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Mittwoch den 7. Januar 1931

Der erste Sonntag des neuen Jahres brachte durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse wieder die meisten Spielfelder in einen schlechten Zustand. Es mußten dieferhalb Spiele ausfallen, und auch bei den ausgetragenen Spielen ließen die Bodenverhältnisse manches zu wünschen üb­rig.

1. Bezirksklasse:

Der Versöhnungstampf Wetzlarer Sportverein- Frohnhausen mußte des Plates wegen ausfallen. 2. Bezirksklasse:

,, Oranien"

Zwei Begegnungen Aßlar Laubach; Ehringshausen Weilburg fielen der Witterung zum Opfer. Nur ein Treffen Großenbused Niedergirmes fam zum Austrag. Die Platz­besitzer, welche das Vorspiel in Weylar mit 4: 1 Toren ver­loven, nahmen auf eigenem Gelände Revanche, denn die Sportler aus der Lahnvorstadt, welche von ihrem Können eingebüßt haben, mußten mit 3: 1 Toren die Revanche hinnehmen, sowie ihre lehten Meisterchancen schwinden se­hen, denn Butzbach und Löhnberg, welche nur 5 Verlust­punkte haben, werden ihren Vorsprung flug zu vertei­digen wissen.

1. Gautlasse:

Von den vier angesetzten Begegnungen fiel Nauborn Biskirchen aus. Einigen Ueberraschungen brachten die Er­gebnisse des Sonntags. Wetzlar Sportverein 2, ungeschla= gene und ohne Verlustpunkte Tabellenerste, büßte seinen er­sten Punkt ein. Oberbiel vollbrachte nach einigen Nieder­lagen wieder eine Glanzleistung, indem es durch unent­schieden, 1: 1, den Gästen aus Wezlar den einzigen Punkt bis jetzt abtnöpfen konnte. Vorspiel 4: 0 für Wetzlar. Steindorf hatte auf eigenem Blake Niedershausen. Die Gäste zeigten sich von der besten Seite; denn nur durch zwei Elfer blieben die Steindorfer die Glücklicheren und 4: 3 unverdient Sieger. Bissenberg und Burgholms lieferten sich in Bissenberg den 6. Kampf innerhalb zwei Jahren. 2: 0, 3: 1 und 2: 1 siegte Bissenberg in Burgsolms 4: 0 und 8: 0 gewannen die Biss. zu Hause. Auch diesmal lieferten sich beiden Mannschaften ein äußerst faires, flottes Spiel. Offenes verteiltes Feldspiel sah die Bissenberger durch ihr technisch und taktisch besseres Können mit 5: 1 Sieger. Die Burgsolmser hinterließen den besten Ein­drud.

2. Gau- Klasse, Gruppe 5: Die beiden Tabellenersten Braun­fels 2. gegen Stodhausen 1. fämpften im Schloßstädtchen um Sieg und Punkte. Die Braunfelser, welche in Stockhausen mit 2: 1 siegreich gastierten, triumphierten auch diesmal als Sieger mit 3: 2.

2. Gau- Klasse, Gruppe 6: Das letzte Verbandsspiel fam am Sonntag zum Austrag. Merenberg und Hirschhausen, die bei­den ersten der Tabelle, fämpften um die Meisterschaft. Hirsch­hausen blieb knapper 4: 3 Gieger und sicherte sich ungeschlagen mit nur einem Verlustpunkt die Meisterschaft. Merenberg als Neuling ist Tabellenzweiter und kann mit diesem Erfolg zu­frieden sein.

Der Westen stellt um.

Der Westdeutsche Spiel- Verband hat seine für das am 11. Januar 1931 in Frankfurt a.M. stattfindende Zwischenrunden­spie! um den DFB- Pokal gegen Süddeutschland aufgestellte Mannscheit in einigen Punkten einer Umbesehung unterziehen müssen, um Terminschwierigkeiten im Verbandsspielbetrieb zu begegnen. Die Elf, in der Wirk( Köln), Flory( Köln) und Hohmann( Benrath) ersetzt werden mußten, hat nun folgendes Aussehen: Buchloh( Speldorf); Busch( Duisburg), Weber ( Kassel); Klud( Rheine), Münzenberg( Aachen), Schlös­fer( Barmen); Albrecht, Hochgesang( Düsseldorf), Niggemener ( Mühlheim), 3arges, Schmitz( Sülz 07).

Um Schalkes Begnadigung.

Die Spruchkammer des Westdeutschen Spielverbandes hielt ihre angekündigte Sigung ab und veröffentlicht folgende Mit­teilung:

,, Nach einer eingehenden Besprechung der in letzter Zeit behandelten Verstöße gegen die Amateur- Bestimmungen des DFB. beschloß die Verbands- Spruchkammer des WEB. heute in Essen in voller Uebereinstimmung mit dem Verbands= Vorstand:

1. In eine Nachprüfung einzutreten, ob in den bereits ab­geurteilten Fällen ein Erlaß oder eine Milderung der verhängten Strafe eintreten kann.

2. In allen ruhenden Verfahren die Voruntersuchungen wie­der aufzunehmen und diese auch auf die Zeit nach dem Stichtage vom 26. Oftober 1930 auszubehnen, um festzu­stellen, ob tatsächlich eine Aenderung eingetreten ist, und 3. in der Verfolgung aller Verstöße gegen die Amateur bestim mungen, die nach dem 26. Oktober 1930 vorgekommen sind, nicht nachzulassen.

18000 Franken Jahresverdienst.

Frankreichs neue Fußball- Gehälter.

Der vom französischen Fußball- Verband ausgearbeitete Ent­wurf für die Einführung des Joueur Rétribué" enthält auch die Angaben über die den Spielern zuzuwendenden Gehälter. Der Verband will zu dieser Kategorie von Spielern grundsätz­lich nur solche zulassen, die auf Grund ihres tatsächlichen Kön­nens und ihrer Leistungen dazu befähigt erscheinen. Voraus­setzung für diese Leute ist jedoch, daß sie neben ihrer Profession als Berufsspieler noch einen anderen Beruf ausüben, der ih= nen ein Existenzminimum garantiert.

Als Verdienst- Höchstgrenze für die Dauer eines Jahres wurde eine Summe von 12 000 Franken bestimmt, wozu noch weitere 6 000 Franken als zulässige Prämienverdienste tommen. Das entspricht einem Maximaleinkommen von 1500 Franken

,, Gießener Zeitung"

im Monat. Das heißt, ein ,, Joueur Rétribué" kann in Frank­reich im Monat bestenfalls mit allen zulässigen Prämien 250 Mark verdienen. Es ist dies wahrlich bein hoher Betrag, be­sonders dann nicht, wenn man berücksichtigt, daß manche soge­nannte ,, Amateure" heute wesentlich mehr verdienen.

Steuern erdrosseln Berufsfußball.

Interessante 3Zahlen werden aus dem Jahresbericht des tschechischen Fußballmeisters Slavia Prag bekannt. Die Gesamt­spieleinnahme betrug bei 62 Spielen 175 000 Mart. An Steuern wurden von diesem Betrag 57 000 Marf abgeführt, Reisespe= sen verschlangen 47 000 Mart und die Bezahlung der Spieler tostete 64 500 Mark. Trotz der großen Einnahmen bleibt also nur ein geringer Ueberschuß.

Weitaus schlechter hat der Mitropacupsieger Rapid Wien finanziell abgeschnitten, dessen Kasse einen Fehlbetrag von 12 000 Mark aufweist. Obwohl für das Profisystem im Fußball diese Zahlen nicht gerade ermuntern, ist damit noch nichts gegen das Berufsspielertum an sich gesagt, denn in erster Linie unter­groben die hohen Steuern und sonstigen Abgaben die sonst ge= funde Entwicklung des Berufsfußballsports.

Handball.

SpVgg. 1900 Gießen Lahnmeister 1930-31.

Nach allgemeinem Ermessen hätte an einem der kommenden Sonntage zwischen den ersten Mannschaften des VfL. Wehlar und 1900 Gießen auf neutralem Plate ein Entscheidungsspiel um die Lahnkreismeisterschaft steigen müssen. Voraussetzung dafür war allerdings, daß Weglars erste Garnitur ihr letztes reguläres Verbandsspiel gegen 1900's zweite gewann. Das Spiel fand am Sonntag in Weglar statt. Und was trat ein? Die VfL.­Leute brachten das Kunststüd fertig, sich von 1900's Reserven 4: 3 schlagen und damit aus dem Wettbewerb ausschalten zu lassen. Der Tabellenschlußstand ist jetzt nämlich folgender: Mannschaften verl. Spiele Punkte 1900 1. VfL. Wetzlar

1900 2.

VfL. Wetzlar 2.

gew. Spiele

5

1

4

2

3

0

3 6

10

8

6

0

Zu dem bereits erwähnten Spiel von 1900.s zweiter Mann­schaft gegen Wetzlars erste ist noch furz zu sagen, daß die Gieße: ner 10 Mann und die Weglarer deren 9 zur Stelle hatten. Ausschlaggebend für den Sieg war das gute Zusammenarbeiten und der mächtige Eifer der Spielvereinigungsleute. Bei Wetzlar war ein Nachlassen in der Spielstärke zu tonstatieren. 1900 hatte folgende Akteure entsandt: Moot; Koch I, Schickedanz; Otto, Linsemann; Herbert, Ost, Bez, Auer, Speier. Die Tore wurden von Ost und Betz( je 2) erzielt.

Leichtathletik.

Die deutschen Hallenbestleistungen.

Stand: Dezember 1930.

Der winterliche Wettkampfbetrieb der Leichtathleten hat begonnen. Die Saison der Hallensportfeste ist durch Veranstal­tungen der Sportpresse in Berlin, Breslau und Dortmund er­öffnet worden. Mehr denn je wird in diesem Winter der Wettkampfgedanke bei den Hallenkämpfen im Vordergrund ste= hen, und so lohnt es sich, einmal einen Blick auf die Liste der deutschen Hallenbestleistungen zu werfen. Die Liste trägt nur inoffiziellen Charakter, sie verzeichnet die tatsächlich besten Lei­stungen deutscher Leichtathleten, denn von einer offiziellen Ein­führung von Hallenrekorden" hat die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik bisher abgesehen. Die Entwicklung der deut­schen Hallensaison wird sie über kurz oder lang dazu zwingen. In der folgenden Liste sind nur die am meisten üblichen Hallenwettbewerbe aufgeführt. Ein Blick auf die Lauflei­stungen zeigt, daß die Kurzstredenzeiten internationale Be­deutung besitzen. Körnigs 1926 in Stettin erzielte 100- meter­Zeit von 10,6 Sef. ist sogar Weltrekord. Auch solche werden offiziell noch nicht geführt, doch kontrolliert der amerikani­sche Verband die Hallenleistungen.

In den Mittel- und Langstreden, dem Hürdenlaufen und den Staffeln stehen unsere deutschen Leistungen noch weit hin­ter den amerikanischen zurück. Ebenso liegt es in den tech­nischen Uebungen, den Sprüngen, die zudem bei uns viel zu wenig im Programm der Sallenfeste zu finden sind. Da gegen war Hirschfelds Kugelstoßen von 15,56 Meter eine Zeit­lang Weltbestleistung. Der Amerikaner Kuck überbot sie schließ lich. Beidarmig ist Hirschfelds Stoß von 28,50 Meter bei wei­tem unerreicht. Die Leistung ist sogar um 27 3entimeter besser, als der in der Workriegszeit aufgestellte Freiluftrekord des Amerikaners Ralph Rose.

Als Kuriosum sei erwähnt, daß Pasemann, dessen Frei­luftrekord im Hochsprung, obgleich er vor dem Kriege aufge= stellt wurde, bisher noch nicht verbessert werden konnte, auch noch den Hallenrekord mit 1,85 Meter hält; eine Höhe, die er 1910 übersprang.

Die Liste:

50 m: Körnig- Breslau 1926 5,4 Gef.

60 m: Körnig- Charlottenburg 1927 6,6 Get. 70 m: Körnig- Breslau 1926 7,0 Sef. 80 m: Houben- Krefeld 1926 8,4 Get. 100 m: körnig- Breslau 1926 10,6 Sef.

400 m: Dr. Pelzer- Stettin 1926 51,9 Gef. 800 m: Dr. Peltzer- Stettin 1926 1: 54,8 Min. 1000 m: Dr. Peler- Stettin 1927 2: 31,7 Min. 1500 m: Boltze- Hamburg 1928 4:03 Min. 3000 m: Bolte- Hamburg 1928 8: 47,6 Min.

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60 m Hürden: Troßbach- Berlin 1929 8,1 Gef. Berlin 1930 8,1 Gef.

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Schulze­

110 m Hürden: Troßbach- Berlin 1928 15,6 Set. 4X400- m- Staffel: Hamburger Sportverein 1926 3: 35,8 Min. 3X1000- m- Staffel: Karlshorster IV. 1929 8,08,6 Min. Hochsprung m. A.: Pasemann- Berlin 1910 1,85 m. Hochsprung o. A.: Rujer- Hamburg 1928 1: 447 m. Weisprung m. A.: Meier- Berlin 1928 7,11 m. Weitsprung o. A.: Schumacher- Hamburg 1922 3,18 m. Stabhochsprung: Regener- Dortmund 1930 3,745 m. Kugelstoßen bestarmig: Hirschfeld- Allenstein 1930 15,56 m. Kugelstoßen beidarmig: Hirschfeld- Allenstein 1930 28,50 m.

*

Böcher bleibt in China.

Der bekannte deutsche Leichtathlet Herbert Böcher, der im Oftober 1929 auf die Dauer von zwei Jahren als Trainer von der Universität Mukden verpflichtet worden ist, hat mit jei= ner Lehrtätigkeit so starken Erfolg gehabt, daß ihn die Chinesen vorläufig noch bei sich behalten wollen. Böchers Vertrag wurde noch bis zum Sommer 1932 verlängert, da der Deutsche auch noch daß abschließende Training der für Los Angeles in Aussicht genommenen chinesischen Olympiateilnehmer leiten soll.

Aus Nah und Fern.

Die kirchliche Zusammenschlußbewegung in Süddeutschland.

Die Frage eines Zusammenschlusses der Evangelischen Lan­deskirchen im Gebiet der Provinz Hessen- Nassau und des Frei­staates Hessen wird bekanntlich seit Jahren ernsthaft erwogen. Nunmehr haben die beteiligten Kirchenregierungen von Hessen­Kassel, Hessen- Nassau, Frankfurt- Main, Waldeck und des Frei­staates Hessen sich in langjährigen Verhandlungen geeinigt, ihren Landeskirchentagen eine Vorlage zu machen, die einen Zusammenschluß der Kirchen zunächst nur in Form eines 3wed­verbandes vorsieht. Es bleibt abzuwarten, wie die Landes­kirchentage sich dazu stellen werden. Unabhängig davon haben sich kirchliche Parlamentarier der genannten Landeskirchen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, die die Frage einer unitarischen Verbindung der Kirche prüft. Sie haben zwei Ausschüsse gebildet, von denen der eine die Finanzfrage bearbeitet( vor allem die Frage, ob die Einbeziehung der Kirche des Freistaates Hessen in eine Gemeinschaft preußischer Landeskirchen finanziell möglich sein wird), während der an dere die damit zusammenhängenden Verfassungsfragen begut­achtet. Welches das Resultat dieser Ausschußarbeiten sein wird, läßt sich zur Zeit auch nicht annähernd beurteilen. Dem= nach ist die ganze Materie noch ungeklärt. Zeitpunkt und Form der Verwirklichung des Zusammenschlusses sind noch in teiner Weise abzusehen.

Anschlag auf den Orient- Expreßzug? Karlsruhe, 6. Jan. In der Nacht auf den 4. Januar wurde auf der Strecke nach Pforzheim zwischen den Bahnhöfen Ersin­gen und Bilfingen von unbekannter Hand ein Radschuh auf eine Schiene des Gleises Pforzheim- Karlsruhe aufgelegt. Das Hindernis wurde vom Personal einer nach Mitternacht von Pforzheim leer laufenden Lokomotive noch rechtzeitig bemerkt und beseitigt. Beim Absuchen der Strede wurde etwa 200 Meter entfernt ein weiterer Radschuh im Gleise liegend aufgefunden. Ob es sich um einen verbrecherischen Anschlag handelt, wird die vorgenommene Untersuchung ergeben. Man vermutet, daß ein verbrecherischer Anschlag auf den Orient- Expreßzug geplant ge­wesen sei, der von Pforzheim um 0.58 Uhr nach Karlsruhe abgegangen war. Diese Mutmaßung ist jedoch bisher nicht erwiesen.

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Ausstellung für chemisches Apparatewesen, die 1933 von der Dechema, Deutsche Gesellschaft für chemisches Apparatewesen E. V., veranstaltet werden wird, haben- obwohl der Tagungsort noch nicht festliegt bereits 134 Firmen ihre voraussichtliche Be­teiligung zugesagt. Davon meldeten 63 Firmen schon jetzt die Reservierung eines Ausstellungsplatzes an.

Neue Bücher.

In der Wintersonne werden die einen

des Südens die anderen Erholung suchen. Wie die diesjährige Ausrüstung sowohl für die Reise in den Winter als auch für die in den Frühling aussieht, sagt Ihnen die soeben erschienene neueste Nummer der Eleganten Welt.

Die Woche" bringt anläßlich des hundertsten Geburtstages von Heinrich v. Stephan, dem Begründer der deutschen Post und des Weltpostvereins, eine Post- Sondernummer heraus. In einem farbigen Bogen werden kostbare Marken, die man sonst fast nie zu sehen bekommt, naturgetreu reproduziert. Trotz dieser wert­vollen Beilage kostet das Heft nur 50 Pfg.

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