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Mittwoch, den 15. Juli 1931

Aus Nah und Fern.

Klein- Linden. Ein rücksichtsloser Autofahrer streifte beim Ueberholen in der Weklarerstraße ein Pferd des Mühlenge­spanns Weigel von der Sorgenmühle bei Allendorf. Dabei wurde dem Tiere die Haut am Hinterschenkel aufgerissen, so daß es zusammenstürzte. Der Fahrer suchte in der Dunkelheit zu ent­kommen, doch konnte seine Wagennummer festgestellt werden. Später gelang es auch, den Autolenker zu ermitteln. Er wurde noch in der gleichen Nacht im Straßengraben bei Garbenheim aufgefunden. An dem Wagen, der zertrümmert war, hingen noch die Hautfehen. Der Fahrer selbst hatte schwere Brustver­legungen erlitten.

Hausen. Am 1. August 1931 tritt der Kommunalforſtwart Heinrich Mad auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten in den Ruhestand.

Lich. Hier geriet der Schafherdenbesitzer aus Dornassen­heim in einer Kurve mit seinem Auto in den Straßengraben. Das Auto überschlug sich und begrub den Fahrer und seine Frau unter sich. Die Insassen eines vorüberfahrenden Wagens be= freiten die Verunglückten, von denen die Frau schwere Ver­legungen davontrug. Das Auto mußte abgeschleppt werden.

Ettingshausen. Der frühere Gemeinderechner des Dorfes wurde wegen schwerer Amtsunterschlagung zu 6 Monaten Ge­fängnis verurteilt. Er hatte nahezu RM. 4000,- unterschlagen.

Schotten. Unter dem Protektorat des Großherzogs Ernst Ludwig hält hier der Verein für deutsche Schäferhunde aus An­laß des 10jährigen Bestehens seines Landesverbandes Hessen, bezw. Rhein- Main, am 29. und 30. August ein ,, Hessisches Jubi­läumspreishüten" ab, für das zahlreiche Preise von Privaten und Behörden zur Verfügung gestellt wurden.

Lauterbach. In der zwischen Jlbeshausen und Hochwald­hausen gelegenen Zeilmühle brach Großfeuer aus, das sich in außerordentlich kurzer Zeit auf den Mühlenbetrieb, das Wohn­haus und die Stallungen ausdehnte. Die Mühle mit Wohnhaus und Stallungen wurde eingeäschert. Die Hausbewohner fonnten nur das nackte Leben in Sicherheit bringen.

Friedberg. Auf dem Bahnhof wurde beim Ausladen von Schienen der Bahnunterhaltungsarbeiter Kari Bender aus Friedberg tödlich verletzt. Der Verunglückte hinterläßt Frau und vier Kinder.

,, Gießener Zeitung"

Sonst zeigt der Jagdkalender noch viel schwarze Felder 3war beginnt am 16. Juli die Schußzeit für Enten und Sumpf­schnepfen, indessen ist dabei mit großer Vorsicht zu verfahren, und geringe Schose sind unbedingt zu schonen. Ganz besonders gilt dies auch für die Mutterente, die leicht daran kenntlich ist, daß sie vor dem Hund schnell aufgeht, aber bald wieder ein­fällt. Wird sie vorzeitig abgeschossen, dann gehen die jungen Enten, die der Führung unbedingt bedürfen, gewöhnlich zu= grunde.

Darmstadt. Das Postauto der Linie Darmstadt- Oppenheim stieß bei Berkach mit einem Lastauto zusammen. Das Lastauto fuhr in starkem Tempo dem Postwagen in die Flanke, wobei der Chauffeur schwer verletzt wurde und in bewußtlosem Zu­stand abtransportiert werden mußte. Mehrere Fahrgäste des Postautos erlitten Verletzungen.

Marburg. 58. Gauturnfest des Gaues Hessen. Zum fünften Male wird in den Tagen vom 18. bis 19. Juli Marburg an der Lahn die Hessenturner zur Durchführung eines Gaufestes emp­fangen.

Jagdkalender für Juli in Hessen.

Auf streunende Hunde und Katzen ist besonderes Augenmerk zu richten, die an dem jungen Wild bedeutenden Schaden an­richten.

Ferien zu Hause.

Nr. 56

Sachen halte man weit von sich und gehe im großen Bogen um

sie herum. Man beforge sich geeigneten Lesestoff, an den man sonst so leicht nicht kommt, taufe sich von dem ersparten Reisegeld ein lange ersehntes Buch oder versorge sich ganz nach Laune und Geschmad in einer Leisbibliothek. Wer besondere Interessen hat, die außerhalb seines Berufes liegen, oder Lieb­habereien, soll sich ungestört diesen hingeben.

Man kann diese Gedanken noch lange ausspinnen. Jedem ist es nicht gegeben, das Alltägliche in der Alltäglichkeit von sich zu werfen, manch einer kann es aber mit einiger Ueber= legung und gutem Willen lernen, und wenn die Ferien zu Hause auch immer nur ein Ersatz für Ferienreisen bleiben wer­den, auch in ihnen können wir genügend Erholung finden, wenn wir anspruchslos und zufrieden sind und guten Willens, sie zu suchen.

Von Med.- Rat Dr. Weber- Waldkirch( Baden). Die Not der Zeit wird viele Menschen in diesem Jahre zwingen, auf die sonst geplante und nur sehr erwünschte Er­holungsreise zu verzichten. Man kann das, auch ohne gleich­zeitig auf Erholung verzichten zu müssen, man muß nur täglich überlegen, wie man dies Ziel erreicht. Und schon diese Ueber­legung, die ganz reizvoll sein kann und die einem sonst im Alltagsleben ferne liegt, ist ein gewisser Faktor der Erholung. Es sind andere Gedanken, als die, die uns sonst beschäftigen, und alles, was anders ist, als gewöhnlich, dient unsern Zweden. Zunächst die Finanzverhältnisse: wir müssen uns bewußt sein, daß wir durch die unterlassene Reise viel sparen und können daher unsere Finanzlage von einem anderen Gesichtspunkt aus ansehen, als gewöhnlich. Wir können uns einen Bruchteil der Reisekosten für das Urlaubsleben zu Hause zurückstellen und uns dafür manches leisten, was wir uns sonst nicht gönnen: dann und wann ein Mittag- oder Abendessen auswärts, hin und wieder auch einige Delikatessen bei den häuslichen Mahl= zeiten oder eine Zulage zum ersten Frühstück, denn auf Reisen spielt ja für die meisten das bessere Essen eine Hauptrolle. Dann das tägliche Spazierengehen und Ruhen in der Natur. In kleinen Städten hat man dies leichter, als in großen, aber auch in großen ist überall Gelegenheit dazu ge= boten, man muß sie nur zu finden wissen. Diese Spaziergänge, die zu Entdeckungsreisen werden können, müssen sich von den gewöhnlichen Sonntagsnachmittagsspaziergängen unterscheiden. Besonders genußreich sind sie, wenn wir sie Vormittags machen und an Wochentagen, weil wir das am wenigsten gewöhnt sind. Es kann dann immer noch genug Zeit bleiben, um für das Mit tagessen zu sorgen, oder es bleibt abwechselnd ein Familienmit= glied zu Hause. Dann eine gediegene Nachmittagsruhe, wie man sie sich sonst an Wochentagen auch nicht leisten kann. Aber immer muß man sich vergegenwärtigen, daß man eigentlich auf Reisen ist, und vieles, was man sonst zu Hause tun würde, auf Reisen aber einfach liegen läßt, muß auch jetzt ungetan bleiben. Deshalb wird auch eine gewisse Vorbereitung auf die Reise daheim nötig sein, damit Kleider, Wäsche und aller Be­darf vorhanden ist, ohne uns unliebsame Arbeit zu machen. Wenn es sein muß, fann man einmal einige Stüde auswärts waschen lassen, wie man es in der Sommerfrische auch tun würde, man muß nur immer wieder den guten Willen zur Be­quemlichkeit und Faulheit haben, selbst wenn man sich dazu zwingen muß.

( Mitgeteilt vom Hess. Jagdklub e. V. Darmstadt.) Rot und Damhirsche werden mit dem Aufbau ihres Kopf­schmuckes im Laufe des Monats fertig. Gegen Ende beginnen sie zu fegen. Obwohl in Hessen teine Schonzeit ist, wird der meidgerechte Jäger noch Hahn in Ruh" lassen, denn noch braucht es Zeit, bis Geweih und Schaufel in der Farbe ein­windfrei werden.

Die Brunst des Rehwildes, die Blattzeit, beginnt mit der zweiten Hälfte des Monats und bringt dem Jäger große Freu­den. Man hüte sich, mit dem Blatten allzu früh anzufangen cder Mißbrauch mit dem Blattinstrument zu treiben, denn bald ist ein Revier ,, perblattet" und dann reagiert kein Bock mehr, selbst auf die zärteste Musik.

Wie soll man Obst essen?

Von H. Klepp- Berlin.

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Die Regierung burd Notverordnung

Die Regierung h Ausfahreitungen erla Gegenstand hat. Die Mitteilunge chaftstommijjar mi verschiedene Zweige ju ernennen beabsich Bon Montag ab 20 Mart täglid großen Rahmen wir

Von den verschiedensten Seiten wird eifrig dafür geworben, Obst möglich frisch und nicht gekocht oder geschmort, oder sonst mit Feuer zubereitet zu genießen. Andererseits wird mit Ein­tritt der Obstzeit auch wieder darauf hingewiesen, daß rohes Obst oft zu Magenverstimmungen oder noch ernsteren Ver= dauungs- und Stoffwechselstörungen Anlaß geben könne. Aengst­liche Gemüter wissen sich gegenüber diesen, sich durchaus wider­sprechenden Angaben und Wirrungen nicht anders zu helfen, als daß sie wenn auch ungern auf den Genuß frischen, nicht besonders zubereiteten Obstes vollkommen verzichten. Das ist aber unnütze Ueberängstlichkeit. Frisches Obst müssen nur diejenigen meiden, denen des ihrer Körperverfassung wegen vom Arzte ausdrüdlich verboten worden ist. Das aber ist glück­licherweise nur eine kleine Anzahl von Volksgenossen. Alle anderen brauchen sich den Frischobstgenuß wirklich nicht ver­fümmern zu lassen, wenn sie nur eine einfache, überall mögliche und durchaus nicht lästige kleine Vorsichtsmaßregel anwenden. Man muß sich nämlich nur daran gewöhnen, kein unge­waschenes Obst zu essen. Einfaches Abspülen mit Wasser genügt hier schon zur Reinigung. Zu Hause und an Orten, wo Frischwasser jederzeit zur Verfügung steht, begegnet diese Reinigung natürlich keinerlei Hindernissen, es sei denn der nicht unberechtigte Einwand der Hausfrau, daß einmal gewaschenes Obst sich nicht so gut und so lange hält wie ungewaschenes, und daß deshalb gewaschen auf den Tisch gebrachtes Obst auch voll­ständig verzehrt werden müsse. Aber dieser in Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit wurzelnden, kleinen Schwierigkeit läßt sich auf die einfachste Weise begegnen, ohne die Gemütlichkeit einer Tafelrunde zu beeinträchtigen. Wo Obst ungewaschen auf den Tisch gebracht wird, stelle man gleichzeitig entsprechende Gefäße mit reinem Wasser auf. Recht weitbauchige Trink­gläser oder Glasschalen sind hier geeignet und ausreichend, daß sich jeder Obstesser unmittelbar vor dem Verzehren sein Obst selbst abspülen kann. Bei geschickter Anordnung können der artige Spülgefäße sogar nicht unwesentlich zum Tafelschmud beitragen. Auf Ausflügen aber wird sich meist ein Brunnen oder eine Wasserzapfstelle finden lassen, die es erlaubt, das Obst kurz vor dem Genuß abzuspülen. Auf Ausflügen oder Reisen zum Verzehr mitgenommenes Obst fann evt. vor der Mitnahme gewaschen und dann entsprechend verpackt werden. Erfahrungsgemäß werden nur in den allerseltensten Fällen derartig mitgenommene Eßwaren wieder mit nach Hause ge= bracht, also die Gefahr des Verderbens ist hier nicht groß. Jm übrigen gilt das Waschen des Obstes vor dem Genuß vor­bie die alte Volksweisheit: Bange machen gilt nicht!"

An Regentagen ist man zu Hause überhaupt besser aufge= hoben als auf Reisen, und man wird sich freuen, an solchen Tagen die gewohnte häusliche Bequemlichkeit um sich zu haben, ebenso wie man sich jeden Abend freuen kann, in sein eigenes Bett zu kommen, von dem man weiß, daß es lang und breit genug ist. Die Gewöhnung an ein fremdes Bett kostet manchen empfindsamen Reisenden einige schlaflose Nächte.

Die Unterhaltung und der Zeitvertreib muß natürlich auch ein ganz anderer sein, als gewöhnlich. Alle beruflichen

An unsere Sparer!

Die Tatsache, daß die Darmstädter- und Nationalbant ihre Schalter vorläufig schließen mußte, hat naturgemäß unter den Einlegern auch der anderen Geldinstitute, namentlich der öffentlichen Sparkassen, Be­unruhigung hervorgerufen. Ausgehend von der Voraussetzung, daß auch die Einlagen bei den Sparkassen ge= fährdet seien, setzte heute ein allgemeiner Ansturm von Einlegern auch auf unser Institut ein, der jeder ver: nünftigen Grundlage entbehrte. Wir sahen uns daher veranlaßt, die vorhandenen Barmittel zu rationieren, um jedem unserer Einleger einen Betrag auszahlen zu können. Wir erklären ausdrücklich, daß wir als öffentliches Institut an den Vorgängen bei der Darmstädter- und Na tionalbant nicht beteiligt sind und daß Deckung für unsere Einlagen in der ge= setzlich vorgeschriebenen Form zur Verfügung steht. Selbstverständlich ist es unmöglich, alle ausgeliehenen Gelder plötzlich zu kündigen, eine Maßnahme, die weiteste Kreise in der Wirtschaft namentlich im Mittelstand und Kleingewerbe in Mitleidenschaft ziehen würde. Wir erwarten daher von unseren Einlegern, daß sie uns das seither erwiesene Vertrauen auch weiter bewahren, zumal keinerlei Gefahr für die Einlagen besteht. Wir werden alles tun, um die allgemeine Krise in einer Form, die den Wünschen unserer Einleger in weitgehendstem Maße entspricht, zu überwinden, müssen selbstverständlich aber auch die Erwartung aussprechen, daß von seiten der Einleger alles getan wird, um eine reibungslose Abwid­lung des Verkehrs zu gewährleisten, und daß vor allem Abhebungen, die nicht unbedingt zur Bestreitung der nötigsten Ausgaben vorgenommen werden müssen, unter:

bleiben.

Gießen, den 13. Juli 1931.

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