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3, Kochstraße 28.)
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Gießener Zeitung
Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. daktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rückfadung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
44. Jahrg.
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Bolitische Rundschau.
Die Zahl der Arbeitslosen ist in der zweiten Aprilhälfte betrichtlich gesunken. Sie belief sich am Ende des Monats auf 190 000, das Find 240 000 weniger als am 15. April. Die Zahl be Hauptunterstügungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung betrug Ende April rund 1890 000, das heißt rund 215 000 miger als am 15. April.
Die nächste Sigung des Reichskabinetts wird voraussichtlich am Samstag stattfinden. Sie wird lediglich den außenpolitischen Fragen gewidmet sein. Mit der Erledigung der sozialpolitischen und finanzpolitischen Reform will man bis zur Rückkehr des Reichskanzlers und Außenministers aus Chequers warten.
Zu den verschiedenen umlaufenden Meldungen über die Revifionsfrage verlautet von unterrichteter Seite, daß ein endgülLiges Urteil des Reichskabinetts, wann und in welcher Form die Reparationsfrage angeschnitten werden soll, nicht vorliegt.
Die Reichsregierung hat das Agrement zur Ernennung des Professors Americo Castro zum spanischen Botschafter in Berlin eticilt.
Der große Bericht, den der Danziger Völkerbundskommissar Staf Gravina dem Generalsekretär über die Beziehungen zwischen Danzig und Polen überreicht hat, ist nunmehr amtlich auf die Tagesordnung der Maitagung des Völkerbundsrates gesetzt
worden.
Die französische Regierung hat dem Generalsekretär des VölPerbundes eine Note übermittelt, in der die deutschen Vorschläge auf Veröffentlichung der Rüstungsziffern abgelehnt werden.
Der Preußische Landtag nahm am Donnerstag einen sozial: Demokratischen Antrag an, wonach das Staatsministerium durch Den Reichsrat und auch auf dem Verhandlungswege auf die Reichsregierung einwirken soll, daß die letzte Brotpreiserhöhung in Berlin und anderen Orten sofort rüdgängig gemacht wird. Der Geschäftsführende Vorstand des Deutschen Beamtenbunhes nahm in seiner Donnerstagsigung eine Entschließung an, die F gegen weitere Herabjegungen der Beamtenbezüge wendet.
Der amerikanische Botschafter in Berlin, Sadett, hatte eine Lange Unterredung mit dem Präsidenten Hoover und StaatsTehetär Stimson über die allgemeine Lage in Europa unter Tejonderer Berücksichtigung des deutsch- österreichischen Zollangleihungsplanes.
Die neuerdings wieder auftauchenden Gerüchte, daß die Abeitungskonferenz verschoben werden soll, werden in der AbTungsabteilung des Völkerbundssekretariats, wie von unterridteter Seite erklärt wird, nicht ernst genommen.
Die Flottensachverständigen Englands, Jtaliens und Frank1ihs werden am Montag wieder zu einer Sigung zusammen
Zelent.
In der französischen Kammer begann am Donnerstag nachmittag die lange erwartete große Zollunions- Aussprache. Die Interpellanten stellten die Behauptung auf, daß die deutsch- östermeihische Zollunion den Friedensverträgen widerspreche.
Das englische Unterhaus hat die Grundbesitzsteuer mit 289 gegen 230 Stimmen angenommen.
geheten.
( Gießener Tageblatt)
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Samstag, den 6. Mai 1931
3. Landwirtschaftliche Meliorationen erklärt das Gutachten als ein besonders geeignetes Feld für die Arbeitsbeschaffung. 4. Landwirtschaftliche Siedlung. Für eine zielbewußte För derung der landwirtschaftlchen Siedlung setzt sich die Kommission mit besonderem Nachdruck ein.
5. Wohnungswirtschaft. Eine allzu starke Einschränkung des Wohnungsbaues mit öffentlichen Mitteln wird von der Kommission nicht empfohlen.
Was die Arbeitsbeschaffung mit Hilfe öffentlicher Mittel betrifft, so unterstützt die Kommission die Bestrebungen, die zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten ge= führt haben.
Im Schlußkapitel behandelt die Kommission Maßnahmen besonderer Art, die mit der Arbeitsbeschaffung in loserem Zusammenhang stehen. Sie befürwortet die Ausgestaltung von Einrichtungen der gemeindlichen Arbeitsfürsorge und lehnt die Einführung einer allgemeinen Arbeitsdienstpflicht vor allem aus finanziellen Gründen, ab. Dagegen empfiehlt sie die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes als einen Weg zur Milderung der Folgen der Arbeitslosigkeit.
Hoovers Abrüstungsforderung.
Berlin. Die Rede, die Präsident Hoover auf der Tagung der Internationalen Handelskammer in Washington gehalten hat, erregt mit Recht in den Hauptstädten Europas lebhaftes Aussehen. Seine Forderung, die Landrüstungen zu vermindern und dadurch das Vertrauen in der Welt wiederherzustellen, kann sich bei dem Stande der Dinge nur gegen Frankreich richten. Die gewaltigen Rüstungen Frankreichs und seiner Verbündeten haben jenen Zustand herbeigeführt, daß heute 5,5 Millionen Mann unter den Waffen stehen und daß die Welt 5 Milliarden Dollar für Rüstungen jährlich ausgibt, also 70 Prozent mehr als vor dem Weltkriege. Der Druck, den die Vereinigten Staaten offenbar auf den Gang der Abrüstungskonferenz auszuüben beabsichtigen, kann sich durchaus in der Richtung auswirken, daß Frankreich zu einer gewissen Herabsetzung seines überhöhten Rüstungsstandes veranlaßt wird. Es ist bemerkenswert, daß Hoover in seiner Rede wohl zum erstenmal einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Abrüstungsfrage einerseits und dem Problem der interalliierten Kriegsschulden und der deutschen Kriegstribute andererseits festgestellt hat. Nach der Auffassung des amerikanischen Präsidenten wird Amerika eine Erleichterung der interalliierten Schulden nur dann zulassen, wenn die europäischen Militärstaaten, also in erster Linie Frankreich, ganz bedeutende Zugeständnisse in der Abrüstungsfrage machen.
Wer leitet die Abrüstungskonferenz?
London. Der ,, Daily Telegraph" veröffentlicht heute die in unterrichteten Kreisen bereits seit einigen Tagen bekannte Tatsache, daß die italienische und deutsche Regierung gewillt sein dürften, die Kandidatur des Außensekretärs Henderson als Präfident der Weltabrüstungskonferenz zu unterstützen. Die italienische Regierung wird Henderson während der Genfer Verhandlungen vorschlagen.
Das norwegische Kabinett ist am Donnerstag abend zurüd- Vor der Wahl des Präsidenten von Frankreich.
Paris. Erst gestern, fünf Tage vor der Wahl des Präsidenten, meldet sich offiziell der erste Kandidat. Es ist dies der
Das 2. Gutachten der Braunskommission. Präsident des Senats, Paul Doumer. Er übersandte den Zei
Die vom Reichsarbeitsminister berufene Gutachterkommisfon zur Arbeitslosenfrage hat jetzt, wie bereits kurz mitgeteilt, en zweiten Teil ihres Gutachtens der Deffentlichkeit unterbeitet. Er enthält Vorschläge zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschaffung.
In einer allgemeinen Einleitung bezeichnet es die Kommission als die Hauptaufgabe aller Wirtschaftspolitik, die Ersarung, in der sich die Wirtschaft heute befindet, zu lösen und bit afliegende Arbeitskräfte, Produktionsmittel und Warenvortörte produktiv zu nutzen. Dazu hält die Kommission die Heranebung von Auslandskapital für unbedingt nötig, vorausgesetzt, dot es zu erträglichem Zinsfuß zu erhalten ist. Weitere Voratsetzung für das Gelingen der Arbeitsbeschaffung ist aber, daß die öffentlichen Finanzen geordnet sind, daß in der öffentlichen privaten Wirtschaft und in der Lebenshaltung Sparsamkeit geit, daß die deutsche Währung aufrecht erhalten bleibt und de fich die innerpolitischen Verhältnisse beruhigen.
Im Anschluß an diese grundlegenden Erörterungen nennt dile kommission eine Reihe von Einzelmaßnahmen zur Arbeitsbestaffung, die ihr als besonders wichtig erscheinen.
1. Energiewirtschaft. Sie bietet trotz der großen EntwickTurg der Elektrizitätswirtschaft noch Raum für Investitionen somh beim Bau von Kraftwerken wie beim Ausbau von Leitumesneken. Dasselbe gilt für das Gebiet der Gaswirtschaft, wo Danillem die verstärkte Jnangriffnahme der Fern- und Gruppengusterjorgung entpfohlen wird.
2. Verkehrswesen. Auf diesem Gebiete empfiehlt das Gutarten große Vorsicht. Die Anlage von großen innerdeutschen Drathgangsstraßen für den Fernverkehr lehnt sie wie Kanalbumen ab. Dagegen empfiehlt sie bei der Reichsbahn die Fortfügung der Elektrifizierung und vor allem die Verbesserung des alten Straßennetzes.
tungen gestern abend ein Kommuniqué, in dem er vor allem erklärt, es sei nicht richtig, wenn er als ein Gegner des Friedens dargestellt werde. Der Präsident der Republik dürfe keiner Partei angehören, sondern müsse der Schiedsrichter aller sein.
Wenn es also nun auch sicher ist, daß Doumer kandidiert, so ist doch noch völlig unsicher, wer ihm als Gegenfandidat gegenüberstehen wird. Briands Feinde behaupten, daß dieser Doumer versprochen habe, nicht gegen ihn zu kandidieren. Briand wird sich zweifellos erst endgültig entscheiden, wenn er gesehen haben wird, welche Aufnahme seine gestrige große Rede in der Kammer findet.
Schweres Unwetter über Süddeutschland.
Am Donnerstag nachmittag tobte über großen Teilen Süddeutschlands ein schweres Unwetter. Im Taunus, besonders in Bad Homburg und Umgebung richteten herabstürzende Wassermassen, die selbst Menschenleben in Gefahr brachten, großen Schaden an. Nachts ging über Hösbach bei Aschaffenburg ein schwerer Wolkenbruch nieder. Auf der abschüssigen Schöllkrippener Straße wurden drei junge Leute von den Fluten fortgerissen. Sie haben wahrscheinlich den Tod darin gefunden. Auch aus Bruchsal werden schwere Ueberschwemmungen gemeldet. In der Umgebung von Karlsruhe verursachte der wolkenbruchartige Regen große Störungen im Eisenbahnverkehr. Aus Baden- Baden wird berichtet, daß auch im Dostal große Verheerungen angerichtet wurden. Neckar und Fils führen Hochwasser. Aus Kirchheim unterm Ted wird berichtet, daß die Lauter aus ihrem Flußbett getreten ist; Groß- und Kleinvieh konnte vielfach nicht mehr gerettet werden.- Ebenfalls in Koblenz und in der näheren Umgebung haben die starken Regenmassen erheblichen Schaden angerichtet.
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Nummer 37
Es geht auch ohne Zwangswirtschaft!
R.P.D. Die großen internationalen Verbände der Bauund Wohnungswirtschaft rüsten eifrig für ihre diesjährigen Kongresse. Die ,, International Federation for Housing and Town Planning", die Fédération Internationale du Bâtiment et de Travaux Publics", die Fédération Horticole Professionnelle Internationale" ,,, Les Congrès Internationause d'Architecture Moderne" und der ,, Internationale Verband für Wohnungswesen" geben sich Anfang Juni d. J. anläßlich der ,, Bau- Ausstellung Berlin 1931" in der deutschen Reichshauptstadt ein Stelldichein, um die Gedanken der großen Deffentlichkeit wenigstens für kurze Zeit auch einmal auf die überragenden wirtschaftlichen und sozialpolitischen Aufgaben der Bau- und Wohnungswirtschaft zu konzentrieren.
Db die Kundgebungen eine nachhaltige Wirkung zeitigen werden und deshalb mit einiger Berechtigung vielleicht als große Ereignisse zu werten sind, muß zunächst einmal abgewartet werden ihre Schatten werfen sie jedenfalls voraus.
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Zum mindesten geht der Internationale Verband für Wohnungswesen" nicht ungeschickt zu Werke, wenn er schon heute das geistige Rüstzeug für die vorgesehene, groß angelegte Diskussion über ein brennendes Gegenwartsproblem zu ordnen sucht. Der Verband will nämlich einem internationalen Kreis namhafter Fachleute zum erstenmal die in vielen Kulturländern heiß umstrittenen Fragen zur Erörterung vorlegen: ,, Db und inwieweit unter den gegenwärtigen Verhältnissen die auf privatwirtschaftliche Rentabilität eingestellte Bauwirtschaft ohne öffentliche Unterstützung in der Lage ist, den Wohnungsbedarf der breiten Schichten der Bevölkerung in einer Weise zu decken, die den wirtschaftlichen, sozialen, hygienischen und kulturellen Anforderungen entspricht", und ,, wie die Bauwirtschaft zu organisieren ist, um den Bedarf, an Kleinwohnungen in befriedigender Weise zu decken".
Der ,, Internationale Verband für Wohnungswesen" hat sich Mühe gemacht, die Diskussion über diese Fragen, die nicht allein in Deutschland den Anlaß zu erbitterten politischen Kämpfen gaben, gründlich vorzubereiten. Bekannte Fachleute fast aller europäischen Länder, einschließlich der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika, haben Vorberichte erstattet, die zu einem stattlichen Band*) vereinigt sind. Deutschland ist darin mit acht Referaten reichlich vertreten, allerdings muß man unter den sieben Referenten leider einen Fachmann aus der privaten Bau- und Wohnungswirtschaft vermissen, ein Mangel, der bei den später folgenden Generalberichten im Interesse einer Dbjektivierung der Berichterstattung abgestellt werden müßte.
Betrachtet man die verschiedenen Länderberichte, die insofern uniformiert sind, als sie alle auf Grund von Fragebogen die ,, private, öffentliche und gemeinnüßige Bautätigkeit als Grundlage für die Deckung des Wohnungsbedarfs" einheitlich behandeln, so stellt man erneut fest, daß die Methoden zur Bekämpfung der Wohnungs- und Raumnot in den einzelnen Ländern durchaus verschiedene sind.
Eines der wenigen Länder Europas, das sich schon bald nach dem Kriege wieder aus der Zwangsbewirtschaftung des Wohnraums herausgefunden hat, ist Finnland.
Finnland ist nach dem Weltkriege zu einer völlig auf privat
wirtschaftlicher Grundlage beruhenden Wohnungsproduktion zu= rückgekehrt und war wohl das erste Land, in dem man die wäh rend der Kriegszeit entstandene Mieterschutzgesetzgebung vollkom men fallen ließ.
Wie der Geschäftsführer des finnischen Städtebundes und Vorsitzende des Vereins für Wohnungsreform in Finnland in seinem Bericht im einzelnen ausführlich darlegt, wurde, wie anderwärts, auch in Finnland noch in den Jahren 1919 bis 1929 in der Hauptsache von den Gemeinden und gemeinnütigen Bauvereinigungen gebaut, um die Bautätigkeit in Gang zu bringen. Jedoch erhielt die private Bautätigkeit der ,, Wohnungs- Aktiengesellschaften" sehr bald eine wachsende Bedeutung, besonders als 1922 der Mieterschutz abgebaut wurde.
Die Wohnungs- Aktiengesellschaften beruhen in Finnland auf einer alten Tradition, sind aber erst im letzten Jahrzehnt zu erheblicher Bedeutung gelangt. Die rechtliche Grundlage bildet das Gesetz für die Wohnungs- A.- G. vom 5. Februar 1926. Danach ist eine Wohnungs- A.- G. eine Gesellschaft, deren Zweck es ist, ein Gebäude zu besitzen, in dem der größte Teil der Räume für Wohnungszwecke der Aktienbesizer reserviert ist, und bei der jede Aktie für sich allein oder mit anderen Aktien zusammen das Verfügungsrecht über eine bestimmte in dem Gebäude befindliche Wohnung oder ein Geschäftslokal gewährt. Neben diesen Wohnungs- Aktiengesellschaften gibt es noch Aktienbaugesellschaften älteren Datums, die von einzelnen Kapitalbesizern ge gründet wurden und die auch an außerhalb der Gesellschaft stehende Personen Wohnungen vermieten. Außer den rein pri vatwirtschaftlichen Wohnungs- A.- G, gibt es auch gemeinnützige Wohnungs- A.- G. mit beschränkter Dividende, bei denen der Aktienbesitzer die Aktien nur dann abtreten darf, wenn die Gesellschaft die Aktien nicht selbst zurückkaufen will. Außerdem gibt es auch kommunale Wohnungs- A.- G., die speziell für minderbemittelte Kreise gegründet worden sind. Diese sind jedoch so organisiert, daß die Mieter durch Zuschläge zum Mietpreis allmählich die auf ihre Wohnung entfallenden Aktien erwerben


