war gänzlich zugunsten des Komischen verwischt worden. Ueber die starke Modernisierung, welche die Oper bei dieser Aufführung erfahren hatte, läßt sich streiten; festgestellt sei jedoch, daß sie dem Publikum in dieser Form gefiel. Metha Liebermann stellte die Statue, die sich in eine moderne Frau verwandelt, lebenswahr dar, entzückend war der Ganymed Hertha Greffs, auch Heinrich Hub als Mydas, und Kurt Richter boten gute Leistungen. Der stürmische Beifall war nicht zuletzt auch der feurigen Mufit Suppés zuzuschreiben.

Aus Nah und Fern.

Klein- Linden. Am Sonntag nachmittag stürzte ein 30­jähriger Mann schwer mit seinem Fahrrad. Ernstlich verletzt wurde der Unglückliche in die Chirurgische Klinik nach Gießen geschafft.

Bad Nauheim. Unter den vielen in unserem Bade Heilung Suchenden befand sich in den letzten Wochen auch der Herzog Ulrich von Württemberg. Der Herzog ist nach dem Gebrauch der Kur nunmehr wieder abgereist.

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